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| Nachricht vom 04.04.2026 |
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| Region |
| Katharina Kasper Pilgerweg: Auf heiligen Spuren durch den Westerwald |
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| Auf 33 Kilometern führt der Katharina Kasper Pilgerweg von Dernbach nach Limburg - und folgt damit den Fußstapfen einer Heiligen, die diesen Weg im 19. Jahrhundert unzählige Male zu Fuß zurücklegte. Wer diesen Pilgerweg begeht, wandert durch Wälder, Täler und stille Dörfer des südlichen Westerwalds - und erfährt dabei, was eine Bauerntochter zur ersten Heiligen des Bistums Limburg werden ließ. |
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Dernbach. Dass ein kleines Westerwalddorf einmal Ausgangspunkt eines der emotionalsten Pilgerwege der Region werden würde, hätte vor wenigen Jahren kaum jemand gedacht. Doch es ist offiziell: Bischof Georg Bätzing weihte an diesem Tag mit einem feierlichen Gottesdienst in der Klosterkirche Dernbach den neuen "Katharina Kasper Pilgerweg" ein. Der Weg verbindet nicht nur die Orte Dernbach und Limburg, sondern lädt dazu ein, sich auf die spirituellen Spuren der heiligen Katharina Kasper zu begeben - einer Frau, die diesen Weg mit ausgetretenen Schuhen und einem großen Herzen für die Ärmsten der Gesellschaft immer wieder gegangen ist. Ob die Strecke komplett oder in zwei Etappen gewandert wird, ist dabei Jedem selbst überlassen.
Wer den Pilgerweg wirklich verstehen will, sollte zunächst die Geschichte kennen, die ihn trägt. Maria Katharina Kasper wurde am 26. Mai 1820 als siebtes Kind einer Bauernfamilie im Westerwalddorf Dernbach geboren. In einer Zeit bitterer Armut, als Missernten und Hungersnöte den Westerwald plagten, keine Sozialversicherung existierte und Kinder als Arbeitskräfte "vermietet" wurden, entwickelte das Dernbacher "Kathrinchen" früh ein unerschütterliches Mitgefühl für die Schwachen und Kranken. Sie besuchte kranke Nachbarn zu Fuß, half in Haushalten, las vor - und hatte laut Zeitgenossen die besondere Gabe, einfach durch ihre Anwesenheit Trost zu spenden: "Wenn sie die Stube betritt, ist es, als schlüpfe ein Sonnenstrahl mit ihr herein", soll man über sie gesagt haben.
Um 1845 gründete Katharina Kasper einen "frommen Verein" mit gleichgesinnten Frauen, der sich um Kranke, Arme und Kinder kümmerte. Am 15. August 1851 versprechen fünf Frauen vor Bischof Blum in der Pfarrkirche zu Wirges, als Schwesterngemeinschaft zu leben - die Kongregation der Armen Dienstmägde Jesu Christi (ADJC) war damit offiziell gegründet. Die Gemeinschaft, im Volksmund "Dernbacher Schwestern" genannt, wuchs stetig und wirkt heute in neun Ländern weltweit. Am 16. April 1978 sprach Papst Paul VI. Katharina Kasper selig, am 14. Oktober 2018 wurde sie schließlich heiliggesprochen - als erste Heilige des Bistums Limburg.
Start des Pilgerwegs ist die Klosterkirche im Mutterhaus Kloster Maria Hilf in Dernbach - einem stillen, beeindruckenden Ort, an dem man direkt auf Geschichte trifft: Unter dem Altar der Klosterkirche befindet sich in einem Sarkophag das Grab von Katharina Kasper selbst. Wer hier seinen Pilgerpass stempeln lässt und die Kirche betritt, spürt sofort die Tiefe dieses Ortes. Die Klosterpforte ist von Montag bis Freitag von 7.30 bis 18 Uhr, samstags von 8 bis 16 Uhr und sonn- und feiertags von 9 bis 16 Uhr geöffnet.
Von der Klosterkirche führt der Weg durch den Ort hinaus zur Marienkapelle Heilborn, unmittelbar an der Autobahn A3 gelegen. Heilborn ist weit mehr als eine schlichte Wegstation: Schon als Kind zog es Katharina Kasper hierher. Andere Kinder aus dem Dorf folgten ihr, zunächst aus Neugierde - und bald um gemeinsam zu beten und aus der Quelle zu trinken. Die kleine Kapelle mit der sprudelnden Quelle ist heute noch ein stiller, ruhiger Ort inmitten einer Wiesenlandschaft, der von der ersten Thementafel des Pilgerwegs belebt wird. Elf solcher Tafeln begleiten den gesamten Weg und erzählen aus dem Leben Katharinas sowie vom harten Alltag im Westerwald des 19. Jahrhunderts - von Krankenbesuchen über Kinderarmut bis hin zur weltweiten Ausstrahlung der Dernbacher Schwestern.
Durch Dörfer und Täler geht es dann weiter zur Wallfahrtskirche Wirzenborn. Zunächst führt die Strecke über befestigte Wege durch Elgendorf, dann auf Feldwegen an den "Drei Linden" vorbei nach Horressen und weiter in Richtung Montabaur auf dem Panoramaweg (E1) bis zur Kirche St. Peter in Ketten. Der Blick öffnet sich immer wieder weit über die hügelige Westerwaldlandschaft - mit ihren typischen Basaltkuppen, Waldkuppen und dem für die Region charakteristischen Wechsel aus Feldern und Wäldern.
Ein besonderes Highlight der ersten Etappe ist die Wallfahrtskirche Wirzenborn, idyllisch im Gelbachtal gelegen, etwa drei Kilometer östlich der Innenstadt von Montabaur. Die Geschichte dieser Kirche reicht weit zurück: Schon im 15. Jahrhundert stand hier eine kleine Kapelle, und als die Pilgerströme zu der als wundertätig verehrten Marienstatue immer größer wurden, errichtete man die heutige, größere Kirche, die 1510 geweiht wurde. Die Wallfahrtskirche Wirzenborn ist somit ein über 500 Jahre altes Zeugnis tiefer Marienverehrung im Westerwald - und ein stiller Rastplatz auf dem Pilgerweg. Direkt nebenan liegt auch der Landgasthof Wirzenborner Liss, der eine willkommene Einkehrmöglichkeit bietet.
Von Wirzenborn führt der Weg weiter durchs Gelbachtal auf einem Skulpturenweg bis zur Abzweigung ins Eisenbachtal, vorbei an der Skulptur "Geben und Nehmen". Ein markantes Wegzeichen ist die Passage unter der ICE-Brücke hindurch - ein faszinierender Kontrast zwischen dem uralten Pilgerweg und der modernen Hochgeschwindigkeitsbahn. Nach Überquerung des Eisenbachs an der Kautenmühle führt der Weg bergauf an der Studentenmühle vorbei, bevor er die erste Etappe an der Kirche St. Kilian in Nomborn beendet. Hier, auf 16,7 Kilometern, endet ein Abschnitt, der trotz seiner Länge mit Abwechslung und beeindruckenden Aussichten belohnt.
Die zweite Etappe - auf 15,4 Kilometer von Nomborn nach Limburg - beginnt an der Kirche in Nomborn und führt zunächst auf einem Radweg, an einer Tongrube vorbei, in Richtung Görgeshausen. Die Landschaft wandelt sich hier allmählich: Der typische Westerwald mit seinen Basaltböden macht einem weiteren Horizont Platz, und das Lahntal kündet sich in der Ferne an. Durch Wald und Feld führt der Weg, unterquert erneut die ICE-Trasse über den Schwedensteg und passiert Görgeshausen, bevor ein rund sechs Kilometer langer Waldabschnitt nach Aull führt.
Am Waldende geht es über Felder und eine schöne Ebene ins Lahntal hinab - und dann ans Lahnufer mit einem der schönsten und überraschendsten Ausblicke des gesamten Weges: Schloss Oranienstein. Das barocke Schloss in Diez an der Lahn wurde zwischen 1672 und 1681 auf den Ruinen des ehemaligen Benediktinerinnenklosters Dierstein erbaut. Erste Bauherrin war Fürstin Albertine Agnes von Nassau-Diez-Oranien, und das Schloss gilt als eines der vier Stammschlösser des niederländischen Königshauses. Die mächtige Schlossanlage mit ihrer barocken Schlosskapelle und dem Lustgarten der Fürstinnen ist vom Lahnufer aus in ihrer ganzen Pracht zu sehen - ein unvergesslicher Moment auf dem Pilgerweg. Heute befindet sich das Schloss im Eigentum der Bundeswehr.
Dem Lahnradweg folgend über Staffel erreicht man nach Überquerung der Lahn schließlich Limburg. Durch die historische Altstadt - vorbei an Löhrgasse, Rosengasse, Kornmarkt und Fleischgasse - führt der letzte Abschnitt zum Bischofsplatz. Von dort ist es nur noch ein kurzer Weg zum krönenden Abschluss des Pilgerwegs: dem Limburger Dom St. Georg.
Der Georgsdom ist das Ziel, das Katharina Kasper selbst unzählige Male mit müden Füßen erblickt haben muss - auf dem Weg zum Bischof, der ihre Gemeinschaft zunächst ablehnte, ihr aber durch Ausdauer und Gottvertrauen schließlich doch Gehör schenkte. Der Dom thront auf einem Kalkfelsen hoch über der Lahn und ist schon von Weitem sichtbar. Als einzige Kirche in Deutschland besitzt er sieben Türme, die die sieben Sakramente symbolisieren. Erbaut in der Übergangszeit zwischen Romanik und Gotik wurde er 1221 fertiggestellt - und ist seit 1827 die Kathedralkirche des Bistums Limburg. Pilger können hier an einem gesonderten Schriftenstand (markiert mit der Jakobsmuschel) ihren Pilgerstempel für den Katharina Kasper Pilgerweg erhalten.
Wer diesen Weg geht, wird unweigerlich an ein Detail denken, das in der Klosterkirche in Dernbach aufbewahrt wird: ein Paar völlig ausgetretener Schuhe von Katharina Kasper - Zeugen eines Lebens in Bewegung und im Dienst der anderen. Für sie war der Weg von Dernbach nach Limburg kein Abenteuer, sondern oft gelebte Notwendigkeit. Sie ging ihn, um für ihre Schwesterngemeinschaft zu kämpfen - fünf Stunden hin, fünf Stunden zurück, von früh morgens bis in den Abend. Für heutige Pilger ist er ein Angebot zur inneren Einkehr, zur Begegnung mit der Natur des Westerwalds und mit der Geschichte einer außergewöhnlichen Frau.
Der Pilgerweg lässt sich in einem Stück an einem langen Tag bewältigen, empfohlen wird jedoch die Einteilung in zwei Etappen mit Übernachtung in Nomborn oder der Umgebung. Übernachtungsmöglichkeiten bietet unter anderem das Aloysia Löwenfels Haus auf dem Klostergelände in Dernbach sowie das Kloster Maria Hilf auf telefonische Anfrage. Wer möchte, kann die Strecke auch in umgekehrter Richtung - von Limburg nach Dernbach - begehen. Die Regionalbahn verbindet beide Orte, sodass man den Rückweg bequem mit dem Zug antreten kann.
Tour-Informationen
Art: Pilgerwanderung, Punkt-zu-Punkt
Schwierigkeit: Mittel
Gesamtstrecke: 32,1 km
Etappen 2: (Dernbach-Nomborn: 16,7 km / Nomborn-Limburg: 15,4 km)
Höhenmeter: etwa 295 m
Dauer: gesamt etwa 9 Stunden
Thementafeln: 11
Beschildert: Ja
Beschaffenheit: Asphalt, Schotterweg, Naturweg, Pfad
Einkehrmöglichkeit: ja
Übernachtung: Aloysia Löwenfels Haus Dernbach, Kloster Maria Hilf (auf Anfrage)
Pilgerpässe: Kloster Maria Hilf, Dernbach / Pilgerstelle Bistum Limburg
Öffentlicher Nahverkehr: Regionalbahn zwischen Dernbach und Limburg (3LänderBahn)
Startpunkt: Klosterkirche Dernbach, Katharina-Kasper-Str. 10, 56428 Dernbach
Zielpunkt: Bischofsplatz 2, Limburg / Dom St. Georg, Limburg an der Lahn
Besonderheit: Erste Heilige des Bistums Limburg, 11 Thementafeln, historische Wallfahrtsorte
Hinweis: Öffnungszeiten, Preise oder Fahrpläne bitte tagesaktuell prüfen!
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In unserer Facebook-Wandergruppe "Wandern im Westerwald" gibt es übrigens auch ständig schöne neue Ecken der Region zu entdecken.
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