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Nachricht vom 09.02.2026
Rheinland-Pfalz
Wahlumfragen in Rheinland-Pfalz: Was sie wirklich aussagen
Umfragen sind vor Wahlen ein heiß diskutiertes Thema. In Rheinland-Pfalz, wo die Landtagswahl am 22. März bevorsteht, wird intensiv auf die neuesten Zahlen geblickt. Doch was können diese Umfragen tatsächlich über den Wahlausgang verraten?
Wahlumfrage. Foto: picture alliance / Bernd Weißbrod/dpaMainz. Je näher der Wahltag rückt, desto intensiver werden Umfrageergebnisse analysiert. Parteien wie die SPD in Rheinland-Pfalz freuen sich über positive Entwicklungen in den Umfragen, doch Experten mahnen zur Vorsicht. Marcus Maurer, Professor für Politische Kommunikation an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, erklärt, dass Umfragen keine präzisen Vorhersagen für Wahlergebnisse liefern können. Sie spiegeln lediglich wider, wen Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt wählen würden. Bis zu 15 Prozent der Wählerinnen und Wähler entscheiden sich erst am Wahltag, was die Aussagekraft von Umfragen weiter relativiert.

Thorsten Faas von der Freien Universität Berlin ergänzt, dass Umfragen zu Landtagswahlen oft lange Zeit bundespolitische Tendenzen widerspiegeln und erst kurz vor der Wahl spezifischere Aussagen für das Bundesland treffen. Statistische Fehler dürfen ebenfalls nicht vernachlässigt werden, da bei einer Befragung von 1000 Personen eine Schwankungsbreite von plus oder minus drei Prozentpunkten besteht.

Ein weiteres Problem ist die Repräsentativität der Stichproben. Die Bereitschaft zur Teilnahme an Umfragen hat abgenommen, wie Maurer bemerkt. Gewichtungen sollen Abhilfe schaffen, jedoch kann damit nur eine Variable, etwa das Alter, ausgeglichen werden. Extreme Parteien werden häufig unterschätzt, da es sozial weniger akzeptiert ist, solche Wahlabsichten zu äußern. Hier erfolgt eine Hochgewichtung basierend auf früheren Umfragen.

Roland Abold von Infratest dimap betont, dass sein Institut ständig Methoden weiterentwickelt, um eine breite Bevölkerungsabdeckung zu erreichen. Trotz unterschiedlicher Methoden und Anbieter sieht Faas die Qualität von Umfragen in Deutschland als hoch an. Unterschiede in den Ergebnissen müssen nicht negativ sein, da verschiedene Ansätze unterschiedliche Fehler kompensieren können.

Maurer weist darauf hin, dass Umfrageergebnisse selbst das Wahlverhalten beeinflussen können. So kann die Aussicht auf das Unterschreiten der Fünf-Prozent-Hürde Anhänger mobilisieren, während eine erwartete Niederlage eher demotiviert. Dennoch gibt es keine Belege dafür, dass solche Effekte jemals eine Wahl entschieden haben. (dpa/bearbeitet von Red)
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