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Nachricht vom 08.07.2026
Region
Nach erneutem Brand: Erinnerungen an das Hotel "Kroppacher Schweiz" in Bruchertseifen
Wieder hat es gebrannt im Hotel "Kroppacher Schweiz" in Bruchertseifen. Die einst "gute Adresse" ist in den vergangenen Jahren sichtlich heruntergekommen. Ein Blick zurück auf Zeiten, in denen Hotel und Gaststätte noch glänzten.
Heute und damals: Das Hotel "Kroppacher Schweiz" in Bruchertseifen. (Fotos: rm/Weeke)Bruchertseifen. Ein Minigolfplatz, eine Bundeskegelbahn, Tanzsaal, Gästezimmer, Restaurant mit gut-bürgerlicher Küche, Biergarten, Thekenbereich - das Hotel "Kroppacher Schweiz" hatte jahrzehntelang alles, was sich Gäste nur wünschen konnten. Kein Wunder also, dass das an der Bundesstraße 256 gelegene Rasthaus gut angenommen wurde. Familien im Ort haben jegliche Feste dort gefeiert, von der Taufe über die Hochzeit bis zur Beerdigung. Dorffeiern wie etwa zu Weihnachten wurden im großen Saal abgehalten. Junge Leute kehrten samstags zum Tanz ein. Stammtische und Kegelfreunde trafen sich hier regelmäßig. Und auch Vereine und Clubs von außerhalb verbrachten Ausflüge und Wochenenden in der "Kroppacher Schweiz".

Über Jahrzehnte war die "Kroppacher Schweiz" gemeinhin unter dem Namen "Weeke" bekannt. "Wir gehen zum Weeke" hieß es zu großen und kleinen Anlässen. Denn der Weeke führte Gaststätte und Hotel lange, zunächst Senior Erwin Weeke, später dann sein Sohn Raimund. Der Anfang vom Ende setzte rückblickend 2005 ein, als Raimund Weeke die "Kroppacher Schweiz" verkaufte. Der neue Besitzer benannte das Haus um in "Himmel und Äd", konnte sich anfangs sicher auch noch über Gäste freuen. Aber richtig Fuß fassen konnte er in Bruchertseifen nie. Die Gäste blieben aus, die großen Feste wurden woanders gefeiert. Was einst Gästezimmer waren, wurden Unterbringungsmöglichkeiten für Bewohner, die immer mal wieder Ärger machten - Anwohner hatten mehrfach die Polizei gerufen wegen Ruhestörungen und Belästigungen an der Haustür. Im Jahr 2020 wurde das Gebäude zwischenzeitlich geräumt. Dreimal hat es allein in den vergangenen drei Jahren dort gebrannt: in der vergangenen Woche am 2. Juli, im Jahr 2024 und im Jahr 2023, als sogar ein Mensch ums Leben kam. Jetzt darf das Gebäude vorerst nicht mehr genutzt werden.

Die guten alten Zeiten der Kroppacher Schweiz
Doch von Anfang an: Gebaut wurde die "Kroppacher Schweiz", die mehr als 100 Jahre lang diesen Namen trug, bereits im Jahr 1893, wie in der Dorfchronik "Das alte Bruchertseifen im Spiegel seiner Geschichte" von Günter Heuzeroth nachzulesen ist. Und zwar von Mathias (genannt Max) Baumgarten und seiner Frau Luise, gemeinsam mit ihren vier Kindern lebten sie in dem Haus. Damals war die "Kroppacher Schweiz" Bäckerei, Lebensmittelladen und Gaststättenbetrieb, die Gäste waren überwiegend die Bergleute der nahe gelegenen Grube Güte Gottes, in der seinerzeit Erz abgebaut wurde. Doch auch damals kehrten ebenfalls Auswärtige ein, und bereits 1895 war eine Reklame über die "Kroppacher Schweiz" im "Westerwaldführer" des Westerwald-Club zu finden.

Als die Grube Güte Gottes zu Beginn des 20. Jahrhunderts schließen musste, geriet die "Kroppacher Schweiz" in finanzielle Schwierigkeiten. 1926 verpachtete Max Baumgarten das gesamte Anwesen zunächst an Robert Höfer, doch auch der ging pleite. Die Rettung erfolgte durch eine Hochzeit: Max Baumgartens Tochter Lisbeth heiratete August Etzbach, die beiden übernahmen die "Kroppacher Schweiz" im Jahr 1932. "Lisbeth führt jetzt hauptsächlich die Gaststätte. Nach der Arbeit als Bergmann hilft ihr Mann August in der Gaststube aus. Der Ladenbetrieb mit Konditorei wurde nicht weiter betrieben", liest man dazu in Heuzeroths Dorfchronik. Lisbeth und August Etzbach bekamen zwei Töchter, Lore und Liane. Nach dem Zweiten Weltkrieg heiratete Lore den im Dorf wohnenden Erwin Weeke. Gemeinsam führten die beiden ab 1949 den Gaststättenbetrieb, unterstützt von den Eltern Lisbeth und August. Das Wirtschaftswunder setzte ein, Günter Heuzeroth beschreibt den Aufschwung: "Nach der Währungsreform im Jahr 1948 gönnten sich Dorfbewohner immer öfters einen Gaststättenbesuch. Das macht sich auch am Ausschank der Getränke und somit bei den Einkünften bemerkbar. Im 1. Stock wurden zusätzliche Räume als Gästezimmer hergerichtet. Bald wurde im Lokal auch Mittagessen angeboten. Die Gaststätte hatte von Anfang an über zahlreiche Jahrzehnte im 1. Stock einen kleinen Saal, in dem Veranstaltungen wie Feiern und Gesangstunden des Gesangvereins stattfanden. Seine Größe reichte dann aber bald nicht ehr aus. 1956 wurde linksseitig an das Haus ein Saal mit Flachdach gebaut und entsprechend zünftig für Veranstaltungen und Feiern eingerichtet. Neben dem Saal wird eine moderne Bundeskegelbahn installiert. Neben dem Saal wurde eine Minigolfanlage angelegt, die jahrelang sich eines regen Betriebs erfreut."

Doch auch damals schon brannte es in der "Kroppacher Schweiz", bei dem Feuer wurde die gesamte Inneneinrichtung und ein Teil der Konstruktion des neuen Saalgebäudes vernichtet. Innerhalb eines guten Jahres wurde der Saal innen erneuert und mit modernen gepolsterten Sitzgruppen ausgestattet. Am Ende des großen Raumes baute man nun eine Bühne auf. Es ging weiter bergauf, wie man aus der Dorfchronik erfährt: "Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre erlebt das Hotel zur Kroppacher Schweiz seine hohe Zeit. Die Gaststätte wurde nach hinten räumlich mit Klubräumen erweitert und mit modernem Polstergestühl ausgestattet. Wo einst Ziegen, Schafe, Schweine, Gänse und Hühner der Etzbachs ihre Ställe hatten, wird ein modernes Gästehaus aufgebaut und eingerichtet. Im neuen Saal und im eingerichteten Klubraum werden jetzt vermehrt Familienfeiern jeglicher Art gefeiert. Stammtische, der Gesangverein und der Frauenchor, der Kegelclub wie auch der Fußballverein, sind ständige Gäste in der Gaststätte zur Kroppacher Schweiz." Hinzu kamen viele Klubs von außerhalb, die mit Bussen über das Wochenende anreisten.

Irgendwann ging es bergab mit der "Kroppacher Schweiz"
1976 übernahm Erwin und Lores Sohn Reinhard Weeke den Gaststätten- und Hotelbetrieb, die Eltern arbeiteten weiter mit. Die Glanzzeiten aber gingen langsam dem Ende entgegen. "So plätscherte der Betrieb des Hotels zur Kroppacher Schweiz noch einige Jahre vor sich hin", beschreibt es Günter Heuzeroth in seiner Chronik. Nach der Jahrtausendwende wurde der Verkauf des gesamten Gebäuderkomplexes angestrebt. Im Jahr 2005 konnte Rainhard Weeke dann das Haus mit allen seinen Bauten von Reinhard Weeke an einen neuen Betreiber verkaufen. Die Familie Weeke zog von Bruchertseifen nach Andernach. Lore Weeke verstarb noch in ihrem Elternhaus in Bruchertseifen; Erwin, damals 84 Jahre alt, ging mit seinem Sohn nach Andernach, wo er verstarb. Beerdigt wurde Erwin Weeke aber neben seiner Frau Lore im Familiengrab auf dem Friedhof in Bruchertseifen.

Fotos aus der Vergangenheit der "Kroppacher Schweiz" finden Sie unter dem Artikel.


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