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Nachricht vom 02.08.2026
Rheinland-Pfalz
Handy am Steuer: ADAC startet Aktionsmonat in Rheinland-Pfalz
Die Nutzung von Handys während der Fahrt ist eine unterschätzte Gefahr im Straßenverkehr. Um Autofahrer auf die Risiken aufmerksam zu machen, startet der ADAC Mittelrhein einen Aktionsmonat in Rheinland-Pfalz. Experten fordern jedoch mehr als nur Appelle.
llustration - Smartphone-Nutzung am Steuer. Foto: Jan Woitas/dpaKoblenz/Mainz. Mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h unterwegs und nur ein kurzer Blick aufs Smartphone - schon hat man im Blindflug über 80 Meter zurückgelegt. Unter dem Motto "Lenken statt Liken - Fahr sicher ohne Handy" sensibilisiert der ADAC Mittelrhein im August mit Plakaten an stark befahrenen Straßen sowie einer Social-Media-Initiative für die Gefahren der Handynutzung am Steuer. Die verbotene Nutzung elektronischer Geräte bleibt gemäß Paragraf 23 der Straßenverkehrsordnung eine häufige Unfallursache mit teils tödlichen Folgen.

Unfallforschung geht von hoher Dunkelziffer aus
Laut Statistischem Landesamt registrierte die Polizei in Rheinland-Pfalz im Vorjahr 55 Unfälle mit Verletzten durch elektronische Geräte. Dabei gab es 11 Schwerverletzte und 56 Leichtverletzte. In weiteren 37 Fällen entstanden schwere Sachschäden. Seit 2021 starben zwölf Menschen infolge solcher Unfälle. Fachleute vermuten jedoch eine hohe Dunkelziffer, da der Nachweis schwierig ist. "Unfälle durch Ablenkung sind laut Statistik sehr selten", erklärt Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Oft müssen Verursacher die Nutzung freiwillig zugeben.

Unfallrisiko beim Schreiben oder Lesen sechsmal so hoch
Studien der UDV zeigen, dass fast jeder Vierte während der Fahrt Textnachrichten oder E-Mails versendet. Das Risiko eines Unfalls erhöht sich dabei auf das Dreifache, beim Schreiben oder Lesen sogar auf das Sechsfache. "Handy am Steuer lenkt visuell, motorisch und kognitiv ab", erklärt Zeidler. Neuwagen müssen seit diesem Jahr Ablenkungswarner haben, doch diese schlagen oft zu spät an. Kürzere Warnfristen, EU-weit geregelte Speicherung der Warnungen und spezielle Apps zur Blockierung von Nachrichten am Lenkrad könnten helfen.

Wie Polizei und Verkehrswacht aufklären
Das rheinland-pfälzische Innenministerium setzt auf eine Mischung aus Social-Media-Kampagnen und Vor-Ort-Aktionen. Mit Erklärvideos, Infografiken und Interaktionsformaten soll das Verhalten hinterfragt werden. Die Landesverkehrswacht bietet Spezialparcours an, bei denen Teilnehmer erleben, wie viele Meter sie blind zurücklegen, wenn sie eine Nachricht tippen.

Wie wirksam sind Aufklärungskampagnen?
Plakatkampagnen sieht die Landesverkehrswacht skeptisch, da sie Autofahrer kaum noch erreichen. Auch Zeidler betont: "Menschen halten sich nur an Regeln, wenn es wahrscheinlich ist, ertappt zu werden." Sie fordert härtere Strafen, wie zwei Punkte in Flensburg und den Einsatz von Monocams, also automatisierte Handyblitzer.

Abschreckung durch Monocams wirkt
Rheinland-Pfalz ist Vorreiter bei der Überwachungstechnik. Von April bis November 2025 erfassten Kontrollteams 950 Verstöße; im ersten Halbjahr 2026 waren es 668 weitere. Monocams filmt von Autobahnbrücken in den Fahrzeuginnenraum, analysiert die Aufnahmen und erkennt mögliche Verstöße. Das Innenministerium attestiert dem System eine präventive Wirkung. Eine bundesrechtliche Grundlage für den flächendeckenden Einsatz und verbesserte Warnsysteme in Fahrzeugen wird gefordert. (dpa/bearbeitet durch Red)
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