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Nachricht vom 23.02.2026
Wirtschaft
Rheinland-Pfalz verzeichnet Rekordzuwachs bei Photovoltaik auf Dächern
ANZEIGE | 14,1 Gigawatt neue Photovoltaikleistung installierte Deutschland im Jahr 2023. Die Bundesnetzagentur veröffentlichte diese Zahl im Januar 2024 auf Basis des Marktstammdatenregisters. Es war der höchste Jahreszubau seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000. Rheinland-Pfalz trug nach Angaben des Statistischen Landesamtes im Energiebericht 2024 rund 1,1 Gigawatt zum Gesamtzubau bei. Der Westerwald zählt dabei zu den Regionen mit wachsender Dachflächennutzung, vor allem im Bestand.
AI generated ImageDie steuerlichen Rahmenbedingungen haben Investitionen beschleunigt. Seit dem 1. Januar 2023 entfällt nach dem Jahressteuergesetz 2022 die Umsatzsteuer auf Lieferung und Installation von Photovoltaikanlagen bis 30 Kilowatt. Das Bundesfinanzministerium veröffentlichte die entsprechende Regelung im Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 51 vom 19. Dezember 2022. Gleichzeitig lag der durchschnittliche Haushaltsstrompreis laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft im Jahr 2023 bei 45,73 Cent pro Kilowattstunde. 2021 waren es 32,16 Cent.

Heimliche Höhe der Kosten: Zwischen Kreditzins und Förderkredit
Investitionen zwischen 30.000 und 40.000 Euro für Pakete aus Photovoltaik, Speicher und Wärmepumpe sind eine Belastung für so manchen Geldbeutel. Die Deutsche Bundesbank bezifferte für Dezember 2023 einen durchschnittlichen Effektivzins von 3,75 Prozent für Immobiliendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung. Im Dezember 2021 waren es nur 1,32 Prozent.

Digitale Vergleichsportale haben immer mehr Nutzer. Viele Eigentümer prüfen daher zunächst die Konditionen, bevor sie ein Förderprogramm in Anspruch nehmen. Wer online Kredite vergleichen will, lernt rasch, dass erhebliche Unterschiede zwischen den Zinssätzen klassischer Annuitätendarlehen, Förderdarlehen der KfW und flexiblen Modernisierungsdarlehen bestehen.

Manche Haushalte nutzen lieber einen Express-Kredit aus dem Ausland ohne Schufa-Abfrage. Im Verbraucherbericht 2023 warnt die Finanzaufsicht BaFin vor derartigen Krediten mit überdurchschnittlich hohen Zinssätzen, die bisweilen das heimische Marktniveau signifikant übersteigen. Wer auf den richtigen Vergleichsportalen sucht, findet aber auch hier durchaus attraktive Angebote.

Kilowattstunde als Maßstab
Ein typisches Einfamilienhaus im Westerwald mit einer 10-Kilowatt-Anlage erzielt laut Strahlungsdaten des Deutschen Wetterdienstes bei einer Globalstrahlung von durchschnittlich 1.050 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr einen Ertrag von rund 9.500 Kilowattstunden. Bei einem Eigenverbrauch von 35 Prozent und einem Strompreis von 45 Cent ergibt sich eine jährliche Einsparung von mehr als 1.400 Euro durch vermiedenen Netzbezug.

Die Einspeisevergütung nach dem EEG 2023 beträgt für Anlagen bis 10 Kilowatt bei Teileinspeisung 8,2 Cent pro Kilowattstunde. Diese Vergütung veröffentlichte die Bundesnetzagentur in ihrer Mitteilung vom Juli 2023. Bei Volleinspeisung sind es 13 Cent. Wirtschaftlich entscheidend bleibt der Eigenverbrauch.

Batteriespeicher verändern die Quote deutlich. Der Bundesverband Solarwirtschaft meldete im Januar 2024 für das Jahr 2023 rund 570.000 neu installierte Heimspeicher, ein Plus von 152 Prozent gegenüber 2022. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme bezifferte im Quartalsbericht Q4 2023 die durchschnittlichen Systempreise auf etwa 900 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität.

Wärmepumpen verdrängen Öl und Gas im Bestand
Im Heizungssektor beschleunigte sich die Entwicklung ebenfalls. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle registrierte laut Jahresstatistik 2023 insgesamt 356.000 Förderanträge für Wärmepumpen. 2021 waren es 154.000. Seit 2024 läuft die Förderung über die Kreditanstalt für Wiederaufbau im Programm 458. Gefördert werden bis zu 70 Prozent der Investitionskosten, abhängig von Einkommen und Effizienzklasse des Gebäudes.

Der Bundesverband Wärmepumpe meldete im März 2024 für 2023 ebenfalls 356.000 neu installierte Geräte. Ziel der Bundesregierung bleibt laut Koalitionsvertrag 500.000 Anlagen jährlich.

Parallel dazu zeigen Importzahlen des Statistischen Bundesamtes vom März 2024 die strukturelle Abhängigkeit: Deutschland importierte 2023 rund 94 Prozent seines Erdgases und 95 Prozent seines Erdöls. Die Energieimportkosten lagen 2022 bei 135 Milliarden Euro, 2021 bei 80 Milliarden.

Ein konkretes Projekt aus Montabaur
Im Frühjahr 2023 installierte ein Hausbesitzer in Montabaur eine 9,8-Kilowatt-Anlage mit 10-Kilowattstunden-Speicher. Die Rechnung des regionalen Fachbetriebs belief sich auf 24.600 Euro brutto. Durch die Mehrwertsteuerbefreiung reduzierte sich der Endpreis gegenüber einem vergleichbaren Angebot aus 2021 um mehrere tausend Euro. Die prognostizierte Eigenverbrauchsquote liegt laut Installationsprotokoll bei 62 Prozent.

Bei einem Strompreis von 43 Cent pro Kilowattstunde, wie ihn der örtliche Versorger im Tarifblatt 2023 auswies, ergibt sich eine jährliche Stromkosteneinsparung von rund 2.500 Euro. Die kalkulierte Amortisationszeit liegt bei elf Jahren. Grundlage sind reale Verbrauchsdaten von 4.200 Kilowattstunden pro Jahr.

Regionale Wertschöpfung und Handwerk unter Druck
Die Handwerkskammer Koblenz berichtete im Geschäftsbericht 2023 von stark ausgelasteten Betrieben im Elektro- und Sanitärbereich. Wartezeiten für Installationen betrugen teilweise mehrere Monate. Gleichzeitig stieg die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge im Bereich Energie- und Gebäudetechnik laut Kammerangaben um 12 Prozent gegenüber 2022.

Rheinland-Pfalz deckte nach Angaben des Umweltministeriums im Energiebericht 2024 rund 44 Prozent seines Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen. Der Anteil der Solarenergie wuchs dabei kontinuierlich. Der Zubau im Land lag 2023 deutlich über dem Durchschnitt der Vorjahre.

Verschobene Bauaktivität, wachsender Modernisierungsmarkt
Der Neubausektor schwächelt. Das Statistische Bundesamt meldete im Februar 2024 für das Jahr 2023 insgesamt 294.400 Baugenehmigungen für Wohnungen, ein Rückgang von 26,6 Prozent gegenüber 2022. Investitionen verlagern sich daher in den Bestand. Häuser aus den 1970er und 1980er Jahren im Westerwald verfügen häufig über geeignete Dachflächen und energetischen Sanierungsbedarf.

Modulwirkungsgrade steigen weiter. Das Fraunhofer ISE dokumentierte im Jahresbericht 2024 marktreife Siliziumzellen mit Wirkungsgraden von über 23 Prozent. Höhere Effizienz reduziert Flächenbedarf und erhöht Erträge pro Quadratmeter.

Die Zahlen aus Bundesnetzagentur, Statistischem Bundesamt, Bundesbank und Branchenverbänden zeigen eine klar belegbare Entwicklung. Photovoltaik wächst auf den Dächern. Wärmepumpen ersetzen fossile Heizsysteme im Bestand. Kreditkosten bleiben volatil. Förderprogramme strukturieren Investitionen.

Im Westerwald entstehen Entscheidungen auf Basis dieser Daten. Nicht als Trend, sondern als kalkulierte Reaktion auf Energiepreise, Förderbedingungen und Zinsentwicklung. (prm)
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