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Nachricht vom 25.07.2026
Region
Themenweg Ton "Blaue Route": Wo ein Kratersee verschwand und die tiefste Grube liegt
Die blaue Route der Themenwege Ton ist die zwölf Kilometer lange Schwesterroute der roten Tour. Wer die blaue Route begeht, findet am Rande des Finkelkarstparks eine versunkene Vulkangeschichte, erlebt mit der Grube Maria die tiefste Tongrube des Westerwaldes und erfährt, wie das schlicht-graue Westerwälder Steinzeug an den Hof englischer Könige und in die Werkstätten von Johannes Vermeer gelangte.
Verschiedene Schichten zeigen sich auch in verschiedenen Farben. (Foto: TI Montabaur)Boden. Das Tongräber-Denkmal am Kreisel, die Ahrbachhalle und die ersten Infotafeln zu Tonmineralen und Erdgeschichte sind bei der blauen Route dieselben wie bei der roten Route. Diesmal aber biegt der Weg schon kurz nach dem Start nach Süden ab, vorbei an der Wiesenmühle, wo eine Schautafel zur Geschichte der Mühle und zur Nutzung des Tons als Keramikgrundstoff informiert. Die Wiesenmühle südöstlich von Boden gehört zu den ältesten schriftlich belegten Orten im Umfeld: Bereits 1220 findet sie sich im Liber annalium der Trierer Kirche als Mühle, die jährlich zehn Scheffel Hafer an den Erzbischof abzuliefern hatte. Dass Mühle und Ton hier eng nebeneinanderstehen, ist kein Zufall: Für die Aufbereitung des Rohtons brauchten die Tonaufbereiter seit jeher Wasserkraft, um das Material zu schlämmen und zu reinigen. Die Mühlen entlang des Ahrbachs hatten im Zusammenspiel mit dem Tonbergbau über Jahrhunderte eine wirtschaftlich tragende Rolle.

Eine stabile Holzbrücke führt schließlich über den Ahrbach und der Weg steigt in Richtung Ruppach-Goldhausen an. Der Ort selbst, entstanden aus den zwei ursprünglich getrennten Dörfern Ruppach und Goldhausen, ist erstmals 1294 als Golthusen in einer Urkunde erwähnt und liegt im Einzugsgebiet ehemaliger nassauisch-saarbrückscher Lehensherrschaft. Heute ist er vor allem als Standort zweier der insgesamt acht Tongruben des Themenwegnetzes bekannt: der Grube Maria und der gegenüberliegenden Grube Stemmler. Bevor man diese erreicht, führt der Weg durch ein Wohngebiet bergauf in den Wald und an zahlreichen Bänken und Mülleimern vorbei, die zeigen, dass die Gemeinde ihre Wanderer seit Langem kennt und schätzt.

Dann öffnet sich das Herzstück der blauen Route: die Grube Maria, die tiefste aktive Tongrube des Westerwaldes. Was von oben aussieht wie ein gewöhnlicher Tagebau, offenbart bei näherer Betrachtung eine außerordentliche geologische Geschichte. Die Grube liegt im Bereich eines ehemaligen pliozänen Kratersees, einem Vulkansee aus dem Erdzeitalter des Pliozäns, vor etwa fünf Millionen Jahren entstanden. Laminitische Seesedimente, also fein geschichtete, jahresringähnliche Ablagerungen eines ruhigen Tiefwassersees, haben hier Pflanzenreste und Blattabdrücke so gut konserviert, dass Paläontologen aus Fundmeldungen eines Privatmanns heraus in den 2010er Jahren systematische Begehungen einleiteten. Das Ergebnis war überraschend: Statt der erwarteten oligozänen Breitscheid-Formation steckt in den Seesedimenten ein Zeugnis unterpliozänen Vulkanismus - in Deutschland eine Seltenheit. Wer heute an der Böschung der Grube Maria steht und auf die vielfarbigen Schichten aus Ton, Basalt und Sediment hinunterschaut, schaut in den aufgeklappten Rest dieses versunkenen Kratersees.

Direkt gegenüber liegt die Grube Stemmler, in früheren Routenverläufen der blauen Route mit durchquert, heute ein Blickpunkt von der Route aus, nachdem die Gruben Maria und Stemmler 2018 zusammengelegt wurden und ein Durchgang nicht mehr möglich war. Der Weg musste daraufhin 2019 umgelegt werden. Dies ist ein lebendiges Zeichen dafür, dass der Themenweg Ton kein Museum ist, sondern eine Landschaft im aktiven Wandel. Wer um eine Grube herumgewandert ist und zurückschaut, versteht, was es bedeutet, wenn Abbauflächen wachsen: Die Topographie des Weges ändert sich mit den Gruben. Was heute ein Aussichtspunkt ist, kann morgen schon überbaggert sein.

Zurück nach Boden führt der Weg am Finkelkarstpark vorbei, einem kleinen, aber geologisch hochinteressanten Landschaftspark, der die Aufmerksamkeit auf eine Besonderheit lenkt, die im Westerwald selten ist: Karstphänomene. Karst entsteht normalerweise in Kalkgesteinen, die von leicht saurem Regenwasser ausgelaugt werden. Im Westerwald aber sind es Basaltfelsen, in deren Gefolge sich durch Verwitterung und Absenkung hohlraumartige Strukturen bilden können. Und genau solche Phänomene lassen sich hier im Finkelkarstpark beobachten und anhand von Schautafeln nachvollziehen. Der Park, angelegt als Ergänzung des Themenwegnetzes, ist auch für Familien mit Kindern ein faszinierendes Erlebnisziel, an dem sich geologische Prozesse mit einfachen Mitteln begreifen lassen.

Auf dem Weg zurück in den Ort passiert man die letzten Infostationen zu Rekultivierung und Biotopen, einem Thema, das auf der roten wie auf der blauen Route gleich stark präsent ist. Was auf den ersten Blick wie eine Selbstverständlichkeit klingt, ist das Ergebnis jahrzehntelanger Auseinandersetzung zwischen Bergbaurecht und Naturschutz: Erschöpfte Tongruben werden seit den 1980er Jahren systematisch rekultiviert und verwandeln sich zu Biotopen, Seen und ökologischen Ausgleichsflächen. Die Grube Pfeul, die auf der roten Route zu sehen ist, und die Gruben bei Ruppach-Goldhausen zeigen, wie unterschiedlich diese Nachnutzungsgeschichten verlaufen können - von stehenden Gewässern mit seltenen Amphibienarten bis zu Trockenrasenhängen mit einer Artenvielfalt, die geschlossene Waldflächen weit übertrifft.

Zurück in Boden hat man es geschafft und knappe zwölf Kilometer geologische Geschichte erwandert. Gemeinsam mit der roten Route kann man auf insgesamt knappen 23 Kilometern Bergbaugeschichte hautnah erleben und vor allem die unterschiedlichsten Varianten entdecken, was aus einem Abbaugebiet werden kann. Auch wenn die Strecken beide leicht sind, sollte man auf festes Schuhwerk wert legen und auch ein wenig Verpflegung dabeihaben.

Tour-Informationen

Art: Rundweg / Themenweg
Schwierigkeit: leicht
Strecke: etwa 11,5 km
Dauer: rund 4 Stunden
Aufstieg: rund 180 Höhenmeter
Abstieg: rund 180 Höhenmeter
Familiengeeignet: Ja
Beschildert: Ja, durchgehend; blaue Markierung "Themenweg Ton"
Highlights: Wiesenmühle Boden (erstm. 1220 urk. erwähnt), Ruppach-Goldhausen (erstm. 1294 als Golthusen genannt), Grube Maria (tiefste Tongrube Westerwald, ehem. pliozäner Kratersee, ~5 Mio. Jahre, Laminitsedimente mit Pflanzenfossilien, pliozäner Vulkanismus nachgewiesen), Grube Stemmler (Zusammenlegung 2018, neue Wegführung 2019), Finkelkarstpark (Karstphänomene an Basaltfelsen), Infostationen zu Rekultivierung und Biotopen
Hinweis: Abstecher zur Grube Esther entfällt für Wanderer, die bereits die rote Route gegangen sind
Tipp: Kombination mit roter Route (11 km) für vollständiges Bild aller acht Tongruben; anschließend Tonbergbaumuseum Westerwald in Siershahn (Schachtanlage "Gute Hoffnung", 1961-1979, Museumsbahn) und Keramikmuseum Westerwald in Höhr-Grenzhausen
Startpunkt: Ahrbachhalle, Schulstraße 4, 56412 Boden
Zielpunkt: wie Startpunkt

Hinweis: Öffnungszeiten, Preise oder Fahrpläne bitte tagesaktuell prüfen!

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