WW-Kurier
Ihre Internetzeitung für den Westerwaldkreis
Nachricht vom 23.08.2026
Kultur
40 Jahre Kulturwunder im Westerwald: Skulpturenpark "im Tal" feiert großes Jubiläum
Was im Jahr 1986 auf Initiative des Bildhauers Erwin Wortelkamp im beschaulichen Westerwald begann, hat sich längst zu einem europaweit einzigartigen Kulturraum entwickelt. Vom 21. bis zum 23. August 2026, feiert die Skulpturenlandschaft ihr 40-jähriges Bestehen unter dem doppeldeutigen Motto "Kunst als Gegendteil".
Der Künstler Erwin Wortelkamp und der Minister Sven Teuber im Gespräch. Fotos: Wolfgang TischlerHasselbach/Werkhausen. Das dreitägige Jubiläumsprogramm schlägt eine Brücke von den visionären Anfängen des Gründers hin zur behutsamen Weiterentwicklung durch dessen Sohn Kim Wortelkamp. Es beweist eindrucksvoll, dass dieser Ort kein starres Museum, sondern ein lebendiges Generationenprojekt ist.

Vom Eingang des Tals aus blickt man auf eine Skelettarchitektur mit der Anmutung eines griechischen Tempels am Talende. Auf über 100.000 Quadratmetern – eingebettet zwischen Wiesen, Bachläufen und Wäldern – verbindet das Kunstprojekt „im Tal“ Natur und zeitgenössische Kunst in einem behutsamen Dialog.

Der Auftakt: Ein Abend für die Wegbegleiter
Das Festwochenende startete am Freitagabend im Garten der Alten Schule in Hasselbach. Vor den versammelten „Tal-Gefährten“ sprachen die Künstlerin Prof. Dr. Schirin Kretschmann und der Kunsthistoriker Prof. Dr. Frank Fehrenbach über die tiefere Bedeutung von Kunst im Außenraum. Bei Spezialitäten aus der regionalen Wildkammer und akustischer Musik von Jupp Götz und Heinz Hox klang der erste Abend in familiärer, inspirierender Atmosphäre aus.

Der Festsamstag: Flanieren, Vernissagen und Zukunftsvisionen
Der Samstag stand ganz im Zeichen des Entdeckens und des Austauschs. Nach der offiziellen Begrüßung durch Kim Wortelkamp und einem Grußwort von Fred Jüngerich, dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld, öffnete sich das Areal für die Besucher. Entlang der gemähten Pfade lassen sich nicht nur die rund 50 fest installierten Kunstwerke internationaler Künstler bestaunen, sondern auch temporäre Arbeiten von Kunstschaffenden wie Thomas Rentmeister oder Gabriela Oberkofler entdecken.

Ein Höhepunkt des Samstags war die Vernissage im „Haus für die Kunst“. Dort präsentiert Tilo Schulz seine Ausstellung „Endless Canvas“, die von einer eindringlichen Klanginstallation des ungarischen Soundkünstlers Gábor Lázár begleitet wird.

Wie aus dem einstigen Lebenswerk ein zukunftsfähiges Konzept wird, beleuchtete am späten Nachmittag die Podiumsdiskussion „Im Tal 1986 – 2026 – 2066“.

Festakt

Am Abend folgte der offizielle Festakt im eigens für das Jubiläum erstellten zirkusartigen Festzelt. Das Blasorchester Mehrbachtal verkündete melodisch den Beginn. Kim Wortelkamp begrüßte neben seinen Eltern die Gäste aus Politik und Kultur und dankte allen Helfern.

Sven Teuber, Minister für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz, war von seiner Mitarbeiterin Dr. Ariane Fellbach-Stein durch das Kunst-Tal geführt worden. In seinem Grußwort betonte er, er habe viele gute Anregungen bei dieser Tour erhalten. Das Zelt als Ort der Begegnung passe in dieses Tal, in dem die Verbindung von Tal und Berg sowie der in der Region verwurzelte genossenschaftliche Gedanke aktiviert werden. Die Frage sei: Intimität, Anonymität oder Solidarität? Teuber appellierte, die Kinder so zu erziehen, dass sie nicht in die Anonymität flüchten, sondern streitbar miteinander umgehen. In sozialen Medien habe jeder viel zu erzählen, aber man rede nicht miteinander.

Ein neues Kunstwerk steht sichtbar im Tal seit zwei Tagen, das sich nicht so in den Raum einfügt, sondern einen störenden Blickpunkt bietet. „Das brauchen wir in unserer Gesellschaft: Herausforderungen wie die von Familie Wortelkamp geschaffenen, die Menschen zusammenbringen, neue Blickwinkel und Ideen für die Zukunft entwickeln.“

Kim Wortelkamp versicherte: „Wir machen weiter, es ist uns ein Anliegen!“ Bei der Begrüßung von Giacomo Forte von der Fondazione Bosa verwies er auf ein Fotografie-Stipendium, das vier Wochen im Westerwald, der Heimat des berühmten Fotografen August Sander, vier Wochen in Bosa und zuletzt in Leipzig, wo Kim Wortelkamp die Halle 14 leitet, stattfindet.

Der Journalist Carl Friedrich Schröer verwies in seiner Festrede auf mehrere Jubiläen: Das Tal wird 40 Jahre alt, das sind 40 Jahre Kunst im Dialog mit der Landschaft und 40 Jahre permanente Herausforderung mit Pflanzen, Pflegen und Fördern. Vor 50 Jahren begann Erwin Wortelkamp mit der Sammlung August Sander, vor 30 Jahren mit Bauarbeiten für das Haus der Kunst und vor 20 Jahren wurde die Stiftung „Im Tal“ gegründet, die heute von Sohn Kim geleitet wird. Schröer versprach wiederzukommen, wenn Erwin im übernächsten Jahr 90 wird.

Der Redner beleuchtete auch den Aufbruch des eigenwilligen Künstlers in die Münchener Kunstakademie und in die Bücherwelt. Bis heute halte er seine Büchersammlung mit seinen Kunstwerken im Alten Schulhaus zusammen. Der Sonderling Wortelkamp wollte Künstler werden und vollbrachte das „Wunder von Hasselbach“, erstaunlichste Lebensleistung mit unbändigem Gemeinschaftssinn. „Das Tal ist ein nach allen Seiten offener Spiegelsaal. Jeder findet hier das gleiche Recht, verschieden zu sein.“ Das Familienunternehmen Wortelkamp solle die Zukunft erobern.

Sonntagsausklang mit „Nature Writing“
Das Jubiläum schließt am Sonntag im Garten der Alten Schule mit einer literarischen Note. Der Literaturwissenschaftler und Autor Prof. Dr. Jan Röhnert liest aus seinen Werken zum Thema „Nature Writing“ – eine perfekte Ergänzung für einen Ort, an dem die Natur selbst als Co-Autorin der Kunst auftritt. htv
Nachricht vom 23.08.2026 www.ww-kurier.de