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Nachricht vom 05.08.2020    

Hanfsamen selber anbauen – wie ist die Gesetzeslage?

Ist von Hanf die Rede, kamen den meisten Menschen vor einigen Jahren noch lediglich verbotene Rauschmittel in den Sinn. Mittlerweile sieht das anders aus. Hanf und seine Wirkstoffe stecken heute nämlich beispielsweise in Kosmetikprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln. Dabei können insbesondere Hanfsamen die Ernährung auf besonders gesunde und wertvolle Weise bereichern. Nicht nur im Westerwaldkreis fragen sich viele Hanf-Fans daher, ob sich die gesunden Samen nicht auch zu Hause züchten lassen.

unsplash.com © @canvastsupplyco (CCO Creative Commons)

Hanf als Nahrungsergänzung?
Mit dem Begriff „Hanf“ werden nach wie vor illegale Rauschmittel und kriminelle Rauschgiftbanden assoziiert. Schließlich ist den meisten Menschen bekannt, dass der Konsum von Pflanzenteilen der weiblichen Hanfpflanze berauschend wirkt. Und tatsächlich werden die Teile weiblicher Hanfpflanzen (insbesondere Cannabis sativa) nach wie vor als Rauschmittel missbraucht. Besonders problematisch ist das insbesondere dann, wenn unter Einfluss des Rauschmittels Fahrzeuge geführt werden.

Bedenkt man diese Problematiken, erscheint es merkwürdig, dass sich Hanf aktuell großer Beliebtheit erfreut. Wie kann es sein, dass sich viele Menschen für die Pflanze interessieren oder Hanfsamen selbst anbauen wollen? Sieht man jedoch etwas genauer hin, stellt sich schnell heraus, dass Hanf nicht gleich Hanf ist. Dementsprechend geht es vielen Menschen, die sich für den Anbau interessieren, nicht um illegale Rauschzustände. Stattdessen möchten sie sich die vielen gesundheitlichen Vorteile von Nutzhanf sichern. Diese Hanfart kommt nämlich ganz ohne berauschend wirkendes THC aus – hat aber gleichzeitig positive Eigenschaften und ist vielseitig einsetzbar.

Hanfsamen und ihre Eigenschaften
Wird Hanf lediglich als Rauschmittel angesehen, werden die vielen positiven Eigenschaften der Hanfpflanze unterschlagen. Obwohl die weibliche Hanfpflanze als Droge missbraucht werden kann, ist Hanf nicht immer zwingend ein Rauschmittel. Schließlich gibt es Hanfarten (sogenannter Nutzhanf), die nur noch einen sehr geringen Anteil des berauschenden THC enthalten. Sie werden etwa angebaut, um Hanffasern aus ihnen zu gewinnen. Eine berauschende Wirkung haben die Samen und Teile dieser Pflanzen allerdings nicht.

Neben der Fasergewinnung eignen sich die Pflanzen, denen es am berauschenden THC fehlt, aber noch für weitere Verwendungszwecke. Schließlich enthalten gerade die Samen dieser Pflanzen viele wertvolle Inhaltsstoffe und sind so ideal auch für den Verzehr geeignet. Das liegt aber nicht allein an dem angenehm nussigen Geschmack der Samen oder des aus ihnen hergestellten Hanfsamenöls. So sind die Hanfsamen und aus ihnen gewonnene Öle nämlich besonders gesund:

Hanfsamen enthalten mehr als 30 Prozent Fett. Daher können sie hervorragend zur Herstellung von Ölen verwendet werden. Die gewonnenen Öle enthalten dann – genauso wie die Samen selbst – wertvolle Omega-3- und Omega-6-Fettsäure. Beide Fettsäuren sind besonders gesund und außerdem essenziell. Das bedeutet, dass sie dem Körper über die Nahrung zugeführt werden müssen. Darüber hinaus enthalten die Samen hochwertige Proteine sowie Vitamin E und viele Spurenelemente und Mineralien.

Für viele Menschen sind diese wertvollen Inhaltsstoffe und ihre positiven Auswirkungen auf die Gesundheit ein Grund, Hanfsamen regelmäßig zu konsumieren. Um Kosten zu sparen, kommt bei vielen Konsumenten zudem der Wunsch auf, die Samen selbst anzubauen. Allerdings ist die Gesetzeslage hierzu nicht nur im Westerwaldkreis eindeutig.

Legaler Anbau von Nutzhanf?
Wie schon gesehen, gibt es bei Hanf durchaus Unterschiede. Nicht alle Pflanzen enthalten die berauschend wirkende Substanz THC. Die Pflanzen ohne nennenswerten THC-Gehalt werden Nutzhanf genannt. Sie können weder als Betäubungsmittel missbraucht noch zur medizinischen Schmerztherapie angewendet werden. Dennoch können die Pflanzenfasern verarbeitet oder Heil- und Speiseöle aus Pflanzensamen hergestellt werden.

Dass Nutzhanf nicht als Rauschmittel einsetzbar ist, bedeutet aber nicht, dass er auch in Eigenregie angebaut werden dürfte. Das gilt zumindest für Privatpersonen. Auch der Anbau von Nutzhanf ist nämlich allein professionellen Anbietern, die über eine spezielle Erlaubnis verfügen, gestattet.

Privater Cannabis-Anbau ist immer illegal
Wie gesehen, ist zum legalen Anbau von Hanfpflanzen und damit auch zur Gewinnung ihrer Samen eine spezielle Anbau-Lizenz erforderlich. Diese kann allerdings nur an Unternehmen vergeben werden. Die Unternehmen müssen dabei ein offizielles Vergabeverfahren durchlaufen und bestimmte Sicherheitsstandards erfüllen. Privatpersonen hingegen kann eine erforderliche Lizenz prinzipiell nicht ausgestellt werden. Das gilt sowohl für Nutz- als auch für medizinischen Hanf (mit THC-Gehalt). Das bedeutet: Selbst schwerkranken Menschen, die Cannabis aus medizinischen Gründen legal konsumieren dürfen, bleibt der Eigenanbau prinzipiell verboten.

Professioneller Cannabis-Anbau seit 2019 legal
Bereits seit Anfang 2018 ist Cannabis in Deutschland als medizinisches Produkt zugelassen. Wie bereits dargestellt, bedeutet das allerdings nicht, dass jeder im Westerwaldkreis oder im übrigen Bundesgebiet Hanf in Eigenregie anbauen darf. Genauso wie andere verschreibungspflichtige Medikamente darf Hanf nämlich nicht einfach selbst hergestellt werden.

Für Menschen, die Cannabis aus medizinischen Gründen legal konsumieren dürfen, ist das ein echtes Problem. Schließlich sind die Kosten und Zuzahlungen für medizinische Cannabisprodukte relativ hoch. Die Zuzahlungen können bei regelmäßigem Konsum mehrere Hundert Euro monatlich betragen. Grund für die hohen Kosten ist insbesondere der Umstand, dass medizinische Cannabisprodukte oft aus anderen Ländern importiert werden.

Zwar darf Cannabis auch in Deutschland seit Anfang 2019 prinzipiell von professionellen Unternehmen angebaut werden. Um die Qualität des Endprodukts zu sichern, werden Lizenzen an Unternehmen aber nur mit großer Vorsicht vergeben. Auch für spezialisierte Unternehmen ist es daher äußerst schwierig, an eine Anbaulizenz zu kommen.

Strafen bei illegalem Hanfanbau
Wer Hanfsamen kauft oder mit ihnen handelt, bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone. Das hängt damit zusammen, dass die Samen der Cannabispflanze keine verbotenen Stoffe enthalten und damit legal erworben werden dürfen. Strafbar kann die Beschaffung allerdings dann sein, wenn die Samen nicht verzehrt, sondern zum illegalen Cannabis-Anbau verwendet werden sollen. Auch dann, wenn der Anbau lediglich zur Erzeugung neuer (legaler) Samen dient, ist er gesetzeswidrig. Der strafbare Cannabis-Anbau beginnt dabei dann, wenn Hanfsamen derart in die Erde gebracht werden, dass daraus eine Pflanze entstehen kann.

Wie genau der Anbau schließlich bestraft wird, variiert von Bundesland zu Bundesland. Generell lässt sich aber sagen, dass das Strafmaß mit der Professionalität des Anbaus sowie der erreichten Pflanzengröße steigt. Das bedeutet: Die Strafe fällt höher aus, wenn in einer professionellen Aufzuchtanlage bereits mehrere Zentimeter hohe Pflanzen herangezüchtet worden sind. Ein einzelnes, kleines Pflänzchen in einem Blumenbeet zieht hingegen ein geringeres Strafmaß nach sich. (prm)



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