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Nachricht vom 11.09.2020    

Barrierefreies Wohnen: Eigenständigkeit im Alter bewahren

Osteoporose und Arthrose zählen zu den häufigsten Alterserkrankungen und schränken die Mobilität Betroffener nachhaltig ein. Damit werden ganz alltägliche “Sachen” wie das Treppensteigen zum teils unüberwindbaren Hindernis. Durch eine gezielte Modernisierung lassen sich Barrieren abbauen - die Eigenständigkeit im Alter kann somit aufrechterhalten werden. Auch häusliche Pflegeformen lassen sich dadurch realisieren.

Fotoquelle: pixabay.com

Stolperfallen in Haus und Garten
Der emotionale Wert von Häusern und Wohnungen ist häufig größer als der reine Verkehrswert - also der Preis, der bei einem Verkauf der Immobilie erzielt werden könnte. Der Wunsch, so lange wie möglich in der gewohnten Umgebung zu bleiben, ist also hoch.

Doch steile Treppen, enge Durchgänge und kleine Bäder lassen diesen Wunsch nicht selten zerplatzen wie eine Seifenblase. Zum einen ist kein Platz für Rollatoren oder Rollstühle vorhanden, zum anderen bereiten der Einstieg in Duschen und Badewannen Schmerzen - von der ohnehin bereits erhöhten Sturzgefahr im Alter mal ganz abgesehen. Was also tun, wenn man nicht umziehen möchte - und schon mal gar nicht ins Pflegeheim?

Barrierefreie Modernisierung
Abgesehen von zu engen Türen lassen sich die meisten Barrieren verhältnismäßig einfach und schnell abbauen. Dennoch: Barrierefreiheit ist mehr als eine bodenebene Dusche, sondern umfasst bestenfalls sämtliche Bereiche von Häusern und Wohnungen.

“Barrierefrei” vs. “altersgerecht”: Vorsicht bei den Begriffen
Nur die Begriffe “barrierefrei” und “rollstuhlgerecht” sind fest definiert. Die exakten Anforderungen werden durch die DIN Normen 18040-1 und 18040-2, die Bauordnung des Landes sowie den § 4 BGG (Behindertengleichstellungsgesetz) festgelegt. “Altersgerecht” und “barrierearm” sind als Begrifflichkeiten freier auslegbar. Bei Immobilienangeboten (falls man sich doch für einen Umzug entscheidet) sollte man deshalb genau hinsehen.

Badezimmer
Duschen, Baden, Rasieren und Co: Was in jungen Jahren selbstverständlich ist, kann ältere Menschen vor enorme Herausforderungen stellen. Damit das Bad auch im Alter eine Wohlfühloase bleibt, müssen die sanitären Anlagen deshalb nicht selten modernisiert werden. Neben begehbaren Duschen und rutschfesten Böden, ist auch auf ausreichend Fläche zu achten - vor allem dann, wenn sich Bad für Rollstuhlfahrer eignen soll. Hinzu kommen Haltegriffe neben der Toilette. Diese ist im Übrigen auf der richtigen Höhe anzubringen. Das Waschbecken muss selbstverständlich unterfahrbar sein.

Küche
Was im Bad gilt, das gilt ebenso in der Küche. Auch hier sollten Arbeitsflächen unterfahrbar und damit samt Rollstuhl erreichbar sein. Spülmaschine, Herd und Co sind bestenfalls so angeordnet, dass man diese ohne sich Bücken zu müssen bedienen kann. Die ideale Höhe von Bedienelementen für Rollstuhlfahrer ist etwas niedriger. In der Praxis kann es also vorkommen, dass man sich zwischen “rollstuhlgerecht” und “altersgerecht” entscheiden oder einen guten Kompromiss finden muss.

Flur
Der Flur ist in deutschen Haushalten sehr häufig gefliest. Was praktisch zu putzen ist und gut aussieht, kann allerdings schnell rutschig und damit für alte Menschen gefährlich werden. Besser sind antistatische Linoleumbeläge, Kautschuk (Gummi) sowie rutschfestes und pflegeleichtes PVC. Sind Treppen vorhanden, müssen die Stufen rutschfest gemacht und gegebenenfalls Geländer nachgerüstet werden. Rollstuhlfahrer und Personen, denen das Treppensteigen starke Schmerzen bereitet, sind auf einen Treppenlift angewiesen.

Info: Barrierefreier Umbau in Mietshäusern möglich
Menschen, die zur Miete wohnen, müssen nicht auf Barrierefreiheit verzichten. Verschiedene Gerichtsurteile bestätigen, dass Vermieter / Eigentümer den Umbau dulden müssen, sofern eine nachgewiesene Notwendigkeit für diesen besteht. Die Kosten sind jedoch vom Mieter zu tragen. Außerdem darf der Vermieter verlangen, dass die Umbauten nach Ende des Mietverhältnisses auf Kosten der (ehemaligen) Mietpartei rückgängig gemacht werden. In der Praxis sind jedoch individuelle Vereinbarungen üblich, da eine Modernisierung auch immer den Wert der Immobilie erhöht.

Schlafzimmer
Nach Küche, Bad und Flur fehlt nur noch das Schlafzimmer, bevor es aus den Innenräumen nach draußen geht. Hier ist darauf zu achten, dass neben dem Bett ausreichend Fläche vorhanden ist - zum Beispiel für Rollator oder Rollstuhl. Wie in den anderen Teilen der Wohnung bzw. des Hauses müssen die Böden gut mit einer Mobilitätshilfe befahrbar und zeitgleich rutschfest sein. Die Betthöhe sollte ein bequemes und schmerzfreies Ein- und Aussteigen ermöglichen. Experten empfehlen, dass die Matratze maximal 55 cm über dem Fußboden, allerdings auch nicht zu niedrig liegt. Auch Aufrichthilfen wie Bettgalgen oder Bettgeländer machen Sinn.

Garten
Vor allem Seniorinnen und Senioren erfreuen sich an der Gartenarbeit. Damit die eigenen Blumen und Sträucher das Herz auch im fortgeschrittenen Alter erwärmen können, ist darauf zu achten, feste Wege anzulegen. Im Idealfall sind diese mit Rollstuhl und Co befahrbar - also z. B. ausreichend breit, um rangieren zu können. Kleine Treppen werden durch Rollstuhlrampen oder sog. Hublifte (kleine Hebebühnen) barrierefrei. Wer als Rollstuhlfahrer/in gerne seine eigenen Kräuter anpflanzt, kann auf unterfahbare Hochbeete zurückgreifen.

Finanzierungshilfen für den Umbau
Barrierereduzierung ist teuer: keine Frage. Allerdings ist auch ein Umzug, im schlimmsten Fall sogar der Platz im Pflegeheim mit Kosten verbunden. Der Umbau der eigenen vier Wände in Kombination mit häuslichen Pflegeformen (wenn überhaupt notwendig) kann sich da oftmals rechnen, zumal barrierefreier Umbau von verschiedenen Stellen subventioniert wird.

Pflegekasse
Ist bereits ein Pflegegrad zugewiesen worden, unterstützt die Pflegeversicherung wohnumfeldverbessernde Maßnahmen einmalig mit bis zu 4.000 Euro pro Person. Leben mehrere pflegebedürftige Menschen im gleichen Haushalt, kann der Zuschuss bis zu 16.000 Euro betragen (4 mal 4.000 Euro). Ein pflegebedürftiges Ehepaar erhält bis zu 8.000 Euro von der Pflegekasse.

KfW
Unabhängig vom Alter und Gesundheitszustand fördert die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) altersgerechte Modernisierungen. Neben einer direkten Förderung in Höhe von bis zu 6.250 Euro bietet die staatliche Förderbank auch einen besonders zinsgünstigen Kredit (bis zu 50.000 Euro) an.

Regionale Förderung
Neben überregionalen Förderungen unterstützt auch die Landesregierung von Rheinland-Pfalz den “Wunsch [...], so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu wohnen” mit diversen Förderprogrammen.

Gesundheitstipp:
So lange es ohne erhöhtes Sturzrisiko möglich ist, sollte man die Treppe nehmen. Experten konnten nachweisen, dass regelmäßiges Treppensteigen eine ähnliche Wirkung hat wie Sport und sich positiv auf die Muskulatur und Motorik auswirkt, was wiederum das Sturzrisiko senkt. Außerdem lässt sich der Verlauf von Gelenkerkrankungen dadurch positiv beeinflussen. Ergänzend empfiehlt sich eine ausgewogene, antientzündliche Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren ist. Diese spielen insbesondere bei der Aufrechterhaltung gesunder Gelenkknorpel eine wichtige Rolle. Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Mineralstoffen verringert zudem das Risiko, an Osteoporose zu erkranken. (prm)



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