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Pressemitteilung vom 16.03.2026
Rheinland-Pfalz
Spannende Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und CDU
Rheinland-Pfalz steht vor einer entscheidenden Wahl. Am 22. März 2026 sind rund 2,95 Millionen Bürger aufgerufen, ein neues Landesparlament zu wählen. Die Ausgangslage verspricht Spannung, denn die Umfragen deuten auf ein enges Rennen zwischen der regierenden SPD und der oppositionellen CDU hin.
Landtag Rheinland-Pfalz. (Foto: Hannes P. Albert/dpa)Mainz. Etwa 2,95 Millionen Rheinland-Pfälzer und Rheinland-Pfälzerinnen sind am 22. März zur Wahl eines neuen Landtags aufgerufen. Umfragen sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der regierenden SPD und der oppositionellen CDU, mit derzeit nur noch leichtem Vorsprung für die Christdemokraten.

Seit 35 Jahren regiert die SPD im strukturell konservativen Rheinland-Pfalz. Nach dem Rücktritt von Ministerpräsidentin Malu Dreyer im Sommer 2024 stellt sich ihr Nachfolger, Alexander Schweitzer (52), erstmals dem Votum der Bürger. Sein Herausforderer ist CDU-Partei- und Fraktionschef Gordon Schnieder. Der 50-Jährige aus der Eifel ist der jüngere Bruder von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (ebenfalls CDU).

SPD zwischen Land und Bund
Für die SPD im Bund wäre ein CDU-Wahlsieg eine herbe Niederlage. Schweitzer ist auch stellvertretender Bundesparteichef. Ob eine Niederlage in Rheinland-Pfalz personelle Konsequenzen in der SPD-Spitze haben könnte, ist umstritten. Parteichef Lars Klingbeil hat unter den Funktionären immer weniger Fans, von seiner Co-Vorsitzenden Bärbel Bas hatten vor allem SPD-Linke mehr erwartet. Beiden wirft man vor, sich bei Merz anzubiedern. Verliert die SPD Rheinland-Pfalz, wäre Schwesig die letzte Patrone der Sozialdemokratie. Das könnte dafür sprechen, dass die SPD weiter stillhält, zumindest bis zum 20. September, wenn die Wahlurnen im Nordosten schließen.

CDU zwischen Land und Bund
Für die CDU wäre schon die Rolle des Juniorpartners in der Regierung nach Jahrzehnten in der Opposition ein Erfolg. Der Unmut vieler Unionisten über zu wenig CDU in der Bundeskoalition hatte sich allerdings schon in der Rentendebatte im vergangenen Herbst und vor dem Parteitag im Februar mit Vorschlägen des Wirtschaftsflügels zu den Zahnarztkosten Bahn gebrochen. Wegen der Wahlkämpfe war zuletzt Ruhe angesagt. Damit könnte es nach der Wahl vorbei sein.

Parteichef Friedrich Merz ist es bislang nicht gelungen, die Union aus dem Umfragetief herauszuholen. Sie stagniert unterhalb ihres Wahlergebnisses bei der Bundestagswahl vor gut einem Jahr. Und die Beliebtheitswerte des Kanzlers und seiner Minister liegen teilweise unterhalb derer der Ampel-Regierung von Kanzler Olaf Scholz (SPD). Eins hat Merz trotzdem ausgeschlossen, zumindest vorerst: größere personelle Veränderungen in Regierung, Partei oder Fraktion. Auch bei der geplanten Wiederwahl von Jens Spahn als Vorsitzendem der Bundestagsfraktion im Mai soll es nach jetzigem Stand bleiben

Chancen der Ampelkoalition
Seit zehn Jahren regiert in Rheinland-Pfalz eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Nach dem Ampel-Aus im Bund hat diese Konstellation auch im Land kaum noch Chancen. Weil die drei Partner in Mainz öffentlich geräuschlos zusammengearbeitet haben, sprach Schweitzer gerne in Abgrenzung zum Bund von der "guten Ampel". Er würde dieses Bündnis gerne fortsetzen, jedoch wird die FDP Umfragen zufolge möglicherweise nicht mehr im neuen Landtag vertreten sein.

Themen im Land
Einige der am höchsten verschuldeten Kommunen liegen in Rheinland-Pfalz - Schweitzer hat dies zu einem seiner Hauptthemen gemacht - auch als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz. Mit Blick auf die Kriminalitätsstatistik gehört Rheinland-Pfalz zu den sichersten Bundesländern.

Angesichts der wachsenden Sorge um Industriearbeitsplätze und die energieintensiven Branchen kämpft die Wirtschaft gegen das Landes-Klimaschutzgesetz der Ampel, das die Treibhausgasneutralität schon 2040 und damit fünf Jahre früher als im Bund vorsieht. Die Winzer im Bundesland mit den größten Rebflächen leiden unter der Weinkrise.

Jeder vierte Euro aus dem Landeshaushalt fließt in die Bildung. Die Zahl der Lehrkräfte wurde auf 45.000 ausgebaut. Mehrere Fälle von Gewalt gerade an Brennpunktschulen sowie eine hohe Zahl an versetzungsgefährdeten Kindern in einer Ludwigshafener Grundschule sorgten bundesweit für Aufsehen. Das Verbot von unangekündigten Hausaufgabenüberprüfungen in der Schule fand ein geteiltes Echo.

Voraussichtliche Regierungsbildung
Sehr wahrscheinlich ist eine Regierung von SPD und CDU oder CDU und SPD. Schweitzer hatte vor der Wahl ausgeschlossen, im Falle einer Niederlage als Minister in eine CDU-geführte Landesregierung einzutreten.

Theoretisch möglich wäre auch eine Regierung aus SPD, Grünen und Linken. Dafür müssten die Linken aber zum ersten Mal in den Landtag einziehen, und auch dann würde es rechnerisch wohl nicht reichen. In jüngsten Umfragen lag die Partei bei fünf Prozent. Weder SPD noch Grüne streben zudem ein solches Bündnis an.

Unwahrscheinlich ist auch, dass die Freien Wähler als dritter Partner in eine Regierung einziehen. Sie haben sich in ihrer ersten Wahlperiode im Landtag so sehr zerstritten, dass sie am Ende keine Fraktion, sondern nur noch eine parlamentarische Gruppe waren. In Umfragen lagen sie zuletzt bei rund fünf Prozent. Eine Regierung mit der AfD haben SPD und CDU ausgeschlossen.

Wie stark ist die AfD?
Die AfD will das Ergebnis in Baden-Württemberg von 18,8 Prozent toppen und damit stärker werden als in allen anderen westlichen Bundesländern. Als Ziel hat Spitzenkandidat und Landeschef Jan Bollinger 20 Prozent plus X ausgegeben - mehr als doppelt so viel wie vor fünf Jahren (8,4 Prozent). Ungeachtet interner Machtkämpfe, eines Wechsels an der Spitze und Parteiaustritten rangiert sie in Umfragen bei 19 Prozent.

Der AfD-Landesverband ist laut Innenministerium organisatorisch uneingeschränkt in die Gesamtpartei integriert, wirkt an der Meinungsbildung der Gesamtpartei mit und teilt die politische Ausrichtung der Partei. Der Bundestagsabgeordnete Sebastian Münzenmaier gilt als einflussreichster Vertreter aus Rheinland-Pfalz im Bund, Alexander Jungbluth im Europaparlament.

Zwölf Parteien stehen zur Wahl
Das Wahlalter beträgt weiterhin 18 Jahre - anders als in Baden-Württemberg. Mehrere Anläufe der Ampel-Regierung, das Wahlalter auf 16 Jahre zu senken, scheiterten, weil die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit nicht erreicht wurde.

Jeder Wähler hat zwei Stimmen. Die Erststimme entscheidet über die Direktkandidaten, die Zweitstimme über die Parteien. Zwölf Parteien stehen zur Wahl. 101 Abgeordnete werden gewählt. (dpa/bearbeitet durch Red)
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