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Pressemitteilung vom 20.05.2026
Region
Wildpark im Buchfinkenland setzt auf Natur statt Showkonzept
Im Wildpark Westerwald im Buchfinkenland tut sich nach der Wiedereröffnung sichtbar etwas. Bei einer Führung des Westerwald-Vereins wurde deutlich, welche Projekte bereits umgesetzt sind und welche Pläne folgen. Zugleich rückte ein anderes Thema in den Blick.
Die an der Führung durch den Wildpark in Gackenbach teilnehmenden Mitglieder des örtlichen Westerwald-Vereins zeigten sich solidarisch mit dem bedrohten Familienferiendorf im benachbarten Hübingen. (Foto: Uli Schmidt)Gackenbach/Buchfinkenland. Der Wildpark Westerwald im Buchfinkenland soll sich nach Angaben der Verantwortlichen zu einem naturnahen Wildpark mit besonderen Erlebnissen entwickeln, nicht zu einem Freizeitpark mit ständig neuen Shows. Diese Richtung wurde bei einer Führung durch den landschaftlich reizvollen Park deutlich, zu der der Westerwald-Verein Buchfinkenland eingeladen hatte. Der Vereinsvorsitzende Manfred Henkes begrüßte dazu viele Mitglieder mit Angehörigen. Die Teilnehmer wollten sehen, was sich seit der Wiedereröffnung vor 7 Monaten verändert hat. Schon zu Beginn wurde deutlich, dass in dieser Zeit bereits vieles umgesetzt wurde. Anerkennend verwiesen Teilnehmer unter anderem auf die neue WC-Anlage an der Talstation und auf die Rotwildpopulation, die inzwischen aus 34 Tieren besteht. Parkleiterin Henrieke Böß erklärte, dass jeder Hirsch täglich 20 kg Futter benötigt.

Zwischenbilanz nach der Wiedereröffnung
Während der großen Runde durch den Park versammelte die Parkleiterin die Gruppe immer wieder zu kurzen Erläuterungen. Dabei ging es nicht nur um einzelne Tierarten, sondern auch um Abläufe im Hintergrund. So wurde erklärt, dass Reh- und Damwild nicht näher miteinander verwandt sind. Zudem werden Tiere für den Park nicht gekauft, sondern in einem Ring mit anderen zoologischen Einrichtungen getauscht. Gerade für die jüngeren Teilnehmer war auch die Frage nach dem Zustand der ältesten Bewohnerin des Parks besonders wichtig. Bei der Braunbärin Sally verlief eine notwendige Operation nach Angaben der Verantwortlichen gut. Sie bewegt sich wieder normal und frisst auch wieder, wobei ihre Nahrung nur zu einem Viertel tierischen Ursprungs ist. Zugleich wurde zugesichert, dass es auch künftig Bären im Park geben soll, was auch zum Erscheinungsbild des Parks passt, da ein Bär das Logo ziert.

Neue Projekte im Park
Als nächstes größeres Projekt ist eine neue Rodelbahn vorgesehen. Geplant ist eine schienengeführte Anlage, mit der Kinder künftig eine Runde fahren können, während sich die Eltern im oberen Bereich des Parks aufhalten. Nach Angaben der Geschäftsführerin hat sich das Genehmigungsverfahren jedoch verzögert. Deshalb ist eine Eröffnung sehr wahrscheinlich erst 2027 möglich. Bereits weiter fortgeschritten ist ein anderes Vorhaben. Am tiefsten Punkt des Parks wurde eine neue Spielfläche ausgebaggert, die bald fertiggestellt werden soll. Auch der benachbarte Teich soll eine neue Nutzung erhalten. Dort ist eine Fischotteranlage vorgesehen. Darüber hinaus sollen auch Nerz, Luchs und Wildschwein bald in den Park einziehen. Damit erweitert sich das Angebot schrittweise, ohne den Charakter des Wildparks grundlegend zu verändern.

Seltene Tiere und schwierige Entscheidungen
Besonderen Eindruck hinterließen bei der Gruppe die Wisente, also der europäische Bison. Die mächtigen Tiere gelten als bemerkenswertes Beispiel für erfolgreichen Artenschutz. Vor 100 Jahren war die Art nach den Angaben bei der Führung bis auf 12 Exemplare fast ausgestorben. Heute leben allein in dem Park 5 Tiere. Die kleine Herde wird durch Zu- und Abgänge aufgefrischt. Bald soll zudem ein neuer Zuchtbulle hinzukommen. Im Verlauf der Führung wurde auch ein schwieriges Thema angesprochen. Es ging um die mögliche Überpopulation einzelner Tierarten. Ein Auswildern ist nach Einschätzung der Verantwortlichen nicht grundsätzlich eine Lösung, weil ein Großteil der Tiere in freier Natur nicht überleben würde. Deshalb müsse die Leitung immer wieder zwischen Tier- und Artenschutz abwägen. Gut hörbar waren dabei auch die Pommerngänse, die mit lautem Geschrei Artgenossen verständigen, sobald sich Nahrung nähert, unabhängig davon, ob Parkbesucher oder Tierpfleger kommen.

Team, Ausbildung und Kosten
Bei den Gästen stieß auch die Frage auf Interesse, wie der weitläufige Wildpark personell aufgestellt ist. Nach Angaben der Leitung arbeiten im Team insgesamt 11 Menschen. Darunter sind ausgebildete Zootierpfleger. Auch ein Tierwirt und ein Schlosser bringen wichtige Erfahrungen in den Betrieb ein. Zudem besteht die Absicht, künftig selbst auszubilden. Ab August könnte außerdem ein FÖJler das Team verstärken. Im Verlauf der Führung wurde allen Teilnehmern deutlich, dass die hohen monatlichen Betriebskosten realistisch sind. Für den Förderverein des Wildparks machte Uli Schmidt deutlich, dass sowohl dieser als auch die neue Betreibergesellschaft ausschließlich gemeinnützig arbeiten. Nach seinen Angaben fließt das eingebrachte Geld vollständig in die Einrichtung, ohne dass Gesellschafter oder Vorstandsmitglieder persönlich davon profitieren.

Solidarität mit dem Familienferiendorf
Neben dem Wildpark selbst rückte am Ende der Führung noch ein weiteres Thema in den Mittelpunkt. Bedauert wurde, dass es dem Familienferiendorf in Hübingen derzeit nicht gut geht und die Einrichtung kurz vor der endgültigen Schließung steht. Die Teilnehmer erklärten sich mit dem bedrohten Familienferiendorf solidarisch. Deshalb ließen sie sich während der Führung mit einem Solidaritätsbanner fotografieren. Die Veranstaltung verband damit den Blick auf die Entwicklung des Wildparks mit einem klaren Zeichen der Unterstützung für eine andere wichtige Einrichtung in der Region. (PM/bearbeitet durch Red)
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