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Nachricht vom 19.02.2026
Politik
Kandidat für die Landtagswahl 2026: Thomas Heinemann-Hildner (Bündnis 90/Die Grünen)
Am Sonntag, 22. März, stehen die rheinland-pfälzischen Landtagswahlen 2026 an. Doch wer sind die Direktkandidierenden, denen wir unsere Stimme geben sollen, was sind ihre Vorstellungen und Ziele für unsere Region? Die Kuriere haben nachgefragt und allen die gleichen Fragen geschickt. Hier die Antworten von Thomas Heinemann-Hildner (Bündnis 90/ Die Grünen)
Thomas Heinemann-Hildner (Foto: Christof Mattes)Wahlkreis Bendorf/Weißenthurm. Unverfälscht und echt sollen die Antworten der Kandidierenden zur Landtagswahl sein. Deshalb sind alle Antworten original zitiert, ohne Bewertung, ohne Kommentar, ohne Kürzung oder Anmerkung. Die Aussagen der Politiker spiegeln nicht die Meinung der Kuriere wider, sondern ausschließlich die des Kandidierenden. Hier sind die Antworten von Thomas Heinemann-Hildner (Bündnis 90/Die Grünen).

Wofür haben Sie sich bisher politisch engagiert – und wieso?
Beim Erstellen des grünen Wahlprogramms war es mir ein besonderes Anliegen, das Handwerk und die soziale Infrastruktur im ländlichen Raum in den Fokus zu rücken. Ich konnte erreichen, dass Handwerksthemen und die Rolle der Religionsgemeinschaften eine wichtige Rolle in unseren Zielsetzungen spielen. Ich bin überzeugt: Das Handwerk verdient mehr politische Aufmerksamkeit, da es gerade in Rheinland-Pfalz ein entscheidender Wirtschaftsanker ist.

Gleichzeitig sehe ich, dass durch den Rückzug der Kirchen im ländlichen Raum Leerstellen entstehen. Deshalb habe ich mich dafür eingesetzt, dass wir als Partei Antworten darauf finden, wie wir neue Orte der Begegnung schaffen. Wir müssen den gesellschaftlichen Austausch fördern, um unsere Demokratie stabil zu halten - dort, wo die Menschen leben und arbeiten.

Was muss sich in Rheinland-Pfalz dringend verändern?
In Diskussionen wird immer wieder deutlich, wie existenziell eine verlässliche Kinderbetreuung für unsere Gesellschaft ist. Wir erleben derzeit eine Situation, in der Eltern, die arbeiten wollen, keinen Ganztagsplatz finden - oder in ständiger Sorge leben, dass der Anruf kommt: "Wir schließen die Kita heute um 14 Uhr, bitte holen Sie Ihr Kind ab." Das ist längst kein reines Familienthema mehr, sondern ein massiver Wirtschaftsfaktor. Eine unzuverlässige Betreuung verschärft den Fachkräftemangel direkt. Besonders deutlich wird das bei der Unternehmensnachfolge: Nur 17 Prozent der Menschen, die sich eine Firmenübernahme vorstellen können, sind weiblich. Ein Hauptgrund dafür ist, dass die Care-Arbeit nach wie vor überwiegend von Frauen geleistet wird. Wenn wir Rheinland-Pfalz als Wirtschaftsstandort zukunftsfest machen wollen, müssen wir die Kinderbetreuung zur Priorität erklären.

Was sollte sich ändern, damit die Gesundheitsversorgung im Wahlkreis stabil und zuverlässig bleibt?
Wir müssen anerkennen, dass sich die Lebensentwürfe junger Mediziner:innen grundlegend gewandelt haben: Viele scheuen das hohe unternehmerische Risiko und die extreme Arbeitsbelastung einer Einzelpraxis mit 60 oder 80 Wochenstunden. Um die Versorgung vor Ort zu sichern, brauchen wir verstärkt Medizinische Versorgungszentren (MVZ), in denen Ärztinnen und Ärzte im Angestelltenverhältnis arbeiten können.

In solchen Zentren lassen sich verschiedene Fachrichtungen sowie begleitende Therapien wie Physio- oder Ergotherapie unter einem Dach bündeln. Mit Blick auf unsere demografische Struktur ist das ein entscheidender Vorteil: Kurze Wege für ältere Patienten, ein interdisziplinärer Austausch und eine verlässliche Versorgung für den Wahlkreis. So machen wir den ländlichen Raum als Arbeitsplatz attraktiv und sichern gleichzeitig die medizinische Qualität.

Was sind aus Ihrer Sicht die dringendsten Infrastrukturprobleme in Ihrem Wahlkreis (Straßen, Brücken, ÖPNV, digitale Netze) – und welche drei Projekte würden Sie in der nächsten Legislaturperiode priorisieren?
Infrastruktur ist das Nervensystem unseres Wahlkreises. Damit wir den ländlichen Raum nicht abhängen, müssen wir Mobilität neu denken. Meine drei Prioritäten sind:

Bahnhaltepunkt Bendorf: Es ist unhaltbar, dass eine Stadt mit 17.000 Einwohnern keinen direkten Zugang zum Schienennetz hat. Ich werde mich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass der geplante Bahnhalt realisiert wird, um Bendorf endlich effizient an die Rheinschiene anzubinden.

ÖPNV-Offensive im Westerwaldkreis: Mobilität im ländlichen Raum darf nicht am frühen Abend oder am Freitagnachmittag enden. Wir brauchen einen massiven Ausbau des Busnetzes im Westerwald, der auch am Wochenende und spät abends eine zuverlässige und erreichbare Verbindung garantiert. Nur so schaffen wir echte Freiheit bei der Wahl des Verkehrsmittels und gute Anbindungen für Jugendliche.

Erhalt vor Neubau: Unsere Brücken und Straßen sind die Lebensadern für das lokale Handwerk. Ich priorisiere die Sanierung maroder Bestandsinfrastruktur gegenüber neuen Großprojekten. Wir müssen sicherstellen, dass Lieferwege offen bleiben und das Handwerk seine Kunden ohne kilometerlange Umwege erreicht. Mein Ziel ist eine Infrastruktur, die Mobilität für alle garantiert - unabhängig davon, ob man in der Stadt oder auf dem Land, beispielsweise im Westerwald, lebt.

Wo sehen Sie die Grenzen der Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung, und unter welchen Bedingungen befürworten Sie die Entnahme einzelner Tiere? Wie sollte das Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Tierwohl, Wolfsvorkommen und der Sicherung der Weidetierhaltung in Rheinland-Pfalz künftig politisch ausbalanciert werden?
Zunächst müssen wir anerkennen: Der Wolf ist zurück und wird nicht mehr verschwinden. Im Westerwald gibt es derzeit drei Rudel und einen "Streuner". Als Grüne haben wir erreicht, dass Weidetierhalter die Kosten für Herdenschutzsysteme zu 100 Prozent erstattet bekommen; weitere Systeme werden ebenfalls finanziell unterstützt. Der Umgang mit den Zäunen ist aufwendig, aber notwendig - in Osteuropa oder Italien ist dies längst Alltag. Ein Wolf, der ein anerkanntes Herdenschutzsystem überwindet, gilt als Problem und darf entnommen werden; der Halter wird für den Verlust entschädigt. Die Regelungen zur Entnahme liegen derzeit noch stark zu Lasten der Jäger im Bundesrecht. Hier müssen die Regeln angepasst werden, damit Jäger nicht in Regress genommen werden können.

Welche drei wirtschaftspolitischen Schwerpunkte wollen Sie in Rheinland-Pfalz setzen, um Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen, insbesondere im industriellen Mittelstand und bei Start-ups?
Ich setze mich sehr für das Handwerk in Rheinland-Pfalz ein. Als Handwerker spiegelt sich mein Engagement direkt in meinen Zielen wider: Wir brauchen eine Nachfolgezentrale zur Unterstützung von Betriebsübergaben - das ist nicht nur privat relevant, sondern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Außerdem möchte ich mehr junge Menschen in Ausbildungen bringen, dafür soll Praxis stärker in den Schulalltag integriert werden. Die Meisterausbildung muss, wie ein Studium, kostenlos werden.

Was ist Ihr Konzept, damit der Strukturwandel (Klimaschutz, Digitalisierung, Fachkräftemangel) nicht zulasten der ländlichen Räume geht?
Mein Engagement für das Handwerk richtet sich besonders auf den ländlichen Raum, denn dort stellt es 50 Prozent der Arbeitsplätze. Gerade im Bereich der Energiewende bietet der ländliche Raum enormes Potenzial. Wenn Dörfer oder Genossenschaften in die Stromerzeugung einsteigen, entstehen finanzielle Spielräume für Kommunen und Gemeinschaftsprojekte, die den Strukturwandel aktiv und lokal gestalten.

Wie wollen Sie die Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz in den kommenden fünf Jahren gestalten – insbesondere mit Blick auf Unterrichtsqualität, Lehrkräftegewinnung, Inklusion, Digitalisierung der Schulen und Entlastung von Schülern und Lehrkräften?
In den Schulen fehlt es an Schulsozialarbeit, und ein warmes Mittagessen ist leider nicht für alle Kinder selbstverständlich - das muss angeboten werden. Wir Grüne wollen, dass Grundschullehrkräfte künftig mit A13 bezahlt werden. Sie legen die Grundlage für kommende Generationen und verdienen dafür faire Entlohnung. Ich möchte außerdem mehr Praxis in die Schulen bringen. Damit Kinder und Jugendliche ihre Talente entdecken und Fertigkeiten erlernen. Die Digitalisierung spielt bei alldem eine Schlüsselrolle.

Deshalb sind Sie in die Partei eingetreten, für die Sie als Kandidat antreten:
Ich bin in die Partei eingetreten, weil ich überzeugt bin, dass wir deutlich mehr Klimaschutz brauchen - und dass Veränderung nur gelingt, wenn Menschen selbst aktiv werden. Mein Motto: anpacken statt meckern, machen statt nur reden. Zudem sehe ich bei den Grünen am ehesten meine christlichen Werte, wie zum Beispiel Nächstenliebe und Schöpfung bewahren, vertreten.

Worüber können Sie lachen?
Ich höre regelmäßig Podcasts. Darunter neben den Informativen wie "Lage der Nation" auch einige sehr witzige, wie "Baywatch Berlin", "Gefühlte Fakten" oder "Gemischtes Hack"

Was löst bei Ihnen Frust aus oder macht Sie sogar wütend?
Der Rollback in der Bundespolitik lässt mich oft sprachlos zurück: von der Erhöhung der Pendlerpauschale bei gleichzeitiger Verteuerung des Deutschlandtickets, über Wahlgeschenke für Fast-Food-Ketten durch Senkung der Umsatzsteuer in der Gastronomie, bis hin zu einer unzureichenden Agrarpolitik mit zu wenig Fokus auf ökologischer Nachhaltigkeit.

Welche Schlagzeile würden Sie gerne mal lesen?
Rheinland-Pfalz erreicht Klimaneutralität schon 2039 - durch ambitionierte Ziele profitiert die heimische Wirtschaft bereits heute vom niedrigen Strompreis.

Was betrachten Sie als Ihre größte Fehleinschätzung bezogen auf Ihre eigene politische Arbeit und/oder Partei?
Beim Gebäudeenergiegesetz haben wir unterschätzt, welche emotionale Wucht das Thema "Eigentum und Zuhause" auslöst, wenn man es rein technisch diskutiert. Die Bildsprache mit Habeck im Heizungskeller mit dem "Heizungshammer" war am Ende mächtiger als der Gesetzestext.

Wir haben zugelassen, dass ein unfertiger Entwurf zu Verunsicherung führte. Damit haben wir einen Raum für Ängste geöffnet, den wir nicht schnell genug mit Fakten zur Förderung füllen konnten. Das war ein Fehler. Klimapolitik darf nie gegen soziale Fragen ausgespielt werden.

Deshalb sollten die Wähler mir ihre Stimme geben:
Ich werbe besonders um die grüne Zweitstimme, damit wir mit einer starken Grünen Fraktion im nächsten Landtag weiter für Klimaschutz, den Schutz unserer Demokratie und soziale Gerechtigkeit eintreten können. Zudem gibt es nur mit einem starken Grünen Ergebnis eine Option ohne GroKo. Ich persönlich trete dabei vor allem ein für das Handwerk und den ländlichen Raum.

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Kurzer Steckbrief

Wohnort: Niederwerth
Geburtsdatum: 1986
Familienstand: verheiratet

Beruflicher Lebenslauf/Ausbildung: 2002: Zweijährige Berufsfachschule Elektrotechnik; 2004: Ausbildung zum Orgel- und Harmoniumbauer; 2008: Orgelbauer in Oberbettingen in der Vulkaneifel; 2013: Orgelbauer in Köln; 2015: Orgelbauer in Remagen
Politischer Werdegang: Seit 2021: Mitglied bei Bündnis90/Die Grünen; 
seit 2022 im Kreisvorstand der Grünen Mayen-Koblenz; seit 2022 im Vorstand des Grünen Ortsverbandes VG Vallendar; seit 2024 im Verbandsgemeinde Vallendar: Ausschuss für Technik und Umwelt; seit 2026 Mitglied im Verbandsgemeinderat Vallendar
Mitglied bei HandwerksGrün e.V.; Mitglied in der Landesarbeitsgemeinschaft Chrst:innen; stellv. Sprecher der LAG Landwirtschaft, Tierschutz und Ernährung
Gesellschaftliches Engagement und Vereinsaktivitäten: Co-Leiter des Arbeitskreises Umwelt im Pastoralen Raum Maifeld-Untermosel; Kirchenmusiker in Nörtershausen; Kirchenmusiker im Brüderkrankenhaus Koblenz; Kirchenmusiker in der JVA Koblenz; Mitglied in weiteren Vereinen

Hobbys: kochen, Podcast hören, Musik machen
Drei Lieblingsorte im Wahlkreis: Natürlich die schöne Rheininsel Niederwerth,
das wunderbare Brexbachtal zwischen Höhr-Grenzhausen und Sayn und der Lützelbach, mit dem Sauerbrunnen in Mülheim-Kärlich
Vorbilder: Konrad Adenauer: stellte sich in seiner Zeit als Kölner Oberbürgermeister offen und standhaft gegen die Nazis
Robert Habeck, hat die Art zu kommunizieren in der Politik verändert.
Kontaktdaten zur Veröffentlichung: thomas.heinemann-hildner@gruene-myk.de; www.heinemann-hildner.de

Eine kurze Übersicht aller Direktkandidierenden für den Westerwaldkreis finden Sie hier. (Red)
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