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Nachricht vom 12.04.2026
Region
KG Hachenburg: Das Thema Frauen ist noch nicht beendet
Die Podiumsdiskussion in der Krone brachte zwar keine neuen Erkenntnisse, sorgte aber dafür, dass das Thema transparenter wurde. Der Vorstand der KG will sich weiter mit dem Thema befassen. Die Initiatoren hoffen auf das Aufbrechen veralteter Strukturen.
Diskussion über die Aufnahme von Frauen in die KG Hachenburg (v. links): Moderatorin Dorothe Alley, KG-Präsident Sascha Jahn, Initiatorin Leonie Bürger, Stadtbürgermeister Stefan Leukel und Initiatorin Luisa Kohlhas. (alle Fotos: Mariam Nasiripour)Hachenburg. Es soll ein offener Austausch werden, um auch Missverständnisse auszuräumen und gemeinschaftlich nach einer Lösung zu suchen. So hatte Leonie Bürger kurz vor der Versammlung ihre Erwartungen an die von ihr und anderen Frauen initiierte Diskussion zum Ausdruck gebracht. Auch Stadtbürgermeister Stefan Leukel hatte große Erwartungen an die Versammlung. Sie könne für Aufklärung sorgen und die nächsten Schritte transparent machen. Zudem könne die Versammlung als Plattform dienen, um Argumente auszutauschen. Er ging von einer emotional geführten Diskussion aus, hoffte aber auf eine offene und dennoch respektvolle Diskussion.

Auf mehr Ruhe in der Diskussion und weniger Emotionen hoffte der neue Präsident der Kirmesgesellschaft (KG) Hachenburg, Sascha Jahn. Die Wahl sei ein demokratischer Prozess gewesen. Die Gründe für die Ablehnung einiger Mitglieder seien mannigfaltig. Es müsse nicht unbedingt daran liegen, dass diese Mitglieder etwas gegen Frauen haben.

Positionen und Beweggründe der Beteiligten
Der Saal des Gasthauses "Zur Krone" war bis auf den letzten Platz gefüllt. Einige Menschen standen am Eingang des Saals, weil es keine freien Sitzplätze mehr gab. Die Podiumsdiskussion mit Leonie Bürger, Luisa Kohlhas, Stefan Leukel und Sascha Jahn wurde von Dorothee Alley moderiert.

Zunächst wollte die 22-jährige Leonie Bürger mit dem Missverständnis ausräumen, dass die Mitglieder der KG, die gegen die Aufnahme von Frauen gestimmt haben, frauenfeindlich seien. Sie habe damit die Strukturen der KG gemeint. Ihrem Beispiel folgte Luisa Kohlhas und erklärte, dass sie mit ihrem geposteten Video niemanden verletzen wollte. Sie habe versucht, dieses so neutral wie möglich zu gestalten. Sie sei sehr enttäuscht über das Ergebnis gewesen und habe daraufhin das Video gepostet.

Leonie Bürger brachte auch ihre Enttäuschung über das Ergebnis zum Ausdruck. Sie habe die Petition gestartet, um auf das Thema aufmerksam zu machen. "Wenn wir leise bleiben, wird sich nichts ändern", bekräftigte sie. Sascha Jahn erklärte, dass er zwar eine persönliche Meinung zum Thema habe, aber an der Versammlung als Vertreter aller KG-Mitglieder teilnehme. Er erklärte, dass viele Frauen sich in der KG einbringen und auch eingebunden werden. Gleichzeitig räumte er auch Fehler des Vorstandes ein, alle Mitglieder bei diesem Thema abzuholen und mitzunehmen. Das könnte auch zu dem vorliegenden Ergebnis geführt haben. Der Vorstand hätte anders kommunizieren müssen, dass die Aufnahme von Frauen keine Nachteile haben müsse.

Auswirkungen und demokratische Entscheidung
Stadtbürgermeister Stefan Leukel sagte ebenfalls, dass ihn die Entscheidung der KG enttäuscht habe. Diese Entscheidung hätte große Auswirkungen auf die KG und die Stadt Hachenburg. Er mahnte gleichzeitig, dass das Thema nicht zu einer Spaltung führen dürfe. Vielmehr müsse versucht werden, gemeinsam das Thema positiv nach vorne zu entwickeln.

Auf die Frage nach einer neuen Abstimmung sagte Jahn, dass dies zwar möglich sei. Er stellte jedoch die Sinnhaftigkeit einer neuen Abstimmung zu diesem Zeitpunkt infrage. Er appellierte, die demokratische Entscheidung zu respektieren, sagte aber auch, dass das Thema damit nicht beendet sei. Auch ohne die Versammlung hätte sich der Vorstand weiter mit dem Thema befasst. Jetzt sei es auf Druck von außen geschehen.

Bedeutung von Tradition und Gleichberechtigung
Bürger und Kohlhas versuchten zu erklären, welche Bedeutung der Eintritt in die KG für sie habe. Beide assoziieren die KG mit Gemeinschaftsgefühl und Verbundenheit mit etwas Schönem. "Es geht nicht nur ums Feiern", schilderte Bürger. Sie machten aber auch deutlich, dass sie nicht als Anhängsel eines Mannes dazu gehören möchten, sondern als eigenständige Personen, die nun mal Frauen sind. Beide wünschen sich gleiche Rechte für alle. Kohlhas betonte, dass die Aufnahme von Frauen der KG nur Vorteile bringe. Sie könnten als Helfer die Männer entlasten und verschiedene Dienste übernehmen. Zudem brächten Frauen einen anderen Blick und eine andere Perspektive in die Arbeit der KG mit ein. "Es funktioniert nicht in der Zukunft, dass Frauen ausgeschlossen werden", bekräftigte sie erneut ihren Standpunkt. Den Frauen stand Bürgermeister Leukel bei und sagte: "Tradition ist nicht das Hüten der Asche, sondern das Weitergeben des Feuers. Und diese beiden Frauen brennen für die Kirmes." Im Jahr 2026 gehöre es sich nicht mehr, Personengruppen auszuschließen.

Zukunftsaussichten und Diskussion mit dem Publikum
Sascha Jahn sagte, dass im Mai eine außerordentliche Mitgliederversammlung geplant sei, bei der darüber gesprochen werden soll, wie das Thema weitergeht und wie Frauen eingebunden werden können.

So wenig emotional die Podiumsdiskussion war, umso emotionaler war die anschließende Fragerunde mit dem Publikum, bei der Gegner und Befürworter zu Wort kamen. So meldeten sich weitere Frauen, die sagten, dass sie gerne Mitglied in der KG wären. Eines der KG-Mitglieder, das sich gegen die Aufnahme von Frauen entschieden hatte, meldete sich ebenfalls zu Wort. Er könne es nicht verstehen, dass die Frauen das Abstimmungsergebnis nicht akzeptieren und immer der KG beitreten wollen. Auf die Frage von Luisa Kohlhas, aus welchem Grund er dagegen gestimmt hatte, antwortete er nur: "Wir sind ein Herrenverein." Ihm widersprach der ehemalige KG-Präsident Marco Pfeiffer. Nirgendwo in der Satzung sei geschrieben, dass die KG ein Herrenverein sei. Das sei eine gewachsene Sache aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Er hatte die Idee, alle mitmachen zu lassen, die mitmachen möchten. Ganz gleich, ob Frau oder Mann.

Unterstützung gab es auch von Michael Krämer, ehemaliger Präsident der KG Hachenburg. "Tradition ist nicht 'Das war schon immer so', sondern Zusammenhalt", machte er deutlich. Zwar kritisierte er den Petitionstext von Leonie Bürger und das Video von Luisa Kohlhas, sprach sich aber gleichzeitig für die Aufnahme von Frauen in die KG aus.

Abschließend hatte die Stadt Hachenburg drei Fragen vorbereitet, die das Publikum über Mentimeter beantworten sollte: "Hast du das Gefühl, dass alle offen angehört wurden?", "Wurden deine Erwartungen an die heutige Runde erfüllt?" und "Gehst du mit einem positiven Gefühl nach Hause?".
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