Werbung

Nachricht vom 26.10.2026    

Runde Zahlen bewegen die Finanzmärkte stärker als gedacht, sagen die Experten von NAGA

RATGEBER | Wer einen Marathon läuft, hat fast immer eine Zielzeit im Kopf, und sie ist fast nie krumm. Vier Stunden. Dreieinhalb Stunden. Drei Stunden und fünfzehn Minuten. Wie stark diese Marken das Laufen tatsächlich prägen, lässt sich inzwischen sehr genau messen.

Analoge Messanzeige, deren Nadel genau auf einem Hauptstrich steht. Symbolfoto (KI generiert)

Die Ökonomen Eric Allen, Patricia Dechow, Devin Pope und George Wu haben dafür 9.524.071 Endzeiten ausgewertet, veröffentlicht als Arbeitspapier des National Bureau of Economic Research. Die Zeiten verteilen sich nicht gleichmäßig. Sie ballen sich auffällig knapp vor runden Marken wie der Vier-Stunden-Grenze, und die Auswertung spricht dafür, dass die Läuferinnen und Läufer auf den letzten Kilometern gezielt nachlegen, um die Marke gerade noch zu unterbieten. Die runde Zahl wirkt als Bezugspunkt, an dem sich Verhalten ausrichtet.

Wer Börsennachrichten verfolgt, kennt eine verwandte Erscheinung aus den Schlagzeilen. Meldungen, nach denen ein Index eine runde Marke „geknackt“ hat, erscheinen zuverlässig, obwohl an genau dieser Marke wirtschaftlich nichts Besonderes geschieht. Die Experten von NAGA, einer Multi-Asset-Plattform, die Handel, frei zugängliche Lerninhalte und einen offenen Austausch zwischen Nutzern verbindet, weisen darauf hin, dass runde Zahlen an den Finanzmärkten weit mehr sind als ein Thema für Überschriften. Sie haben messbare Folgen für den Kurs und für jeden, der selbst eine Order platziert.

Dieselbe Vorliebe im Orderbuch


Die Ökonomin Carol Osler hat Anfang der Zweitausenderjahre etwas untersucht, das von außen normalerweise unsichtbar bleibt: die tatsächlich hinterlegten Aufträge im Devisenhandel. In einer Studie für die Federal Reserve Bank of New York wertete sie das vollständige Orderbuch einer großen Devisenhandelsbank aus, mit 9.655 Aufträgen im Volumen von mehr als 55 Milliarden Dollar aus den Jahren 1999 und 2000. Rund 43 Prozent des Ordervolumens entfielen auf verlustbegrenzende Aufträge.

Das Muster, das Osler auch im Journal of Finance beschrieben hat, ist eindeutig. Kursziel-Aufträge, im Fachjargon Take-Profit-Orders, mit denen eine Position an einem gewünschten Zielkurs geschlossen wird, sammeln sich genau auf runden Kursen, die auf 00 oder 50 enden. Verlustbegrenzende Aufträge, die sogenannten Stopps, sammeln sich knapp dahinter: Kaufstopps knapp oberhalb einer runden Marke, Verkaufsstopps knapp unterhalb.

Was daraus im Kurs wird


Aus dieser Verteilung ergibt sich eine Mechanik, die viele Anlegerinnen und Anleger kennen, ohne sie erklären zu können. Nähert sich ein Kurs einer runden Marke, werden dort gehäuft Kursziel-Aufträge ausgeführt, die die Bewegung bremsen. Der Kurs prallt scheinbar ab. Wird die Marke dagegen durchbrochen, lösen die knapp dahinter wartenden Stopps aus. Jede ausgelöste Order treibt den Kurs ein Stück weiter in dieselbe Richtung, und damit geraten die nächsten Stopps in Reichweite.

Osler hat diese Kettenreaktion in ihrer Studie für die New Yorker Notenbank als Kurskaskade beschrieben. Nach dem Überschreiten runder Marken, an denen sich Stopps konzentrieren, bewegten sich die Wechselkurse in ihren Daten ungewöhnlich schnell weiter. Die Reaktion auf ausgelöste Stopps fiel zudem stärker und länger aus als die Reaktion auf erreichte Kursziele.

Für die einzelne Order hat das eine Folge, die man kennen sollte. In schnellen Bewegungen wird eine Stopp-Order zum nächsten verfügbaren Kurs ausgeführt, und dieser kann vom gesetzten Niveau abweichen. Ein Stopp mitten in einer Ansammlung gleichartiger Aufträge liegt genau dort, wo solche schnellen Bewegungen am ehesten entstehen.

Was NAGA daraus für die eigene Order ableitet


Für die Experten von NAGA folgt daraus eine sehr praktische Frage. Wer seinen Stopp an eine runde Zahl legt, hat ihn häufig nicht aus einer Analyse abgeleitet. Die Zahl hat sich einfach angeboten, genau wie die Vier-Stunden-Marke beim Marathon. Und sie hat sich allen anderen ebenfalls angeboten.

Ein Beispiel macht das greifbar. Steht ein Wechselkurs bei 1,1730 und soll eine Kaufposition nach unten abgesichert werden, liegt der Gedanke an 1,1700 sehr nahe. Knapp unterhalb genau solcher Marken verorten Oslers Daten die Häufung von Verkaufsstopps. Wer dort absichert, steht mit hoher Wahrscheinlichkeit in derselben Reihe wie viele andere.

Der Stop-Loss-Leitfaden der NAGA Academy beschreibt die eigentliche Abwägung von der anderen Seite. Ein Stopp sollte nah genug am Einstieg liegen, damit ein Auslösen das Konto nur begrenzt trifft, und weit genug entfernt, damit ihn gewöhnliche, zufällige Kursschwankungen nicht erreichen. Beide Kriterien hängen von der eigenen Position und vom jeweiligen Markt ab. Keines davon hängt davon ab, ob die Zahl schön aussieht. Bei NAGA lassen sich Stopp und Kursziel direkt beim Eröffnen einer Position festlegen, auch dann, wenn man den Positionen eines anderen Traders folgt.

Ein einfacher Kniff, den die Experten der Plattform empfehlen, verbindet beides. Wer eine runde Marke trotzdem im Blick behalten will, kann dort einen Kursalarm setzen, statt den Stopp exakt an diese Stelle zu legen. Man erfährt dann, dass die Marke erreicht ist, und entscheidet selbst, ob die eigene Einschätzung noch gilt. Der Stopp bleibt dort, wo die Analyse ihn verortet hat.

Wie weit die Befunde tragen


Drei Einschränkungen gehören für die Experten von NAGA ausdrücklich dazu. Oslers Daten stammen aus dem Devisenmarkt der späten Neunzigerjahre und der Zeit um die Jahrtausendwende, und der Handel ist seither deutlich schneller und stärker automatisiert geworden. Wie ausgeprägt das Muster in einem bestimmten Markt heute ist, lässt sich aus der Studie nicht ablesen. Und das Wissen um Ansammlungen an runden Marken ist keine Methode, um vorherzusagen, wohin ein Kurs als Nächstes läuft.

Unverändert bleibt auch das Grundrisiko. Der Handel mit gehebelten Produkten kann zu erheblichen Verlusten führen, auch mit einem sorgfältig platzierten Stopp.

Wer beim nächsten Stopp kurz prüft, ob er ihn aus der eigenen Analyse abgeleitet hat oder aus der Optik der Zahl, hat das Wichtigste aus Oslers Daten bereits angewendet.
Der Handel mit gehebelten Produkten ist mit einem erheblichen Verlustrisiko verbunden und nicht für alle Anleger geeignet. (prm)


Mehr dazu:   Wirtschaft  


WW-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Wirtschaft


Selters sucht Investor für Rheinstraße 35: Konzept schlägt Höchstgebot

ANZEIGE | Die Stadt Selters sucht einen Investor für das Grundstück in der Rheinstraße 35 zwischen dem ...

Einrichtungshaus Kranz modernisiert Gebäude und Außenanlagen in Nauroth

Das Einrichtungshaus Kranz hat seinen Standort in Nauroth umfassend modernisiert. Ortsbürgermeister Julian ...

IHK: Sondervermögen muss jetzt in konkrete Investitionen fließen

Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat die Durchführungsverordnung zum "Rheinland-Pfalz-Plan" verabschiedet. ...

Rund 150 Menschen informieren sich über Bürgerentscheid zur "Gaststätte am Kirchplatz"

Bei der ersten Informationsveranstaltung zum möglichen Kauf der "Gaststätte am Kirchplatz" in Alpenrod ...

"Germania" in Wissen steht zum Verkauf - Suche nach Restaurantpächter

Für knapp vier Millionen Euro suchen die Eigentümer des Wissener Hotels und Restaurants "Germania" einen ...

Die Handwerkskammer Koblenz ehrte wieder ihre Altmeister

Zusammen bringen sie es auf 9.950 Meisterjahre: Die Handwerkskammer Koblenz hat 183 Altmeisterinnen und ...

Weitere Artikel


Geschäftliche Weihnachtskarten 2026 im Vergleich: Welcher Anbieter zu welchem Bedarf passt

RATGEBER | Die beste Gesamtlösung für geschäftliche Weihnachtskarten ist Kartenliebe. Der Anbieter bietet ...

Selters: Erste Halloween-Disco in der Festhalle am 31. Oktober

ANZEIGE | In der Festhalle Selters steigt am Samstag, 31. Oktober, die erste Halloween-Disco. Für Musik ...

Selters sucht Investor für Rheinstraße 35: Konzept schlägt Höchstgebot

ANZEIGE | Die Stadt Selters sucht einen Investor für das Grundstück in der Rheinstraße 35 zwischen dem ...

Werbung