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Nachricht vom 02.01.2020    

Saugroboter: Ist das wirklich die Zukunft des Staubsaugens?

Nie wieder selbst den Sauger schwingen, sich mit Kabel, Schlauch und Rohr abmühen müssen. Staubsaugerroboter wirken auf den ersten Blick wie eine Technik, die in einigen Jahren den regulären Staubsauger völlig verdrängt haben wird. Doch wird es wirklich so kommen?

Foto: Kowon vn / unsplash.com

Nur ein paar Dutzend Kilometer nordwestlich von uns entstand in den 1700ern eine Sage, deren Kerninhalt noch heute jedes Kind kennt: Die Heinzelmännchen. In der Geschichte, die erstmalig 1826 verschriftet wurde, konnten sich die Bewohner Kölns über nächtens durch ihre Wohnungen werkelnde Hausgeister freuen, die dafür sorgten, dass am Morgen kein Stäubchen mehr zu finden war.

Zugegeben, der typische Staubsaugerroboter könnte in seinem Äußeren nicht weiter von den zipfelmützigen Helfern entfernt sein. Aber seine Arbeitsweise ist dramatisch dicht dran. Doch ist er deshalb auch die Zukunft des Saugens? Das versuchen wir auf den folgenden Zeilen herauszufinden.

1. Etwas Technik vorweg
Wie funktioniert ein Saugroboter? Nun, natürlich, was das reine Reinigen anbelangt, steckt auch in den flachen dienstbaren Geistern normale Sauger Technik ähnlich der der allerersten Sauger – ein (hier via Akku stromversorgter) Elektromotor erzeugt per Lüfterrad einen Unterdruck, der, meist in Kombination mit einer rotierenden Bürste, Schmutz vom Boden in einen integrierten Auffangbehälter bugsiert.

Doch das Besondere am Saugroboter ist natürlich, dass er das alleine hinbekommt. Doch wie genau? Da existieren derzeit einige Techniken parallel:

• Die ersten und auch heute noch die günstigsten Modelle arbeiten nach einem beinahe zufälligen Prinzip: Nach einer gewissen Geradeaus-Wegstrecke oder wenn der Roboter gegen ein Hindernis stößt, dreht er sich um einen zufälligen Winkel und fährt weiter. Das ist zwar wenig smart, funktioniert aber, dauert allerdings natürlich länger und hat in verwinkelten Gebäuden das Zeug dazu, dass Stellen ungereinigt bleiben.
• Weiterentwickelte Modelle nutzen unscheinbare, auf den Boden geklebte Magnetbänder. Diese werden von einem Sensor erkannt und wirken dann als Barriere – nach dem Prinzip arbeiten auch viele Rasenmäherroboter. Innerhalb dieser Grenzen arbeiten sie dann über Sensoren oder mittels eines Programms.
• Die derzeit vollständigste Technik kommt bei den höher entwickelten Stücken zum Einsatz. Hierbei kann der Roboter selbsttätig über Laser oder Infrarotdioden einen Plan des Raumes erstellen; teilweise „blickt“ er dazu auch in Richtung Decke und ermittelt so seine Position im Zimmer. Zusätzlich hat man durch sogenannte virtuelle Wände – eine Art digitaler Warnleuchte – die Möglichkeit, ihm die Durchfahrt in bestimmte Bereiche zu verwehren.

Dabei sei unterstrichen, dass die Übergänge zwischen den Techniken fließend sind. Bei den letztgenannten Modellen gehören meist auch Apps und WLAN-Verbindungen dazu – mit deren Hilfe kann der Helfer auch außerplanmäßig aktiviert und es können weitere „No-Go-Zonen“ eingerichtet werden.

Klingt soweit gut. Doch ist das die Zukunft?

Was für die Zukunft spricht
Staubsaugen frisst Zeit. Und wenn die meisten von uns in der heutigen Epoche neben dem Geld von etwas zu wenig haben, dann das. In diesem Sinne ist es der wohl größte Nutzen der Saugroboter, dass er eine für die meisten Menschen ziemlich nervige Sisyphos-Hausarbeit automatisiert. Und das können vor allem die höherentwickelten Modelle auch sehr gut, denn sie reinigen das, was sie sollen, im Idealfall ebenso gut wie ein von Menschenhand geführter Sauger.

Bei ihnen kommt noch hinzu, dass sie die menschliche Interaktion auf ein Minimum beschränken. Je neuer und hochwertiger der Robo-Putzteufel, desto mehr kann er auch die Zusatzarbeiten selbst machen. Auf eigene Faust in die Ladestation zu rollen ist heute Standard. Immer mehr Geräte können sich auf Wunsch auch selbsttätig von den „Altlasten“ im Auffangbehälter trennen.

Zudem wurde mittlerweile der Punkt überschritten, an dem es für die Hersteller nur darum ging, die Navigationstechnik zu perfektionieren. Mit der Raumausmessung, den Apps und virtuellen Wänden ist die Technik zwar noch nicht menschlich-perfekt, aber robotisch-befriedigend. Das heißt, man kann sich daranmachen, in Richtung anderer Funktionen zu arbeiten. Das führt dazu, dass bereits einige Modelle auch wischen – teilweise nur trocken, teilweise aber auch mit integriertem Wassertank.

An diesem Punkt übernimmt der Roboter gleich zwei Hausarbeiten. Und das alles spricht sehr dafür, dass er zukünftig in noch mehr Wohnungen zu finden ist.

Was gegen die Zukunft spricht
Gibt es bei so vielen Vorteilen noch Dinge, die dagegensprechen, dass Saugroboter die normalen Dysons und Dirt Devils dieser Welt bald verdrängen werden? Allerdings, die gibt es.

Beginnen muss man damit, dass selbst der modernste Roboter nur so gut ist wie seine Umgebung. Was die Geräte nicht abkönnen, sind Behausungen, die eng und verwinkelt sind, in denen es Möbel gibt, die zwar niedrig sind, aber nicht ganz bis zum Boden reichen. Es besteht immer das Risiko, dass der Heinzelmann 4.0 sich irgendwo festfährt und versucht, sich zu befreien – nicht immer ohne Schäden an Tapete und Co. Und stoßen billige Modelle irgendwo an, sieht man auf Dauer ebenfalls manchmal Spuren. Dazu gehört natürlich, dass die Geräte keine Treppen überwinden. Wer mehr als eine eingeschossige Wohnung oder einen Bungalow hat, braucht mehrere Saugroboter – oder muss seinen tragen.

Außerdem sind die Helfer immer noch am besten auf glatten Hartböden und kurzflorigen Teppichböden. Wer etwa viele hochflorige Läufer im Zimmer hat, muss schon sehr genau die Modelle vergleichen, weil längst nicht alle diese anständig reinigen können. Ähnliches gilt für das allgemeine Boden-Layout: Schwellen sind oft eine unüberwindliche Hürde; hat der ehrwürdige Altbau-Holzboden durch die Jahrhunderte Spalte, kann das ebenfalls zum Problem führen.

Bedenken sollte man auch, dass die Geräte trotz der im Vergleich zu „analogen Staubsaugern“ meist geringeren Saugleistung ziemliche Vielfraße sind. Was auf dem Boden liegt, das versucht der Roboter in seinen Schlund zu bringen – er ist nicht schlau genug, um beispielsweise Schnürsenkel, Haargummis, dünne Handy-Ladekabel und dergleichen zu umfahren. Das benötigt vor dem Saugvorgang eine gewisse Grundordnung im Zimmer, weil das digitale Gehirn schlicht nicht so leistungsfähig ist wie ein menschlicher Bediener. Verschluckt der Sauger sich, bleibt er liegen.

Eine weitere Tatsache: Die Geräte benötigen pro Fläche mehr Zeit. Und weil sie laut sind, sollten sie das idealerweise tun, wenn die Bewohner aus dem Haus sind – alle, wohlgemerkt. Denn herumlaufende Katzen oder plötzlich als Berg auf dem Boden liegende Hunde können von manchen Roboter-Gehirnen nicht rechtzeitig interpretiert werden.

Last but not Least: Die Geräte eint, dass sie im Gegensatz zum klassischen Sauger ausschließlich zweidimensional auf dem Boden arbeiten. Weder können sie rasch in einem Abwasch die Couch absaugen noch die Vorhänge.

Fazit
Kann der Staubsaugerroboter den normalen Sauger ablösen? Nein, nicht ganz, auch nicht mittelfristig. Er brilliert im modernen, offenen Wohnen mit viel glatter Fläche, wenigen Hindernissen und einer gewissen Grund-Ordnung. Je weniger das gegeben ist, desto weniger optimal können die Geräte arbeiten.

Damit sind Saugroboter, Stand heute, eine sicherlich wertvolle Unterstützung, die einem durchaus einen erklecklichen Teil ungeliebter Hausarbeit abnehmen kann. Aber so weit, dass man wirklich den normalen Sauger abschaffen kann, sind wir noch längst nicht. (PRM)



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