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| Pressemitteilung vom 29.04.2026 |
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| Region |
| Auf der Walz: Handwerksgesellen halten alte Tradition lebendig |
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| Drei junge Handwerksgesellen sind derzeit auf traditioneller Wanderschaft unterwegs und machten Halt in Koblenz. Die Walz gilt als jahrhundertealte Tradition im Handwerk. Neben beruflicher Erfahrung steht dabei auch die persönliche Entwicklung im Mittelpunkt. |
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Koblenz. Mehrere kräftige Schläge mit dem Wanderstab auf den Boden kündigen in der Handwerkskammer Koblenz einen besonderen Besuch an. Wandergesellen, die sich auf der Walz befinden, melden sich auf diese Weise an und tragen ihr Anliegen traditionell mit einem Gedicht vor. Auch in Koblenz gehört es zum festen Brauch, die reisenden Handwerker zu empfangen, ihnen eine kleine Unterstützung zu gewähren und ihren Aufenthalt im Wanderbuch zu bestätigen.
Vor wenigen Tagen machten drei Gesellen Station: Fabio, 27-jähriger Zimmerergeselle vom Steinhuder Meer, Thor, 27-jähriger Tiefseeschlosser aus Schwäbisch Hall, und Gabriel, 26-jähriger Tischlergeselle aus Klausen bei Wittlich. Sie erschienen in der typischen Kluft mit Wanderstab und Bündel. Während Fabio seit drei Jahren und zwei Monaten unterwegs ist und Thor bereits eineinhalb Jahre auf Wanderschaft verbringt, steht Gabriel noch am Anfang seiner Reise.
Tradition und Regeln der Walz
Die Walz hat ihren Ursprung im Mittelalter und wird bis heute in verschiedenen Handwerksberufen gepflegt. Sie gilt als immaterielles Kulturerbe und dient dazu, nach der Ausbildung praktische Erfahrungen zu sammeln und sich persönlich weiterzuentwickeln. Die Dauer beträgt mindestens drei Jahre und einen Tag.
Während dieser Zeit gelten strenge Regeln. Die Gesellen dürfen sich ihrem Heimatort nicht näher als 50 Kilometer nähern. Sie reisen ohne feste finanzielle Mittel und verzichten auf eigene Mobiltelefone. Der Lebensunterhalt wird durch Arbeit vor Ort verdient. Die Fortbewegung erfolgt zu Fuß oder per Anhalter. Diese Vorgaben prägen den Alltag der Wandergesellen und fördern Eigenständigkeit und Anpassungsfähigkeit.
Alltag auf Wanderschaft
Für erfahrene Gesellen wie Fabio und Thor gehört es zum Alltag, neue Arbeitsmöglichkeiten und Unterkünfte zu finden. Die beiden berichten von zahlreichen Begegnungen und Erfahrungen unterwegs. Besonders für Thor ergeben sich durch seine Spezialisierung als Tiefseeschlosser vielfältige Einsatzorte.
Gabriel hingegen hat seine Wanderschaft erst vor wenigen Tagen begonnen. Der Abschied von Familie und vertrauter Umgebung war für ihn mit starken Emotionen verbunden. In der Anfangsphase wird er von seinen erfahrenen Begleitern unterstützt und schrittweise an die Abläufe und Traditionen der Walz herangeführt.
Ein wichtiger Bestandteil der Reise ist das sogenannte Wanderbuch. Darin dokumentieren die Gesellen ihre Stationen, Erfahrungen und Tätigkeiten. Zudem sammeln sie Stempel und Empfehlungen von Betrieben. Das Buch dient als Nachweis ihrer Fähigkeiten und als Erinnerung an die Wanderschaft.
Bedeutung der Kleidung und Symbole
Die traditionelle Kleidung der Wandergesellen hat eine besondere Bedeutung. Der Wanderstab, auch Stenz genannt, symbolisiert die Zugehörigkeit zur Handwerkszunft und dient zugleich als praktisches Hilfsmittel. Der schwarze Hut steht für den jeweiligen Beruf und das fachliche Können.
Auch die Zunfthose erfüllt einen praktischen Zweck. Der weite Schlag soll verhindern, dass bei der Arbeit Späne oder Nägel in die Schuhe gelangen. Das Bündel, das sogenannte Charlottenburger, enthält alle persönlichen Gegenstände der Gesellen. Es ist so bemessen, dass nur das Nötigste mitgeführt werden kann.
Weitere Details der Kleidung tragen symbolische Bedeutung. Knöpfe an Weste, Jacke und Manschetten stehen für Arbeitszeiten und die Dauer der Wanderschaft. Ein einzelner Ohrring gehört traditionell ebenfalls zur Ausstattung und war früher mit besonderen Regeln verbunden.
Zusammenhalt und Werte
Die Walz ist nicht nur eine berufliche, sondern auch eine persönliche Erfahrung. Die Gesellen verpflichten sich zu Ehrbarkeit, Respekt gegenüber anderen und Gewaltlosigkeit. Der Zusammenhalt untereinander spielt eine wichtige Rolle, insbesondere für Einsteiger wie Gabriel.
Für die Handwerkskammer Koblenz ist der Besuch von Wandergesellen ein fester Bestandteil der Handwerkstradition. Die Institution unterstützt die Reisenden und würdigt ihre Entscheidung für diesen besonderen Lebensabschnitt.
Die Wanderschaft endet traditionell mit der Rückkehr in die Heimat, bei der symbolisch über das Ortsschild geklettert wird. Bis dahin sammeln die Gesellen Erfahrungen, die sie beruflich und persönlich prägen. Gerade für junge Handwerker bietet die Walz die Möglichkeit, Selbstständigkeit zu entwickeln und neue Perspektiven zu gewinnen. (PM/bearbeitet durch Red) |
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