Die Handwerkskammer Koblenz ehrte wieder ihre Altmeister
Von Wolfgang Rabsch
Zusammen bringen sie es auf 9.950 Meisterjahre: Die Handwerkskammer Koblenz hat 183 Altmeisterinnen und Altmeister für 50, 60, 65 und 70 Jahre seit der Meisterprüfung ausgezeichnet. Erstmals in der Geschichte der Kammer gab es dabei gleich vier Platin-Ehrenbriefe; der älteste Jubilar ist 97 Jahre alt.
Koblenz. Alle Jahre wieder kommt das Christuskind, aber auch alle Jahre wieder feiert die Handwerkskammer (HwK) Koblenz ihre Altmeister, die vor 50, 60, 65 und sogar 70 Jahren ihre Meisterprüfung erfolgreich abgelegt haben. Damit ehrt die Kammer Menschen, die gerade in der Nachkriegszeit angepackt und ganz erheblich zum langsam wachsenden Wohlstand beigetragen haben. Was heute vielen als selbstverständlich erscheint, war in den Wirren vor allem der 50er- und 60er-Jahre nicht vom Himmel gefallen. Aus dieser Epoche stammt auch der legendäre Spruch „Handwerk hat goldenen Boden”.
Handwerksmeister sorgten für den Wiederaufbau
Die Zeiten haben sich im Laufe der Jahrzehnte stark gewandelt. Auch die Verbesserung der Technik half den Handwerkern dabei, die sogenannte Knochenarbeit nicht mehr verrichten zu müssen. Um diesen Männern und Frauen aufrichtigen Dank für ihr Lebenswerk auszusprechen, hatte die Handwerkskammer 183 Jubilare in den großen Saal des Kammergebäudes eingeladen.
Kurt Krautscheid, Präsident der Handwerkskammer Koblenz, überreichte den Goldenen Ehrenbrief für 50 Jahre, den Diamantenen Ehrenbrief für 60 Jahre, den Eisernen Ehrenbrief für 65 Jahre und den Platin-Ehrenbrief für 70 Jahre.
Etwas zur Statistik: Insgesamt hatten die 183 Meisterinnen und Meister 9.950 Meisterjahre auf dem Buckel, und zwar für Meisterprüfungen in den Jahren 1956, 1961, 1966 und 1976. Die Jubilare verteilten sich auf 41 Handwerksberufe.
Eingeladen waren die Geehrten mit ihren Ehepartnern, Kindern oder Enkelkindern. Da die Kapazität der Handwerkskammer mit etwa 450 Gästen an einem Tag nicht ausgereicht hätte, musste die Meisterfeier auf zwei Tage verteilt werden. Der Saal war anspruchsvoll hergerichtet und ähnelte fast einem Festbankett bei einem Staatsempfang. So entstand ein würdevoller Rahmen für ein würdevolles Fest.
Kammerpräsident Krautscheid ehrte die Altmeister
Krautscheid hatte als Hausherr die Ehre, die Gäste zu begrüßen, und fand sofort lobende Worte, in denen man spüren konnte, dass er sie voller Überzeugung und Dankbarkeit aussprach: „Jeder Einzelne unter Ihnen bringt eine ganz individuelle Geschichte mit, in der der Meistertitel eine zentrale Rolle spielt.“ Das verbindet uns über 41 Berufe und sieben Jahrzehnte handwerkliche Meisterschaft hinweg. Sie können stolz auf Ihr Lebenswerk sein, und wir wollen das heute gebührend feiern. Vieles hat sich über die Jahrzehnte verändert, und wir freuen uns über den großen Zuspruch. Die Feier bietet uns auch die Möglichkeit, Ihr berufliches Lebenswerk zu würdigen und Ihre Leistungen ins Rampenlicht zu rücken.” Er ging auch auf besondere Ereignisse im Rückblick ein, die das Leben geprägt und verändert hätten.
Die kurzweilige Veranstaltung wurde von HwK-Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich moderiert. Anschließend überreichte Krautscheid jedem einzelnen Meisterjubilar die Urkunden. Der älteste Jubilar zählte stolze 97 Jahre und ist seit 1961 Schlossermeister. In der Geschichte der Handwerkskammer hat es noch nie gegeben, dass gleich vier Handwerksmeister den Platin-Ehrenbrief erhielten – sie wurden für ihr jeweils 70-jähriges Meisterjubiläum mit lautem Applaus gefeiert.
Auch bei der Ehrung der Jubilare war zu erkennen, dass es für den Kammerpräsidenten eine Ehre war, die Urkunden zu überreichen. Er nahm sich viel Zeit, um mit den Geehrten ins Gespräch zu kommen und mit ihnen für Erinnerungsfotos zu posieren. Während des Rundgangs herrschte im Saal eine gelockerte Atmosphäre, zumal Martin Klein am Flügel die Veranstaltung mit musikalischen Einlagen bereicherte.
Zwei Jubilare wurden auch filmisch geehrt
Zwei Kurzfilme beleuchteten den beruflichen Werdegang zweier Jubilare: den des 83-jährigen Schmiede- und Kfz-Mechanikermeisters Friedhelm Adorf aus Heupelzen bei Altenkirchen, der nicht nur Handwerker, sondern auch als Sportler mehrfacher Welt- und Europameister in seiner Altersklasse wurde. Ebenso wurde Wilhelm Friedolin Birk vorgestellt, 88-jähriger Uhrmacher- und Augenoptikermeister aus Simmern im Hunsrück, der noch immer für seine Kunden im 1969 gegründeten Familienunternehmen tätig ist.
Adorf hat sich von klein an hochgearbeitet
Stellvertretend für die vielen Jubilare aus dem Westerwald berichtet Friedhelm Adorf über seinen beruflichen Werdegang. Bei einem Besuch in seinem Haus stand diesmal die Arbeit im Vordergrund und nicht seine unzähligen Erfolge in der Leichtathletik, die ihn zu einem der weltweit erfolgreichsten Sportler seiner Altersklasse machen.
Adorf begann 1957 seine Lehre zum Kfz-Mechaniker bei der Firma Gierenstein und Nonn in Altenkirchen und legte 1960 die Gesellenprüfung ab. Anschließend wurde er zum Wehrdienst eingezogen – den zu verweigern, gab es damals praktisch nicht. Nach der Bundeswehrzeit legte er teilweise parallel die Schmiedemeister- und die Kfz-Meisterprüfung ab und machte sich in Heupelzen im Autohandel und mit einer Reparaturwerkstatt selbstständig.
1988 wechselte er den Standort von Heupelzen nach Altenkirchen und baute dort das Autohaus Adorf auf. Heute führt sein Sohn Dirk den Betrieb, der Vater ist mit 83 Jahren noch teilweise tätig, weil seine Erfahrung weiterhin von großem Nutzen ist. Seine Leidenschaft bleibt die Leichtathletik, in der er weltweit Riesenerfolge feiert. Er fühlt sich topfit und gelingt ihm, Sport und Engagement im Autohaus gut unter einen Hut zu bringen. Schmunzelnd fügte er hinzu: „Aber für den Sport nehme ich mir mehr Zeit.”
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