Werbung

Pressemitteilung vom 23.10.2026    

Unternehmer bei BI: Verkehrspolitik muss Menschen fragen, was sie brauchen

Müssen die ins Auge gefassten Ortsumgehungen im Zuge der B 8 zwischen Altenkirchen und der westlich verlaufenden Grenze zur Nordrhein-Westfalen wirklich realisiert werden? Eine sehr aktive Bürgerinitiative und örtliche Kommunen lehnen sie kategorisch ab. Firmenchef Markus Mann (Langenbach bei Kirburg) erläuterte seine Sicht der Dinge.

Markus Mann referierte von rund 50 Zuhörern im Dorfgemeinschaftshaus Weyerbusch-Hilkhausen. (Foto: privat)

Weyerbusch-Hilkhausen. Lediglich zwei bis drei Minuten Zeitgewinn zwischen Altenkirchen und Hennef-Uckerath, tiefgreifende Einschnitte in die Natur sowie Versiegelung und Flächenfraß: Das sind nur einige Gründe, warum die Bürgerinitiative (BI) gegen Ortsumgehungen im Verlauf der B 8 (noB8ou) auf rheinland-pfälzischem Territorium bei Helmenzen, Weyerbusch und Kircheib seit mehreren Jahren mobil gegen diese, im Bundesverkehrswegeplan 2030 mit dem Prädikat „vordringlich“ versehenen Umfahrungen macht. Parallel legt die BI aus ihrer Sicht Ideen vor, den Verkehrsfluss effektiver zu gestalten. Dazu zählen weitere dreistreifige Abschnitte, Kreisverkehre oder der Einbau von bituminösen Flüsterdeckschichten. Auch die örtlichen Kommunen, die jeweils solche Bypässe bekommen sollen, sprachen sich gegen deren Verwirklichung aus. Markus Mann, geschäftsführender Gesellschafter der Mann Naturenergie GmbH & Co. KG mit Firmensitz in Langenbach (bei Kirburg), beleuchtete bei einem Treffen auf Anregung der BI in Weyerbusch-Hilkhausen unter dem Titel „Globaler Klick – lokale Folgen“ (Online-Handel, Verkehr und regionale Wirtschaft) vor knapp 50 Zuhörern auch die verkehrstechnische Situation aus seiner Sicht. „Natürlich verstehe ich jeden Menschen, der an einer stark befahrenen Straße wohnt und sagt: ,Ich möchte weniger Lärm. Weniger Abgase. Mehr Sicherheit. Ich möchte wieder vernünftig über die Straße gehen können'“, sagte Mann am Donnerstagabend (22. Oktober) mit Blickrichtung einer möglichen Umgehung von Weyerbusch. Es sei ein vollkommen berechtigtes Anliegen. Eine Ortsumgehung klinge deshalb zunächst wunderbar. Nur „müssen wir die Rechnung vollständig machen. Eine neue Straße beansprucht Fläche. Sie zerschneidet Landschaft. Sie greift in landwirtschaftliche Flächen ein“. Gleichzeitig schaffe sie eine neue Straßenkapazität, eine schnellere Straße verändere auch Verhalten. „Entfernungen, die vorher unattraktiv waren, werden plötzlich attraktiv. Wege werden länger. Standorte verändern sich. Einkaufsstrukturen verändern sich. Und zusätzlicher Straßenraum kann dadurch langfristig zusätzlichen Verkehr erzeugen“, folgerte Mann.

Vieles muss funktionieren
Eine leistungsfähige Infrastruktur sei die Grundlage „unseres Wohlstands. Brücken müssen funktionieren. Straßen müssen in gutem Zustand sein. Bahnstrecken müssen leistungsfähig sein. Digitale Netze müssen funktionieren. Und selbstverständlich müssen echte Nadelöhre beseitigt werden“, ergänzte Mann und ließ eine Warnung folgen: „Aber bervor wir Landschaft verbrauchen, sollten wir uns zuerst fragen: Was können wir aus der vorhandenen Infrastruktur machen? Kann man Ortsdurchfahrten intelligenter gestalten? Kann man Lärm reduzieren? Kann man sichere Fußgängerüberwege schaffen? Kann man Verkehrsströme besser steuern? Kann man öffentlichen Verkehr verbessern? Kann man Güterverkehr stärker auf die Schiene bringen?“ Denn genau an diesem Punkt träfen sich Verkehrspolitik und regionale Wirtschaftspolitik. Eine Region sei wirtschaftlich stark, wenn dort Wertschöpfung stattfinde, wenn aus einem Baum aus dem Westerwald hier Bauholz werde, wenn aus Sägenebenprodukten Pellets würden, wenn regionale Biomasse regionale Wärme erzeuge, wenn Solar- und Windstrom aus „unserer Region unsere Unternehmen“ versorgten, wenn der Bäcker, Metzger, Handwerker, Landwirt und industrielle Mittelständler vor Ort eine wirtschaftliche Zukunft hätte. „Dann bleibt nicht nur Geld in der Region, es bleiben Arbeitsplätze, Ausbildung, Steuern, Wissen und gesellschaftliche Strukturen in der Region. Und gleichzeitig werden Transportwege kürzer. Das ist für mich Nachhaltigkeit und nicht Verzicht um des Verzichts willen, sondern intelligente Kreisläufe“, betonte Mann.

Was ist eigentlich Wohlstand?
„Deshalb müssen wir uns bei jeder großen Infrastrukturentscheidung eine einfache Frage stellen: Was ist eigentlich Wohlstand? Wir verwechseln Wirtschaftswachstum mit Wohlstand, und manchmal bezahlen wir für das Wachstum mit dem Verlust von Wohlstand“, ergänzte Mann, „wenn wir eine Brücke pflegen und sie 100 Jahre hält, haben wir Wohlstand erhalten. Wenn wir sie zerstören und für Millionen wieder aufbauen, haben wir Wirtschaftswachstum erzeugt. Aber sind wir dadurch reicher geworden? Wenn ich fünf Minuten schneller am Flughafen Köln-Bonn bin? Wenn der Mallorca-Flieger für einen Oberwesterwälder noch ein bisschen schneller erreichbar ist?“ Oder sei Wohlstand auch, „wenn ich vor meiner Haustüre spazieren gehen kann? Wenn meine Kinder sicher durch ihren Ort kommen? Wenn ich Ruhe erleben kann? Wenn Landwirtschaft Flächen behält? Wenn es im Dorf Geschäfte und Arbeitsplätze gibt? Wenn Unternehmen ihre Rohstoffe aus der Region beziehen können? Wenn die nächste Generation hier noch eine Landschaft vorfindet, in der sie gut lebt? Ich glaube, wir haben Wohlstand viel zu lange hauptsächlich in Geschwindigkeit, Konsum und Bruttoinlandsprodukt gemessen.“




Stellenanzeigen | WesterwaldJobs

Vorarbeiter / Teamleiter Fahrzeugbeschriftung & Folientechnik (m/w/d)

BeschriftungsMeister.de
56593 Horhausen (Westerwald)

pädagogische Fachkraft als Nachtwache (m/w/d)

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57632 Flammersfeld

Gruppenleitung (m/w/d) Vollzeit in der Werkstatt

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57537 Wissen

Hauswirtschaftskraft (m/w/d) für Wohnstätte

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57632 Flammersfeld

LKW-Fahrer (m/w/d)

Westerwald-Brauerei H. Schneider GmbH & Co. KG
57627 Hachenburg

⇒ Mehr Westerwald Jobs entdecken    |    ⇒ Stellenanzeige schalten


Nicht grundsätzlich gegen Straßen
Aber ein gutes Leben bestehe aus mehr: Zeit sei Wohlstand, Gesundheit sei Wohlstand, Natur sei Wohlstand, eine funktionierende Dorfgemeinschaft sei Wohlstand, regionale Arbeitsplätze seien Wohlstand, und intakte Landschaft sei ebenfalls Wohlstand. „Deshalb bin ich nicht grundsätzlich gegen Straßen, aber ich bin gegen die Vorstellung, dass mehr Straße automatisch mehr Wohlstand bedeutet. Ich wünsche mir eine Verkehrspolitik, die zuerst fragt: Was brauchen die Menschen? Was braucht die regionale Wirtschaft? Was können wir mit der vorhandenen Infrastruktur erreichen? Was hinterlassen wir unseren Kindern? Vielleicht können wir dabei aber sogar etwas von unseren Schweizer Nachbarn lernen. Nicht alles. Aber eines schon: Eine leistungsfähige Wirtschaft, hohe Lebensqualität und eine Verkehrspolitik, die dem Verkehr Grenzen und Preise setzt, schließen sich nicht gegenseitig aus“, verdeutlichte Mann. Im Gegenteil: Vielleicht entstehe gerade daraus eine starke Region, dass nicht jeder Kilometer schneller zurückgelegt werden müsse, „sondern wir wieder mehr Dinge in der Nähe haben, für die wir gar nicht erst so viele Kilometer zurücklegen müssen. Das wäre für mich regionales Wirtschaften, das wäre Nachhaltigkeit, und vielleicht ist das am Ende auch ein ziemlich gutes Leben. Ist Wohlstand wirklich, wenn der Oberwesterwälder fünf Minuten schneller am Mallorca-Flieger ist oder ist Wohlstand, wenn wir Arbeit, Wertschöpfung, Natur und Lebensqualität im Westerwald erhalten“?

Auch Bundesminister vor Ort
Markus Mann, Jahrgang 1967, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Als Unternehmer wurde er in den vergangenen Jahren bereits mehrfach ausgezeichnet. Zur Mann-Firmengruppe in Langenbach (bei Kirburg) gehören Mann Strom, die Westerwälder Holz-Werke, die Westerwälder Holz-Pellets und Chauffage Bois Energie in Anzére (Schweiz), ein Wärmenetz mit einem Pelletbedarf von circa 3000 Tonnen pro Jahr. Die Bürgerinitiative gegen den Bau von Ortsumgehungen im Verlauf der B 8 auf rheinland-pfälzischem Territorium bei Helmenzen, Weyerbusch und Kircheib wird nicht locker lassen, bis sie ihr Ziel, die Löschung der Projekte aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030, erreicht hat. Immer wieder macht sie bei Vor-Ort-Terminen – vor allem mit Politikern – auf die Problematik und die Folgen einer möglichen Umsetzung der Vorhaben aufmerksam. Unter anderem war der ehemalige Bundesminister für Verkehr, Patrick Schnieder (CDU), schon zu Gast an der Stelle zwischen Weyerbusch und Werkhausen, wo die denkbare Trasse der Nordvariante der Umfahrung verwirklicht werden könnte. (vh)


Feedback: Hinweise an die Redaktion

WW-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


LIGA Rheinland-Pfalz startet Projekt zur inklusiven Kinder- und Jugendhilfe

Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Rheinland-Pfalz hat das Projekt "Freie Träger gestalten inklusive ...

L 304 zwischen Maxsain und Freilingen wird ab November 2026 ausgebaut

Der Landesbetrieb Mobilität Diez beginnt am 2. November 2026 mit dem Ausbau der Landesstraße 304 zwischen ...

Gläubiger billigen Insolvenzplan für Familienferiendorf Hübingen

Die Gläubiger des Familienferiendorfs Hübingen haben dem Insolvenzplan einstimmig zugestimmt. Der Verein ...

Korridorsanierung zwischen Troisdorf und Wiesbaden liegt im Zeitplan

Auf der 160 Kilometer langen Strecke am Rechten Rhein sind nach Angaben der DB InfraGO mehr als 70 Prozent ...

DJ und Naturschützer Dominik Eulberg begeistert mit außergewöhnlicher Lesung

Wir alle werden jeden morgen von schönem Vogelgezwitscher geweckt. Doch nur die wenigsten Menschen können ...

Ferienkurs in Montabaur verbindet MINT, Kunst und Kreativität

Zwölf Mädchen haben am 12. und 13. Oktober 2026 beim Ferienkurs "MINT trifft Kreativität" im Kunst- und ...

Weitere Artikel


LIGA Rheinland-Pfalz startet Projekt zur inklusiven Kinder- und Jugendhilfe

Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Rheinland-Pfalz hat das Projekt "Freie Träger gestalten inklusive ...

L 304 zwischen Maxsain und Freilingen wird ab November 2026 ausgebaut

Der Landesbetrieb Mobilität Diez beginnt am 2. November 2026 mit dem Ausbau der Landesstraße 304 zwischen ...

Gläubiger billigen Insolvenzplan für Familienferiendorf Hübingen

Die Gläubiger des Familienferiendorfs Hübingen haben dem Insolvenzplan einstimmig zugestimmt. Der Verein ...

Werbung