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Nachricht vom 11.07.2026
Region
Themenweg Ton rote Route: Auf den Spuren des weißen Goldes im Westerwald
Die rote Route der Themenwege Ton ist eine gut elf Kilometer lange Rundwanderung rund um den Ort Boden im südlichen Westerwald, die eine der spannendsten Industrie- und Erdgeschichten der Region hautnah erlebbar macht. An fünf aktiven Tongruben, alten Mühlstandorten und zahlreichen Infotafeln Strecke davon, warum der Westerwald einen der wertvollsten Rohstoffe der Erde birgt und wie er die Menschen hier über Jahrhunderte geprägt hat.
Die Geschichte des Tons erwandern und viel lernen - auf den Themenwegen Ton. (Foto: TI Montabaur)Boden. Schon die Fahrt nach Boden verrät: Hier ist der Ton zu Hause. Am Kreisel am Ortseingang stehen drei lebensgroße Figuren aus Stein, eine Tongräbergruppe. Wer hier hält und die Skulptur betrachtet, hat schon den ersten Eindruck: Der Ton hat diesen Ort geformt, lange bevor die ersten Häuser standen. Archäologische Funde belegen, dass keltische Stämme im Westerwald bereits in der Älteren Eisenzeit, also etwa 750 bis 450 vor Christus, hier getöpfert haben. Der älteste schriftliche Nachweis von Töpferhandwerk im Kannenbäckerland stammt aus dem Jahr 1402. Einen eigenständigen Tonabbau als Gewerbe jedoch, bei dem die Landesfürsten die Gruben in einem Lehenssystem "verliehen", lässt sich erst ab dem 18. Jahrhundert nachweisen. Was aber vor rund 30 Millionen Jahren im Westerwald geschah, übersteigt alle menschliche Geschichte: Europa lag damals in Äquatornähe, bedeckt von einem subtropischen Regenwald - und die Verwitterung des devonischen Schiefergebirges durch Hitze und tropische Regenfälle erzeugte jenen hochreinen, hochplastischen, nahezu eisenfreien Ton, den die Fachleute seitdem "weißes Gold" nennen. Die Westerwälder Tonlagerstätten sind heute die größten und hochwertigsten Europas und in rund 15 Varietäten schichtenweise über den südlichen Westerwald verteilt.

Startpunkt der roten Route ist die Ahrbachhalle in Boden, wo ein kostenloser Parkplatz und die Wandermarkierung den Beginn signalisieren. Hier startet auch die blaue Route. Bereits nach wenigen Minuten geht es von der Halle aus über eine kleine Brücke und entlang eines Wiesenweges, der parallel zum Ahrbach in nordwestliche Richtung führt, bevor die Serpentinen hinauf zum ersten Aussichtspunkt beginnen. Dort oben empfängt den Wanderer die erste und wohl eindrucksvollste Station der Tour: ein Panoramablick über die Grube Esther. Was sich von oben wie eine fremdartige Mondlandschaft ausnimmt, ist in Wirklichkeit ein aktiver Tontagebau von gewaltigen Dimensionen: Die Grube erstreckt sich von Nordosten bis weit nach Südwesten, und in ihrer Mitte reckt sich ein einsamer Basaltkegel in die Höhe als ein Restzeuge jener vulkanischen Überdeckung, die den Ton hier über Jahrmillionen vor Erosion geschützt hat. Diese Basaltschicht kann zwischen zehn und vierzig Meter stark sein und musste von Generationen von Bergleuten als Abraum beiseitegeschafft werden, bevor der begehrte Ton darunter zum Vorschein kam. Eine Schautafel an der Grube erklärt die geologischen Schichten und die Abbaumethoden, die sich vom mittelalterlichen Glockenschacht bis zum heutigen Tagebau grundlegend gewandelt haben.

Die Route führt weiter durch Wälder und offene Feldlandschaften über Niederahr, wo die Grube Pfeul wartet, einer der farblich spektakulärsten Momente der gesamten Wanderung. Wer hier die Böschungen der Grube betrachtet, erkennt übereinandergeschichtete Ton- und Basaltlagen in Ocker, Rostrot, Grau und Weiß - ein aufgeklapptes Kapitel Erdgeschichte, das die 30 Millionen Jahre der Entstehung für das bloße Auge sichtbar macht. In Niederahr schneidet heute die Umgehungsstraße der B 255 durch die Landschaft, und auch eine neue Eisenbahnbrücke wurde oberhalb der Grube gebaut. Ein Zeichen, dass der Ton hier nicht nur Geschichte ist, sondern eine Region im stetigen Wandel prägt. An den Infotafeln der Route erfährt man auch, mit welchen Werkzeugen die Bergleute einst arbeiteten: Steche, Hou und Spiss hießen die spezialisierten Geräte, mit denen der Ton nach dem Glockenschacht-Verfahren gefördert wurde. Beim Glockenschacht, der ursprünglichsten Form des Tonabbaus, gruben die Bergleute einen senkrechten Schacht in die Tiefe und höhlten die Tonschicht dann glockenförmig aus, bis die Decke zu instabil wurde. Dann gruben sie wenige Meter daneben den nächsten Schacht. Im Gebiet von Siershahn allein gab es einst 32 solcher Schachtanlagen.

Von Niederahr führt der Weg weiter nach Moschheim und zur Grube Petschmorgen, einem weiteren aktiven Tonabbaugebiet mit eigenem Charakter und eigener Infotafel. Zwischen den Gruben schafft die Route immer wieder ruhige Kontrastmomente: Der Weg verläuft über weiche Waldpfade, vorbei an alten Feldgehölzen und immer wieder entlang des Ahrbachs, dessen Wasserkraft einst eine ganze Reihe von Mühlen im Tal antrieb. Eine der ältesten ist die Wiesenmühle südöstlich von Boden, die schon 1220 im Liber annalium der Trierer Kirche als erster schriftlicher Beleg des Ortes Boden als Mühle erwähnt wurde, die zehn Scheffel Hafer jährlich an den Trierer Erzbischof abzuliefern hatte. Die Mühle steht noch heute am Ahrbach, ein unscheinbares, aber außerordentlich altes Zeugnis dafür, dass das Wasser dieses Tales die Menschen hier fast ebenso lang ernährt hat wie der Ton darunter. Weitere Mühlstandorte entlang der roten Route werden durch Infotafeln erklärt, die auch die wirtschaftliche Verflechtung von Müllern und Tonbergleuten deutlich machen: Wer Ton in großen Mengen verarbeiten wollte, brauchte das Mahlen und Schlämmen des Rohtons und dafür brauchte er Wasserkraft.

Der Rückweg von Moschheim nach Boden führt durch eine offene Feld- und Waldlandschaft, die auf den letzten Kilometern noch einmal die sanfte Weite des südlichen Westerwaldes zeigt. Die Aussicht auf die Grubenhorizonte ringsum gibt dem letzten Abschnitt einen besonderen Reiz: Wo immer der Blick auf eine Böschung fällt, lässt sich ahnen, wie viel dieser Boden in sich birgt. Wer tiefer einsteigen möchte in die Geschichte des Tonbergbaus, findet nur wenige Kilometer entfernt in Siershahn das Tonbergbaumuseum Westerwald, untergebracht auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage "Gute Hoffnung" aus dem Jahr 1961, wo bis 1979 Ton gefördert wurde und heute eine funktionstüchtige Museumsbahn und originalgetreue Exponate die Entwicklung vom Glockenschacht bis zum Tagebau zeigen. Die rote Route des Themenwegs Ton ist seit Jahren fester Bestandteil des Wanderangebots des Westerwalds. Eine blaue Schwesterroute ergänzt das Angebot mit zwölf Kilometern und führt über Ruppach-Goldhausen, wo weitere drei der insgesamt acht Tongruben des Themenwegnetzes zu sehen sind.

Auch wenn die Route wirklich einfach und wenig herausfordernd ist, sollten feste Schuhe selbstverständlich sein. Auch ein wenig Verpflegung sollte im Wanderrucksack dabei sein. Auch wenn man beide Routen, rot und blau, an einem Tag schaffen kann, sollte man sich eher Zeit nehmen, um den vielen Informationen und Eindrücken wirklich gerecht zu werden. Jahrtausende der geologischen Geschichte sollte man nicht gehetzt betrachten.

Tour-Informationen

Art: Rundweg / Themenweg
Schwierigkeit: leicht
Strecke: etwa 11,5 km
Dauer: circa 3,5 Stunden (mit Lesen und Staunen mehr)
Aufstieg: etwa 130 Höhenmeter
Abstieg: etwa 130 Höhenmeter
Wegbeschaffenheit: Naturweg, Pfad, Asphalt, Schotterweg
Familiengeeignet: Ja
Beschildert: Ja, durchgehend; rote Markierung "Themenweg Ton"
Tipp: Kombination mit der blauen Route (12 km) für vollständigen Überblick über alle acht Gruben; anschließend Tonbergbaumuseum Westerwald in Siershahn (Schachtanlage "Gute Hoffnung", 1961-1979, Museumsbahn)
Startpunkt: Ahrbachhalle, Schulstraße 4, 56412 Boden
Zielpunkt: wie Start

Hinweis: Öffnungszeiten, Preise oder Fahrpläne bitte tagesaktuell prüfen!

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