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Nachricht vom 12.08.2026
Wirtschaft
Wie die Weltmeisterschaft die Wirtschaft im Juni ankurbelt
Hinweis: Dieser Artikel kann Links enthalten, die sich an Personen ab 18 Jahren richten. Am 11. Juni rollte der Ball und mit ihm eine Maschinerie, die größer ist als jedes Turnier zuvor: 48 Mannschaften, 104 Partien, 16 Spielorte in den USA, Kanada und Mexiko, fünf Wochen lang. Als Konjunkturwunder ist die WM längst verkauft, die FIFA hat die Zahlen dazu parat. Nur fließt das große Geld dieses Sommers selten dorthin, wo die Fans jubeln, sondern dorthin, wo gebaut, gebucht, gesendet und getippt wird.
Symbolfoto (KI bearbeitet)Die FIFA beziffert den globalen Wirtschaftseffekt auf bis zu 40,9 Milliarden Dollar und verspricht 824.000 Jobs rund um den Globus, allein in den USA eine zusätzliche Wertschöpfung von 17,2 Milliarden Dollar, verteilt auf elf Gastgeberstädte, die zusammen über fünf Milliarden einspielen sollen. Auf einer Pressekonferenz klingt das makellos. Im Sommer davor sollte schon die Club-WM den US-Tourismus beflügeln, und auch jetzt steht die Frage im Raum, ob die Rechnung aufgeht: Zuletzt meldeten rund 80 Prozent der befragten Hotels in den Spielorten Buchungen unterhalb der eigenen Prognosen, die Zimmerpreise sind teils um ein Drittel eingebrochen.

Manche Gewinner stehen fest, bevor überhaupt der erste Ball im Netz zappelt. Über 13 Millionen Besucher erwarten die Analysten, mehr als 21 Millionen gebuchte Übernachtungen, und davon leben dann Hotelketten wie Marriott, Hilton und Hyatt, daneben Reiseplattformen wie Airbnb und Booking.

Die Sender kassieren Werberekorde; für Fox allein veranschlagt Morgan Stanley 300 bis 400 Millionen Dollar. Sogar die Bierfässer sind verplant: Jefferies rechnet mit weltweit über einer Milliarde geleerter Pints, was der Branche ein Volumenplus von 0,3 Prozent bringt, eine Zahl, die niemanden vom Hocker reißt und trotzdem in jeder Bilanz auftaucht.
Hinter den großen Zahlen wächst die Skepsis. Ökonomen erinnern daran, dass Mega-Events ihre Versprechen selten halten und ein Teil der Ausgaben nur Ausgaben verschiebt, von einer Kasse in die nächste. Ein Turnier kann eine Stadt tatsächlich umbauen, Barcelona hat das nach 1992 vorgeführt, doch solche Geschichten sind die Ausnahme, nicht die Regel. Die Gastgeberstädte schultern derweil hunderte Millionen für Sicherheit, Stadionumbauten und Fan-Feste, während die FIFA mit einem Rekordgewinn von rund elf Milliarden Dollar plant. Und die schönsten Stadtprognosen, etwa die 594 Millionen Dollar für Los Angeles, stammen aus einer Welt, die es vor den heutigen Reisehürden noch gab.

Ein Teil dieses Geldes entsteht weit weg von den Tribünen, in einem digitalen Markt, der mit jedem Turnier zulegt. Macquarie erwartet weltweit Wetteinsätze von mehr als 50 Milliarden Dollar; der Deutsche Sportwettenverband rechnet allein hierzulande mit knapp einer Milliarde Euro und nennt große Turniere einen zusätzlichen Umsatzmonat. Spiele mit deutscher Beteiligung treiben die Einsätze traditionell nach oben. Ein erheblicher Anteil davon versickert allerdings im unregulierten Markt, und niemand weiß so recht, wie groß dieser Schatten genau ist.

Um diesen Markt herum ist eine eigene Branche aus Vergleichs- und Analyseportalen entstanden. Die Buchmacher unterhalten ganze Stäbe von Analysten, die Quoten mit Millionenbudgets durchrechnen; spezialisierte Portale wiederum bündeln diese Daten, sortieren Favoriten und protokollieren, wie sich das Angebot von Spieltag zu Spieltag verschiebt. Genau dieses Segment kartieren Branchenportale wie wettbonus, deren Redaktionen den deutschen Wettmarkt im Wochenrhythmus durchleuchten. Was dort an Zahlen zusammenläuft, erzählt weniger über das nächste Achtelfinale als über die schiere Größe eines Geschäfts, das neben dem sportlichen Wettbewerb herwächst.

In Deutschland fällt der reale Effekt kleiner aus, als der Rummel es nahelegt. Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet mit einem gesamtwirtschaftlichen Mehrumsatz von rund 400 Millionen Euro, aufgeteilt auf Gastronomie, Lebensmittelhandel, Elektronik, Fanartikel und Werbung. Ökonomen reden deshalb lieber von einem Stimmungsimpuls als von einem Wachstumsschub, und das ist, in einer lahmenden Konjunktur, gar nicht so wenig wert.

1954 schob die WM den Fernseher in die deutschen Wohnzimmer; diesmal zündet der alte Reflex „WM gleich Umsatz" einfach nicht. Der Grund liegt acht Zeitzonen entfernt. Viele Partien laufen mitten in der Nacht, und wenn die halbe Republik schläft, dann schläft eben auch das Portemonnaie.

Beim Konsumverhalten schlägt das unmittelbar durch: In einer Umfrage fürs Handelsblatt erklärten 71 Prozent der Deutschen, zur WM kein zusätzliches Geld lockermachen zu wollen; wer doch plant, denkt an Snacks, Grillgut, ein paar Getränke. Der Sportökonom Sascha Schmidt nennt den WM-Effekt gedämpft und knüpft den eigentlichen Hebel an etwas, das in keiner Bilanz steht: Je weiter die deutsche Elf kommt, desto höher klettern Einschaltquoten, Trikotverkäufe, Umsätze in den Kneipen.

Im Grunde ist die Rechnung einer WM eine Tourismusrechnung. Mehr als die Hälfte der erwarteten Ausgaben hängt an Reisenden, an Übernachtungen, an dem, was Gäste vor Ort dalassen. Es ist derselbe Mechanismus, der weit weg von jedem Flutlicht regionale Wertschöpfung antreibt, vom Gastgeber über das Handwerk bis zum Getränkelieferanten. Diesmal aber hängt am Anstoß, ob aus der Begeisterung am Ende ein Beleg in der Kasse wird.

Greifbarer ist die Vorfreude im Sportfachhandel. Händler erwarten merklich höhere Verkäufe bei Trikots und Fanartikeln, auch weil Adidas zum letzten Mal das DFB-Trikot näht, ehe 2027 Nike das Erbe antritt. Für manche Fans ist das aktuelle Jersey deshalb kein Sportartikel mehr, sondern ein Stück Erinnerung zum Mitnehmen. Echte Umsätze, ja, aber nichts läuft von allein: Wer die Anstoßzeiten kennt und sein Sortiment danach ausrichtet, gewinnt; wer auf das Sommermärchen von 2006 wartet, schaut bloß zu.

Bleibt die unbequeme Pointe dieses Sommers. Der größte Hebel für die heimische Wirtschaft steckt nicht in einem Werbebudget, nicht in einer Hotelprognose, sondern in den Beinen von elf Spielern, die am 14. Juni gegen Curaçao anfangen. Geht es schief, bleibt der Stimmungsimpuls ein Impuls und sonst nichts. Läuft es, dann zahlt am Ende ausgerechnet der Fußball eine Rechnung, die so in keiner Tabelle stand. (prm)

Hinweis zu den Risiken von Glücksspielen:
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst und nutzen Sie bei Bedarf Hilfsangebote wie die Suchtberatung (Link: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung - Glücksspielsucht).
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