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Pressemitteilung vom 23.07.2026
Region
Regionaler Runder Tisch informiert über Hintergründe von Femiziden
Ein mutmaßlicher Femizid in Ebernhahn bewegt die Region und den Regionalen Runden Tisch Rhein-Westerwald. Die Experten machen darauf aufmerksam, dass Tötungsdelikte an Frauen oft verharmlost werden. Neue Statistiken belegen nun das Ausmaß dieser Gewalt in Deutschland und weltweit.
Die Mitglieder des Regionalen Runden Tisch Rhein-Westerwald klären zu Femiziden auf. (Foto: Petra Baldus)Westerwaldkreis. Die Nachricht über den gewaltsamen Tod einer Frau aus Ebernhahn hat die Region erschüttert. Ersten polizeilichen Ermittlungen zufolge wurde sie durch Schläge mit einem Hammer getötet. Als dringend tatverdächtig gilt ihr Ex-Ehemann. Dieser Vorfall bewegt auch die Mitglieder des Regionalen Runden Tischs Rhein-Westerwald, RRT, die sich in ihrer jüngsten Sitzung intensiv mit dem Thema Femizid befassten.

Der RRT besteht aus rund 60 Mitgliedern fachbezogener Dienstleistungen für Frauen und Kinder mit Gewalterfahrungen. Vertreten sind Fachkräfte aus dem Westerwaldkreis sowie den Landkreisen Altenkirchen und Neuwied. Die Beteiligten sind sich einig, dass Fakten über Femizide in der Bevölkerung zu wenig bekannt sind und eine stärkere Aufklärung notwendig ist.

Definition und juristische Einordnung
Der Begriff Femizid bezeichnet die Tötung einer Frau oder eines Mädchens aufgrund ihres Geschlechts. Gründe dafür können Eifersucht, Besitz- und Machtanspruchsdenken, Frauenfeindlichkeit oder Beziehungsbrüche sein. In Deutschland ist der Begriff bisher kein eigener juristischer Straftatbestand. Häufig wird stattdessen von einer Beziehungstat gesprochen.

Die Experten am Runden Tisch kritisieren diese Wortwahl. Bei der Bezeichnung Beziehungstat schwinge oft die Annahme einer Teilschuld des Opfers mit. Zudem bestehe die Gefahr, dass die Tat als bloße Einzelfalltragödie verharmlost werde. Eine klare Benennung als Femizid soll hingegen das strukturelle Problem dahinter verdeutlichen. Der Regionale Runde Tisch betont dabei die Wichtigkeit einer präzisen Sprache bei der Berichterstattung über solche Gewalttaten.

Erschreckende Zahlen aus der Statistik
Das Statistische Bundesamt bezifferte die Zahl der weltweit getöteten Frauen und Mädchen für das Jahr 2024 auf rund 83.000. Davon wurden 50.000 Opfer ihres Intimpartners oder eines Familienmitglieds. Weltweit stirbt damit fast alle zehn Minuten eine Frau durch die Hand eines nahen Angehörigen. Die statistischen Erhebungen dienen als Grundlage, um die notwendige Präventionsarbeit in den Landkreisen gezielt voranzutreiben.

Auch für Rheinland-Pfalz und Deutschland liegen konkrete Daten vor. Das Ministerium für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur veröffentlichte für das Jahr 2025 Zahlen zu Femiziden. Im Jahr 2023 wurden 938 Mädchen und Frauen Opfer von versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten. Dies entspricht einem Anteil von 32,3 Prozent aller Opfer solcher Delikte. Bei partnerschaftlichen Beziehungen liegt der Anteil weiblicher Opfer bei 80,6 Prozent. Insgesamt wurden 360 Taten vollendet, was statistisch beinahe jedem Tag ein Femizid in Deutschland entspricht.

Arbeit gegen die Gewalt
Für die Mitglieder des Regionalen Runden Tischs sind diese Zahlen ein Beleg für den Handlungsbedarf. Viele von ihnen begegnen den Auswirkungen von Gewalt gegen Frauen und Kinder in ihrer täglichen Arbeit. Die Fachkräfte sehen es als ihre Aufgabe an, die Hintergründe von Femiziden stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Nur durch eine konsequente Aufdeckung der Strukturen hinter der Gewalt kann langfristig eine Veränderung erreicht werden.

Der Regionale Runde Tisch Rhein-Westerwald wird deshalb weiterhin über die verschiedenen Aspekte von Gewalt informieren. Ziel ist es, sowohl über die Ursachen als auch über bestehende Hilfsangebote für Betroffene aufzuklären und eine gesellschaftliche Debatte über den Schutz von Frauen zu fördern. Die Mitglieder des Netzwerks setzen sich für eine bessere Vernetzung aller beteiligten Stellen ein. Dies umfasst sowohl Beratungsstellen als auch Behörden in der gesamten Region Rhein-Westerwald. (PM/bearbeitet durch Red)
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