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Nachricht vom 11.02.2019 - 13:21 Uhr    

Hundsangen ließ es mal wieder krachen

Der Run auf die Eintrittskarten war unfassbar. Der Kartenvorverkauf der drei Kappensitzungen des Hundsänger Carnevalvereins (HCV)mutierte zu einem Blitz-Ticketing. Innerhalb von Stunden hieß es: nichts geht mehr! Das Programm der Auftaktveranstaltung lieferte den logischen Grund für diese außergewöhnlichen Begehrlichkeiten. Ein Karnevalsspektakel bei dem kurzweilig, witzig, spritzig der Facettenreichtum des Karnevals in einer unglaublich professionellen Performance aufgezeigt wurde. Eine Show, die jeden in der proppenvollen Ollmersch-Halle begeisterte.

Fotos: Wolfgang Gröschen

Hundsangen. Als wollten sie keine Zeit verlieren, erstürmte der Elferrat mit geballter Narren-Power das Parkett der Hundsänger Narrhalla, angeführt von Sitzungspräsident Frank Göbel. Mit dem Lied „Wir feiern heute wieder Fassenacht“ legte er sofort den Hebel auf Stellung ‚Spaßmodus‘ um. Routiniert, aber gleichermaßen quicklebendig wie eh und je, moderierte Göbel die Kappensitzung in Profimanier.

Diesen Faden der Lockerheit nahm dann das HCV-Junioren-Ballett auf und fegte mit einem schmissigen Gardetanz über die Bühne. Den Fahrtwind ihrer einnehmenden Unbekümmertheit ließen sich die begeisterten Gäste gerne um die Nase wehen. Anne-Kathrin Pörtner und Lisa Eichmann hatten als Choreografinnen und Trainerinnen einen tollen Job abgeliefert.

Fastnacht ohne Protokoll? Das ist wie Markklößchen-Suppe ohne Markklößchen! Dieter Ehinger, ein Desperado dieses traditionellen Karnevals-Genres, rührte als Ampelmann in der Bütt einmal mehr ein pikantes Süppchen an. Die Zutaten waren das lokale und globale Zeitgeschehen, die er, mal spitzbübisch, mal satirisch, mal mit krachenden Pointen würzte und auf heißer Flamme zum Kochen brachte. Der Bürgermeister-Rücktritt in Hundsangen, der Dieselskandal, „Jogis Eleven“ und sogar ein Nachschlag auf Bischof Tebartz-van Elst waren nur ein Teil seines köstlichen Vortragsmenüs.

Eine ungewöhnliche Ehrung wurde sodann vorgenommen. Ungewöhnlich deshalb, weil sie nur an wenige Vereinsmitglieder verliehen wird. Es sind solche, die sich mit einer herausragenden Lebensleistung für den Hundsänger Karneval verdient gemacht haben. Heinz-Peter Weidenfeller wurde von dem Vereinsvorsitzenden Dominik Eichmann der Heini-Gröschen-Orden verliehen. Die höchste Auszeichnung, die der Verein zu vergeben hat. Mit stehendem Applaus wurde einem Mann für seine exorbitanten Verdienste um den HCV Respekt und Anerkennung erwiesen.

Ein Gardetanz ist dann der Perfektion nahe, wenn man nicht bemerkt, wie viel Mühe und Anstrengung über Wochen und Monate investiert wurden. Das HCV-Ballett genügte diesen Ansprüchen in fantastischer Weise. Leichtfüßig, geradezu spielerisch, setzten die jungen Tänzerinnen Musik in Bewegung um. Eine Augenweide, die eine entsprechende Resonanz im Publikum hinterließ. Einmal mehr war es Nadja Kremer, die für diesen Tanz verantwortlich zeichnete.

Die Bütt wurde hereingeschoben und Heinz Duchscherer berichtete über sein neues Leben als Opa. Mit seiner ureigenen Vortragsart über die vielen Menschlichkeiten, die ein solch neuer Lebensabschnitt mit sich bringt, gelang es ihm, dass sich viele seiner Artgenossen in den geschilderten Erlebnissen geradezu genießerisch wieder erkannten. So gingen die gellenden Lachsalven oft mit zustimmendem Kopfnicken und herzhaften Schenkelklopfen einher. Klasse!

In Sekundenschnelle hatten Kulissen die Bühne für die Sketch-Gruppe „International“ in eine Tankstelle verwandelt. Dieser Ort der Begegnung sollte dann Treffpunkt werden von skurrilen Typen, die sich das karnevalistische Prädikat „total abgedreht“ im positiven Sinne redlich verdient haben. Slapsticks und köstliche Zwiegespräche („Habt ihr auch Veganes im Kühlschrank?“ „Ja, Licht“) reihten sich aneinander und sorgten für einen herrlichen Kokolores. Der Sketch floss aus der Feder von Matthias Hönig.

Der vertrocknete Vater Rhein stieg aus seinem Bett und ist (vorübergehend) Fleisch geworden. Friedhelm Meudt schlüpfte als Büttenredner in die Rolle des vom heißen Sommer geschundenen ruhmreichen Stroms der Deutschen. Die vielen Misslichkeiten im Zusammenhang mit dem stark ausgetrockneten Flussbett verpackte das Büttenass in Knaller-Pointen, die er Stakkato artig abfeuerte. Als Ursache für die Trockenheit schien er himmlische Verfehlungen ausgemacht zu haben. Petrus scheint nach der Heiligsprechung ein Auge auf Katharina Kaspers geworfen zu haben. „Der alte Mann mit Schlüsselgewalt freit um das Mädchen vom Westerwald. Und seitdem die zwei auf Freiersfüßen gehen, vergisst der Kerl den Wasserhahn aufzudrehen.“ Standing Ovations waren einmal mehr der Lohn eines begeisterten Publikums.

Als Erholung von den vorangegangenen Lachattacken gab es nun wieder etwas für Augen und Ohren. Die Blue Sticks zeigten mit ihrem Show-Tanz „Colours of the Ocean“ wieder einmal ihr ganzes Können. Zu geheimnisvoller Musik bewegten sich zunächst Quallen mystisch und gleichermaßen ästhetisch im Schwarzlichtschimmer, ehe bei mitreißender Musik und bunten Kostümen die ganze Palette der farbenfrohen Unterwasserwelt tänzerisch dargestellt wurde. Die tolle Choreografie wurde von Tänzerinnen dieser Gruppe kreiert.

Die „Gipfelstürmer“ hatten den Wellness-Tempel „Schwitzender Bär“ als Kulisse für ihren Sketch ausgewählt. Die schrägen Darsteller feuerten mit ihren pfiffigen Dialogen („Wie die Frau aussieht...“ „Die war früher bestimmt auch so ein Kind, nach dem beim Versteckspiel keiner gesucht hat“) und den schrulligen Spielszenen im Schnellfeuer-Modus einen Kracher nach dem anderen heraus und gönnten den Lachorganen des Publikums keine Erholungsphasen. Für die Idee und Umsetzung des Sketches war Markus Novian zuständig.

Und dann erlebte man ein Novum in der langen und variantenreichen Historie des HCV. Die neu formierte Live-Band „Basaltrock“ mit Frontfrau Anne-Kathrin Pörtner gab ihr Debut. Die Band hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen die Persönlichkeiten und Geschehnisse der Weltgeschichte etwas näher zu bringen. Eine Art Nachhilfestunde auf musikalische Art, unterlegt mit großflächigen Portraits der „historischen Giganten“. So wurden Verbandsbürgermeister Klaus Lütkefedder („Der Kaiser von Wallmerod“), Bürgermeister Marco Weiser sowie der Gemeinderat („Rathaus-Fenstersturz“) genauso durch den Kakao gezogen wie andere Lokalgrößen von Hundsangen. Band-Leader Frank Wagenbach hatte die Gruppe gegründet und seine Ideen in Szene gesetzt.

Schauplatz des nächsten Programmpunktes war die „Wäller Parship-Agentur“. Einfach genial wie Frank Göbel als Postbote und Susanne Eichmann als „Parship“-Agentin es schafften, mit einer perfekt gespielten Schusselichkeit einen ganzen Saal dazu zu bringen, sich vor Lachen zu krümmen. Keine Nischen-Comedy, einfach brillant vorgetragener Blödsinn für jedermann, Fastnacht halt.

Weiter ging es mit der Kultgruppe „Wambachlerchen“. Ein aktuell aus 19 Männern bestehendes Ensemble, das in fluktuierender Besetzung seit knapp 60 Jahren alljährlich die Narrentempel in Hundsangen und in der Region zum Überkochen bringt. Traditionell persiflieren sie aus einer Mixtur aus gesungenen Parodien und schmackigen Konversationen das Weltgeschehen. Szenerie war diesmal das Ägypten der Antike. Figuren wie Kleopatra und Cäsar durften dabei genauso wenig fehlen wie Eunuchen und Sklaven. Allerdings schlichen sich auch auf seltsame Weise Gestalten aus einem anderen Zeitstrahl ein, wie die Herren Özil, Seehofer und Erdogan. Sogar König Ludwig II. hatte irgendwie den Weg zu den Pyramiden gefunden. Alle bekamen selbstverständlich ihr Fett weg. In ihrem unnachahmlichen spritzigen Stil hatten die Wambachlerchen im Handumdrehen dafür gesorgt, dass die Stimmung durch die Decke ging. Manuel Malm hatte wieder ganze Arbeit geleistet. Er ist als musikalischer Leiter und Texteschreiber das Fundament dieser Gruppe.

Doch der Abend war noch nicht zu Ende. Denn nun kamen sie. Das HCV-Ballett mit ihrem Showtanz „Der Sieg der weißen Wanderer“. Begleitet von einer gigantischen Licht- und Effekte-Show, sollte diese Ballettaufführung zu einem emotionalen Erlebnis sublimieren. Geheimnisvoll und spannend, sanfte Harmonie versprühend, Euphorie und Überschwang ausdrückend wurde nicht nur tänzerisch eine Geschichte erzählt, sondern auch Musik visuell erfassbar gemacht. Spielerische Eleganz, artistische Elemente, die synchrone Perfektion machten diese Vorführung zu einem Auftritt zum Genießen. Die frenetische Reaktion des Publikums war der Beweis dafür. Die Trainerinnen Teresa Gröschen und Lea Kunz waren die schöpferischen Urheberinnen dieses spektakulären Highlights.

Schließlich liefen alle 130 Aktiven in ihren vielfältigen bunten Kostümen zu dem großen Finale auf. Eine grandiose Kulisse. Frank Göbel, Leonie Göbel im Duett mit Anne-Kathrin Pörtner, Anne-Katrin Pörtner als Solistin sowie das frisch gebackene Ehrenmitglied Heinz-Peter Weidenfeller heizten das Publikum ein letztes Mal mit ihren Liedern ein. Sie erzeugten eine unglaubliche Stimmung aus Gänsehaut und restlos ausgelassener Lebensfreude. Allen war klar: Fastnacht bringt die Menschen zusammen - nicht nur physisch. (Wolfgang Gröschen)



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