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Nachricht vom 10.12.2020    

Harte Schale, weicher Kern: Schildkröten im Zoo Neuwied

„In der aktuellen Situation beneide ich manchmal die Schildkröten: Sie haben ihren Panzer immer dabei, in den sie sich bei Bedarf zurückziehen und „abschotten“ können. So ist Social distancing viel einfacher“, schmunzelt Kuratorin Alexandra Japes. „Der Knochenpanzer ist das auffälligste gemeinsame Merkmal aller Schildkröten, auch wenn er je nach Art unterschiedlich ausgeprägt ist“, erklärt die Biologin.

Chinesische Weichschildkröte. Foto: Thorben Maur

Neuwied. Bei „Brutus“, der Chinesischen Weichschildkröte, ist der Panzer sehr flach, und statt mit dicken Hornschilden von einer ledrigen Haut bedeckt. Dadurch ist er weniger gut geschützt, und müsste sich in freier Wildbahn wie seine Artgenossen zwischen Steinen im Wasser verstecken. Dafür ist er sehr beweglich, und kann durch seinen langen, biegsamen Hals gut nach Fischen schnappen. „Oder nach Fingern“, lacht Kurator Max Birkendorf. „Brutus ist zwar klein, aber sehr bissig“.

Ganz anders sieht die Ägyptische Landschildkröte aus, die kleinste Vertreterin der Landschildkröten, die in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet stark bedroht ist. Im Zoo Neuwied teilen sich die kleinen Tiere mit dem harten, hoch aufgewölbten Panzer ihr Gehege mit den Kurzohr-Rüsselspringern.

Im Terrarium nebenan wohnt eine weitere Landschildkrötenart, die jedoch völlig anders aussieht: Bei der Spaltenschildkröte ist der Panzer flach und so dünn, dass er biegsam ist. Da er keinen Schutz vor Feinden bietet, zieht sich die Schildkröte bei Gefahr in Felsspalten zurück und bläht sich auf, sodass sie darin verkeilt.

Aber nicht nur im Exotarium leben Schildkröten: In der Prinz Maximilian zu Wied Halle leben die südamerikanischen Köhlerschildkröten zusammen mit den nah verwandten, aber viel größeren Waldschildkröten in einem Gehege. Die hübschen Landschildkröten mit den roten und orangen Flecken fühlen sich dort so wohl, dass beide Arten bereits Eier gelegt haben, welche dann auch im Gehege geschlüpft sind. „Normalerweise nehmen wir die Eier aus dem Gehege und inkubieren sie, um sicher zu stellen, dass ihnen nichts passiert und die Bedingungen ideal sind. Aber hier haben wir die Gelege nicht gefunden, und wurden dann von den winzigen Jungtieren überrascht“ freut sich Max Birkendorf.




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Die größten Schildkröten des Zoos sind in den warmen Monaten im Freien zu bestaunen. Und staunen kann man wirklich über „Robert“ und „Carmen“, die beiden Spornschildkröten, die sich das Gehege mit den Roten Varis teilen: Die größten Schildkröten Afrikas bringen schon jetzt, im zarten Alter von 14 Jahren, rund 40 Kilogramm auf die Waage. „Da können aber leicht noch 40 bis 50 Kilogramm dazu kommen, denn Spornschildkröten werden bis zu 70 Jahre alt“, weiß Alexandra Japes. „Deshalb heben wir die Schildkröten mittlerweile auch nicht mehr auf die Waage, sondern haben sie darauf trainiert, selbst darauf zu steigen. Es soll sich ja niemand einen Bruch heben“, grinst die Kuratorin. (PM)


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