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Pressemitteilung vom 09.07.2026
Region
Weißstörche im Westerwald: Warum derzeit ungewöhnlich viele Vögel zu sehen sind
Derzeit ziehen auffallend viele Weißstörche durch den Westerwald. Die Beobachtungen stehen nach Angaben der Naturschutzinitiative im Zusammenhang mit der positiven Entwicklung des Bestandes und veränderten Lebensbedingungen. Auch Jungvögel sind bereits in den Gruppen zu erkennen.
„Beschissene Beine“ sind beim Storch kein Malheur. (Foto: Harry Neumann / Naturschutzinitiative e.V. (NI))Westerwald. Im Westerwald sind derzeit immer wieder größere Gruppen von Weißstörchen zu beobachten. Die Trupps umfassen aktuell zwischen vier und 26 Tiere und können sich von Tag zu Tag verändern. Nach Angaben von Diplombiologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent der Naturschutzinitiative e. V. (NI), spiegelt diese Entwicklung den erfreulichen Anstieg der Weißstorchbestände wider. In den Gruppen befinden sich neben ausgewachsenen Tieren inzwischen auch flügge Jungvögel des aktuellen Jahres. Diese lassen sich an ihrem Schnabel erkennen. Während erwachsene Weißstörche einen roten Schnabel besitzen, ist dieser bei den Jungvögeln noch nicht vollständig ausgefärbt. Die Tiere tragen einen überwiegend rötlichen Schnabel mit schwarzer Spitze. Nestlinge haben dagegen noch vollständig schwarze Schnäbel.

Warum die Störche im Westerwald rasten
Bei den aktuell beobachteten Weißstörchen handelt es sich nicht um Tiere, die im Westerwald geschlüpft sind. Sie stammen aus anderen Regionen und nutzen das Nahrungsangebot in der Landschaft. Besonders nach Mäharbeiten finden die Vögel auf Wiesen zahlreiche Kleintiere, Heuschrecken und Käfer. Diese leicht erreichbare Nahrung lockt sowohl Nichtbrüter als auch Tiere an, die ihre Brut bereits beendet oder abgebrochen haben. Die im Westerwald weit verbreitete Wiesennutzung schafft damit günstige Bedingungen für rastende Weißstörche und sorgt dafür, dass sich zeitweise größere Ansammlungen bilden.

Klimawandel verändert das Zugverhalten
Nach Einschätzung der Naturschutzinitiative profitiert der Weißstorch in mehrfacher Hinsicht vom Klimawandel. Das Vegetationsjahr beginnt inzwischen früher, wodurch auch die Nahrungssuche zeitiger möglich wird. Jungstörche werden deshalb häufig bereits etwa einen Monat früher flügge als noch vor einigen Jahrzehnten. Früher lag dieser Zeitraum überwiegend zwischen Ende Juli und Mitte August.

Gleichzeitig haben sich die Zugwege vieler Weißstörche verändert. Zahlreiche Tiere auf der Westroute verzichten inzwischen auf den langen und gefährlichen Flug in die Winterquartiere südlich der Sahara. Stattdessen überwintern sie in Spanien oder Südfrankreich. Dadurch sparen sie Kraft, können früher in ihre Brutgebiete zurückkehren und haben mehr Zeit zur Nahrungssuche. Diese Entwicklung zählt nach Angaben der Naturschutzinitiative zu den wichtigen Ursachen dafür, dass sich der Bestand der Weißstörche in Deutschland nach dem starken Rückgang bis Mitte der 1980er Jahre wieder deutlich erholen konnte.

Sonnenschutz mit ungewöhnlicher Methode
Ein weiteres auffälliges Verhalten lässt sich derzeit ebenfalls beobachten. Weißstörche bestreichen ihre Beine bei großer Hitze mit ihrem Kot. Die darin enthaltene weiße Harnsäure reflektiert das Sonnenlicht und wirkt als natürlicher Sonnenschutz. Dieses Verhalten zeigen sowohl Weiß- als auch Schwarzstörche. Bereits die Jungvögel im Nest nutzen diese Methode, da ihre Nester meist ungeschützt der Sonne ausgesetzt sind. (PM/bearbeitet durch Red)

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