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Pressemitteilung vom 11.06.2026
Region
Sespenroth erwacht digital zum Leben am GelbACHTrail
Von dem einstigen Dorf Sespenroth sind heute nur noch Wiesen geblieben. Doch mehr als 170 Jahre nach der Auswanderung seiner Bewohner wird die verschwundene Siedlung nun mithilfe moderner Technik wieder sichtbar und eröffnet Besuchern einen besonderen Blick in die Westerwälder Geschichte.
Bei herrlichem Wetter wurde das neue Highlight am GelbBACHTrail mit den Projektbeteiligten eingeweiht. V.l.n.r. Projektleiterin Karin Maas; Stadtbürgermeisterin Melanie Leicher; Ortsbürgermeister Manfred Hasse; Ehrengast Ed Rosenthal aus Chicago; Sascha Schmitz, Geschäftsführer der Firma ARGO; Holger Lindner, Geschäftsführer Firma Lindner und Steffen; Hörspiel-Sprecherin Jessica Tiziani und Tobias Panne, Erster Beigeordneter der VG Montabaur. (Foto: VG Montabaur / Olaf Nitz)Heilberscheid. Nur wenige hundert Meter südöstlich des heutigen Montabaurer Stadtteils Reckenthal lag bis ins 19. Jahrhundert hinein die Siedlung Sespenroth. Im Jahr 1853 verließen die Bewohner ihr Dorf und wanderten in die Vereinigten Staaten aus. Heute erinnert vor Ort kaum noch etwas an die einstige Siedlung. Mit einem neuen Projekt am GelbACHTrail wird die Geschichte des verschwundenen Dorfes nun wieder erlebbar.

Mithilfe von Augmented Reality können Besucher die historischen Gebäude von Sespenroth direkt an ihrem ursprünglichen Standort betrachten. Über eine App auf dem Smartphone oder Tablet erscheinen die rekonstruierten Gebäude virtuell in der Landschaft. Das Projekt wurde jetzt offiziell eröffnet.

Geschichte eines verschwundenen Dorfes
Die Geschichte von Sespenroth steht beispielhaft für viele Schicksale im Westerwald des 19. Jahrhunderts. Industrialisierung, schlechte Ernten und wirtschaftliche Not führten dazu, dass zahlreiche Menschen ihre Heimat verlassen mussten. Auch die Bewohner von Sespenroth sahen keine Perspektive mehr.

Im Jahr 1853 trafen sie die Entscheidung zur Auswanderung. Mit lediglich zwei Handkarren machten sie sich auf den Weg in Richtung Vereinigte Staaten. Dort hofften sie auf bessere Lebensbedingungen und eine sichere Zukunft für ihre Familien.

Für Nachfahren der damaligen Auswanderer besitzt die Geschichte bis heute eine große Bedeutung. So zeigte sich auch Ed Rosenthal, ein direkter Nachfahre der Familie Meuer aus Sespenroth, bewegt darüber, dass die Erinnerung an das Dorf auf diese Weise bewahrt wird.

Virtuelle Rekonstruktion mit viel Recherche
Die digitale Wiederentdeckung von Sespenroth erforderte umfangreiche Vorarbeiten. Mit der Umsetzung wurde die Firma ARGO beauftragt. Deren Team rekonstruierte die Gebäude auf Grundlage historischer Quellen und wissenschaftlicher Recherchen.

Die Aufgabe war besonders anspruchsvoll, da lediglich zwei historische Fotografien der Gebäude erhalten geblieben sind. Deshalb wurden zusätzlich Freilichtmuseen sowie historische Vergleichsobjekte ausgewertet. Ziel war es, ein möglichst authentisches Bild der damaligen Siedlung zu schaffen.

An den neuen Informationstafeln vor Ort führen QR-Codes direkt zur AR-Anwendung. Besucher können dadurch die virtuellen Gebäude betrachten und sich ein Bild vom früheren Dorfleben machen.

Hörspiele erzählen von den Auswanderern
Ergänzt wird das digitale Angebot durch zwei Mini-Hörspiele der Firma Lindner und Steffen. Sie sollen die Lebenssituation der Menschen von damals nachvollziehbar machen.

Die Hörspiele greifen persönliche und emotionale Momente auf. In einer Geschichte erklärt ein Großvater seinem Enkel die schwierigen Verhältnisse im Dorf. In einer weiteren Szene spricht eine Mutter ihrem Kind während der Überfahrt auf dem Auswandererschiff "Leander" Mut zu.

Dadurch erhalten Besucher zusätzliche Einblicke in die Gedankenwelt jener Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und sich auf eine ungewisse Reise begaben.

Feierliche Eröffnung mit vielen Helfern
Ortsbürgermeister Manfred Hesse begrüßte die neue Attraktion, die an die Geschichte des heute zu Heilberscheid gehörenden Dorfes erinnert. Gemeinsam mit der Kirmesgesellschaft Heilberscheid, den Gelbachtaler Musikanten und zahlreichen freiwilligen Helfern wurde eine Eröffnungsfeier organisiert.

Nach einer Andacht und der Segnung der neuen Besucherstätte durch den Nentershausener Pfarrer Braun kamen die Gäste zu einem gemeinsamen Imbiss zusammen. Neben Bratwürsten wurde auch die Westerwälder Spezialität Dippekuche mit Apfelmus angeboten.

Dank für besonderes Engagement
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 22.000 Euro. Den größten Anteil übernimmt die Verbandsgemeinde Montabaur im Rahmen des "Masterplans Gelbachtal". Der Naturpark Nassau beteiligt sich mit einer Förderung von 2.000 Euro.

Besonders gewürdigt wurde das Engagement von Guido Feig. Er hatte sich über viele Jahre intensiv mit der Geschichte von Sespenroth beschäftigt, recherchierte in den USA in Archiven, Kirchenbüchern und historischen Dokumenten und verfolgte die Spuren der Auswanderer über Generationen hinweg. Der Dank der Beteiligten galt ihm posthum. Entgegengenommen wurde die Anerkennung von seiner Witwe Erika.

Wer Sespenroth selbst entdecken möchte, findet am ehemaligen Dorfstandort zwei Informationstafeln mit QR-Codes zur ARGO-App und den Hörspielen. Ergänzende Informationen bietet ein kostenloser Flyer, der in der Tourist-Info Montabaur erhältlich ist. Mit der neuen Station am GelbACHTrail wird ein Stück Westerwälder Geschichte wieder sichtbar und für kommende Generationen erlebbar. (PM/bearbeitet durch Red)
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