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Nachricht vom 25.01.2026
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Zwischen Hochleistungsmedizin und fehlender Zuständigkeit: Wenn das System langsamer ist als die Krankheit
Eine Patientin aus dem Westerwald erhielt vor rund acht Monaten eine moderne Immuntherapie. Im engen zeitlichen Zusammenhang mit der Verabreichung des Biologicals trat eine ausgeprägte gesundheitliche Verschlechterung ein. Seitdem nimmt für sie ein langer Leidensweg seinen Lauf - nicht nur durch die Erkrankung selbst, sondern durch ein Versorgungssystem, in dem für solche Ausnahmeverläufe keine klaren, zeitnahen Abläufe greifen.
Symbolbild, KI-generiertBiologicals (moderne, biotechnologisch hergestellte Medikamente zur Behandlung chronischer Erkrankungen) gehören heute zu den großen Erfolgsgeschichten der modernen Medizin. Sie stabilisieren chronische Erkrankungen, verhindern schwere Verläufe und ermöglichen vielen Menschen ein weitgehend normales Leben. Jeden Tag, tausendfach.

Wie bei jeder wirksamen Therapie gibt es jedoch auch Ausnahmen. In seltenen Fällen profitieren Patienten nicht von der Behandlung, sondern entwickeln unerwünschte Reaktionen, etwa durch Antikörperbildung oder eine Fehlregulation des Immunsystems. Solche Verläufe sind in der medizinischen Literatur in Form von Fallberichten beschrieben.

Im hier geschilderten Fall wurden vor rund acht Monaten im zeitlichen Zusammenhang mit den Infusionen eines Biologicals eine Antikörperbildung sowie eine deutliche gesundheitliche Verschlechterung festgestellt. Was als therapeutischer Fortschritt begonnen hatte, markierte den Beginn eines langen Leidensweges. Mit jedem Arzttermin verband sich neue Hoffnung - auf Einordnung, auf Stabilisierung, auf einen Plan. Doch diese Hoffnung endete immer wieder in einer Sackgasse.

Im Sommer wurde der Patientin nach der Schilderung ihrer komplexen und schweren systemischen Symptome durch die Meldestelle des Herstellers des eingesetzten Medikaments geraten, dringend eine weiterführende immunologische Abklärung zu veranlassen.

Was sich in diesem individuellen Verlauf als besonders herausfordernd erwies, war jedoch nicht ein Mangel an medizinischem Wissen. Was fehlte, war ein klarer Ablauf für solche Ausnahmefälle. Nach der Biological-Therapie befand sich die Patientin außerhalb der vorgesehenen Standardpfade. Eine fest definierte interdisziplinäre Anlaufstelle, die diesen speziellen Verlauf koordiniert aufgenommen hätte, war für sie nicht erkennbar. Stattdessen begann ein monatelanger Prozess der Selbstorganisation.

Die Patientin lebt im Westerwald. Die Anbindung an weiter entfernte spezialisierte Ärzte ist für sie inzwischen nur noch mithilfe Dritter zu bewältigen. Termine mussten eigenständig recherchiert, angefragt und koordiniert werden - vielfach mit Unterstützung des Hausarztes in Form von Zuweiseranfragen. Immer wieder hört die Patientin in diesem Zusammenhang Sätze wie: "Dafür sind wir leider nicht zuständig." Oder: "Da müssen Sie sich noch woanders vorstellen." Ihr war es wichtig zu zeigen, wie schwierig komplexe Krankheitsverläufe im bestehenden Versorgungssystem sind. Zugleich betont sie, dass sie ohne die Unterstützung ihres Hausarztes viele notwendige Schritte nicht hätte gehen können.

Hinzu kamen lange Wartezeiten: Für einzelne spezialisierte Zentren wurden Wartezeiten von bis zu 30 Monaten genannt. Für einen sich dynamisch verschlechternden Gesundheitszustand ist dies ein Zeitraum, der faktisch kaum überbrückbar ist.

Währenddessen schritt die Erkrankung weiter fort. Entscheidungen mussten getroffen werden, ohne dass zeitnah eine spezialisierte Gesamtbewertung erreichbar war. Trotz zahlreicher Arztkontakte konnte kein einzelner Behandler den Verlauf in seiner Gesamtheit auffangen oder koordinierend übernehmen.

Dabei gibt es in der Medizin grundsätzlich diagnostische und therapeutische Möglichkeiten, um komplexe Verläufe weiter abzuklären oder eine Verschlechterung zu bremsen. Im geschilderten Fall blieb der Zugang zu diesen Angeboten jedoch trotz anhaltender Bemühungen über Monate hinweg praktisch nicht erreichbar - nicht aufgrund fehlender Bereitschaft einzelner Beteiligter, sondern im Kontext begrenzter Kapazitäten und fehlender klarer Zuständigkeiten.

In dieser Situation wich die Patientin teilweise auf selbst finanzierte Leistungen aus, um Zeit zu gewinnen und relevante Befunde zusammenzutragen. Insgesamt sind ihr bislang mehr als 1.400 Euro an Eigenkosten entstanden. Diese Summe umfasst selbst zu tragende Aufwendungen für Diagnostik, Abklärungen und Termine, die im regulären Versorgungssystem nicht zeitnah verfügbar waren, sowie Zuzahlungen für zahlreiche notwendige Medikamente. Die Krankenkasse erstattet hiervon lediglich einen Teil der gesetzlichen Zuzahlungsbeträge für Medikamente. Weitere privat zu finanzierende Leistungen sind bereits absehbar, um notwendige Abklärungen überhaupt voranzubringen.

Dies ist kein Bericht über Luxusmedizin, sondern über den Versuch, unter den gegebenen Umständen handlungsfähig zu bleiben. Für viele Betroffene ist ein solcher Weg finanziell nicht realisierbar.

Dieser Erfahrungsbericht erlaubt keine Aussagen darüber, wie häufig vergleichbare Verläufe auftreten oder wie das Versorgungssystem insgesamt funktioniert. Er zeigt jedoch, welche Herausforderungen entstehen können, wenn moderne Therapien zwar verfügbar sind, für ihre seltenen Ausnahmeverläufe jedoch keine klar definierten Versorgungsstrukturen zeitnah erreichbar sind.

Biologicals sind ein medizinischer Fortschritt. Fortschritt erfordert jedoch auch tragfähige Konzepte für jene Fälle, in denen Standardwege nicht greifen. Wie fortschrittlich ist ein Gesundheitssystem, wenn Zuständigkeiten für Ausnahmen praktisch nicht erreichbar sind?

Hinweis: Dieser Artikel beschreibt einen persönlichen Erfahrungsbericht. Er schildert den individuellen Krankheitsverlauf einer Patientin und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Repräsentativität.

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