Wirtschaft | Anzeige
Warum viele Männer den Arztbesuch aufschieben und wie digitale Sprechstunden helfen können
ANZEIGE | Gesundheitliche Beschwerden ernst zu nehmen und rechtzeitig ärztlichen Rat einzuholen, klingt selbstverständlich. Im Alltag sieht es jedoch häufig anders aus. Gerade Männer neigen teilweise dazu, Symptome zunächst zu beobachten und darauf zu hoffen, dass sie von allein verschwinden. Solange Schmerzen oder andere Veränderungen die tägliche Routine nicht erheblich beeinträchtigen, erscheint ein Arzttermin schnell verzichtbar. Aus einigen Tagen können auf diese Weise Wochen oder sogar Monate werden.
Manche Beschwerden lassen sich im Alltag zudem leicht verdrängen. Rückenschmerzen werden mit körperlicher Belastung erklärt, anhaltende Müdigkeit mit Stress im Beruf und Veränderungen beim Wasserlassen oder im Sexualleben werden zunächst als unangenehm, aber nicht dringend betrachtet. Hinzu kommt der organisatorische Aufwand. Ein Termin muss vereinbart, Zeit freigehalten und unter Umständen ein längerer Anfahrtsweg eingeplant werden. Besonders bei vermeintlich kleineren Beschwerden kann die Motivation dafür gering sein.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Männer grundsätzlich weniger an ihrer Gesundheit interessiert sind. Die Gründe für einen aufgeschobenen Arztbesuch sind individuell. Neben Zeitmangel können Unsicherheit, Scham, ungünstige Rahmenbedingungen und der Wunsch, Probleme zunächst selbst zu lösen, eine Rolle spielen. Eine integrative Übersichtsarbeit zum Hilfesuchverhalten von Männern identifizierte sowohl strukturelle als auch persönliche Barrieren und zeigte, dass die hausärztliche Versorgung von Männern häufig eher mit akuten Beschwerden als mit Prävention verbunden wird. Umso wichtiger sind Angebote, die den ersten Kontakt mit medizinischem Fachpersonal einfacher machen und die Hemmschwelle für ein Gespräch senken.
Zwischen Zeitdruck, Scham und dem Wunsch, Probleme selbst zu lösen
Ein wesentlicher Faktor ist der Zeitdruck im Alltag. Wer berufstätig ist, Angehörige betreut oder andere Verpflichtungen hat, muss einen Praxisbesuch häufig lange im Voraus organisieren. Öffnungszeiten und eigene Arbeitszeiten passen nicht immer gut zusammen. Im ländlichen Raum können zusätzliche Fahrtwege hinzukommen, insbesondere wenn ein Facharzt benötigt wird. Auch im Westerwald und anderen Regionen abseits großer Städte kann deshalb bereits die Organisation eines Termins zu einer zusätzlichen Hürde werden.
Noch schwieriger kann der Arztbesuch werden, wenn intime Beschwerden betroffen sind. Probleme mit der Sexualität, Veränderungen an den Geschlechtsorganen, Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder psychische Belastungen werden nicht immer gerne offen angesprochen. Manche Betroffene empfinden die Vorstellung eines persönlichen Gesprächs als unangenehm. Gerade bei Themen wie Erektionsstörungen oder vorzeitiger Ejakulation kann Scham dazu führen, dass professionelle Beratung lange hinausgezögert wird.
Auch traditionelle Vorstellungen davon, wie Männer mit Problemen umgehen sollten, können eine Rolle spielen. Wer gelernt hat, Schwierigkeiten möglichst allein zu bewältigen und Belastbarkeit mit Stärke gleichzusetzen, sucht möglicherweise später Hilfe. Bei gesundheitlichen Problemen ist dieses Verhalten jedoch nicht immer sinnvoll. Einen Arzt um eine Einschätzung zu bitten, bedeutet nicht, die Kontrolle abzugeben. Im Gegenteil kann eine frühzeitige Abklärung dabei helfen, Unsicherheit zu reduzieren und bewusste Entscheidungen über die eigene Gesundheit zu treffen.
Warum langes Abwarten gesundheitliche Folgen haben kann
Nicht jedes Symptom ist ein Zeichen für eine ernsthafte Erkrankung. Trotzdem gibt es gute Gründe, ungewöhnliche oder länger anhaltende Beschwerden ärztlich beurteilen zu lassen. Viele Erkrankungen können besser eingeordnet und teilweise auch besser behandelt werden, wenn Veränderungen frühzeitig erkannt werden. Ein aktuelles Landesprojekt in Rheinland-Pfalz zeigt, wie wichtig Prävention ist. Der WW-Kurier berichtet darüber in einem Artikel zur Krebsvorsorge. Ziel ist es unter anderem, Informationen zur Prävention und Früherkennung leichter zugänglich zu machen.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Beschwerden, die neu auftreten, ungewöhnlich stark sind oder über längere Zeit bestehen bleiben. Dazu können beispielsweise wiederkehrende Schmerzen, auffällige Veränderungen beim Wasserlassen, Blutungen, Atemnot, unerklärliche Gewichtsveränderungen oder ausgeprägte Erschöpfung gehören. Auch sexuelle Funktionsstörungen sollten nicht allein als peinliches Problem betrachtet werden. Sie können unterschiedliche körperliche oder psychische Ursachen haben und sollten bei anhaltenden Beschwerden medizinisch abgeklärt werden. Bei starken akuten Beschwerden oder einem medizinischen Notfall ist unmittelbar professionelle Hilfe erforderlich.
Neben der Abklärung konkreter Symptome spielt die Vorsorge eine wichtige Rolle. Viele Vorsorgeangebote richten sich gerade an Menschen, die sich gesund fühlen und keine deutlichen Beschwerden wahrnehmen. Je nach Alter, familiärer Vorgeschichte und persönlichem Risikoprofil können unterschiedliche Untersuchungen sinnvoll sein. Wer Vorsorgetermine nicht erst dann wahrnimmt, wenn Probleme entstehen, macht Gesundheit zu einem regelmäßigen Bestandteil des Alltags und nicht nur zu einem Thema für den Krankheitsfall.
Digitale Sprechstunden senken die Schwelle zum ersten Arztkontakt
Telemedizinische Angebote können eine Möglichkeit sein, den Zugang zu ärztlicher Beratung unkomplizierter zu gestalten. Je nach Anbieter erfolgt der Kontakt über eine Videosprechstunde, einen digitalen medizinischen Fragebogen oder andere Formen der telemedizinischen Konsultation. Dadurch kann eine erste medizinische Einschätzung in bestimmten Fällen stattfinden, ohne dass Patienten für jedes Anliegen unmittelbar eine Praxis aufsuchen müssen. Auch der WW-Kurier hat sich bereits mit den Chancen der digitalen Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum beschäftigt.
Gerade bei sensiblen Gesundheitsthemen kann außerdem die räumliche Distanz hilfreich sein. Manche Menschen sprechen von zu Hause aus leichter über Beschwerden, die ihnen unangenehm sind. Digitale Gesundheitsplattformen wie apomeds.com/de können dabei eine Möglichkeit sein, eine geeignete Behandlung online in Anspruch zu nehmen. Ob eine digitale Beratung für die jeweiligen Beschwerden geeignet ist und welche Behandlung infrage kommt, muss im Einzelfall medizinisch beurteilt werden.
Besonders praktisch ist der geringere organisatorische Aufwand. Anfahrtswege können entfallen und bestimmte Anliegen lassen sich zeitlich flexibler besprechen. Eine systematische Übersichtsarbeit zur Wirksamkeit von Telekonsultationen in der Primärversorgung kam zu dem Ergebnis, dass Telefon- und Videokonsultationen in den untersuchten Bereichen bei vielen Patienten vergleichbare klinische Ergebnisse erzielen konnten. Die ausgewerteten Studien berichteten zudem eine hohe Patientenzufriedenheit und eine deutliche Zeitersparnis, wobei Telekonsultationen nicht für jeden Patienten und jede medizinische Situation geeignet sind. Gerade in ländlichen Regionen kann dieser zusätzliche Zugangsweg hilfreich sein, wenn der nächste geeignete Arzt weiter entfernt liegt.
Welche Beschwerden sich online klären lassen und wo die Grenzen liegen
Digitale Konsultationen eignen sich besonders dann, wenn zunächst eine medizinische Einschätzung oder ein Gespräch benötigt wird. Auch Verlaufskontrollen, Fragen zu bereits bekannten Beschwerden oder die Besprechung vorhandener Befunde können je nach Situation telemedizinisch möglich sein. Bei Themen, über die Betroffene nur ungern persönlich sprechen, kann der digitale Erstkontakt zudem dabei helfen, überhaupt den Weg zu professioneller Beratung zu finden.
Die Möglichkeiten der Telemedizin haben jedoch klare Grenzen. Ein Arzt kann über einen Bildschirm weder den Bauch abtasten noch selbst den Blutdruck messen, eine verdächtige Hautveränderung umfassend untersuchen oder eine Blutprobe entnehmen. Für zahlreiche Diagnosen sind körperliche Untersuchungen, Laborwerte oder bildgebende Verfahren erforderlich. Ergibt eine digitale Beratung Hinweise darauf, dass weitere Untersuchungen notwendig sind, führt der nächste Schritt deshalb in eine Arztpraxis oder eine andere medizinische Einrichtung.
Bei akuten Notfällen ist eine digitale Sprechstunde ebenfalls nicht die richtige Anlaufstelle. Plötzlich auftretende starke Brustschmerzen, schwere Atemnot, Bewusstseinsstörungen oder andere Anzeichen eines möglichen medizinischen Notfalls erfordern schnelle Hilfe über die dafür vorgesehenen Notfallstrukturen. Telemedizin sollte daher nicht als Ersatz für jede Form des Arztbesuchs verstanden werden. Ihr Nutzen liegt vielmehr darin, die klassische Versorgung sinnvoll zu ergänzen und bei geeigneten Anliegen einen zusätzlichen, niedrigschwelligen Zugang zu ermöglichen.
Der unkomplizierte Einstieg in eine bessere Gesundheitsvorsorge
Für Männer, die Arzttermine bislang gerne aufgeschoben haben, kann bereits eine Änderung der eigenen Gewohnheiten viel bewirken. Beschwerden müssen nicht erst unerträglich werden, bevor medizinischer Rat sinnvoll ist. Wer unsicher ist, ob ein Symptom untersucht werden sollte, kann den ersten Kontakt auch nutzen, um genau diese Frage zu klären. Eine digitale Konsultation kann dabei für geeignete Anliegen eine Möglichkeit sein, die erste Hürde möglichst niedrig zu halten.
Bei der Auswahl eines digitalen Angebots lohnt sich trotzdem ein genauer Blick. Wichtig sind nachvollziehbare Informationen darüber, wer die medizinische Beratung durchführt und wie persönliche Gesundheitsdaten verarbeitet werden. Auch Kosten, Ablauf und mögliche weitere Behandlungsschritte sollten transparent dargestellt sein. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten gehört eine medizinische Prüfung dazu. Angebote, die verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne erforderliche ärztliche Beurteilung versprechen, sollten besonders kritisch betrachtet werden.
Digitale Medizin kann vor allem dort einen Vorteil bieten, wo Bequemlichkeit und ein diskreter Zugang dazu führen, dass gesundheitliche Fragen überhaupt angesprochen werden. Sie nimmt Männern jedoch nicht die Verantwortung ab, Warnzeichen ernst zu nehmen und notwendige Untersuchungen durchführen zu lassen. Die sinnvollste Lösung besteht deshalb häufig nicht in der Entscheidung zwischen Online-Arzt und klassischer Praxis. Beide Formen können sich ergänzen. Entscheidend ist, gesundheitliche Probleme nicht dauerhaft zu verdrängen und professionelle Hilfe dann in Anspruch zu nehmen, wenn sie benötigt wird. (prm)
Mehr dazu:
Wirtschaft




















