Pressemitteilung vom 02.10.2026 
SPNV-Nord fordert vollständige Sanierung der linken Rheinstrecke
Der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord) warnt vor einer Reduzierung der geplanten Korridorsanierung der linken Rheinstrecke. Nach Einschätzung des Verbands wären unter anderem wichtige Stellwerks-, Brücken- und Lärmschutzprojekte sowie neue Stationen gefährdet.
Koblenz. Der SPNV-Nord unterstützt das Engagement der Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen für die Beibehaltung der Korridorsanierung der linken Rheinstrecke. Verbandsvorsteher Achim Hallerbach fordert vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) und der Deutschen Bahn, die geplanten Maßnahmen auf beiden Seiten des Rheins vollständig umzusetzen.
"Wir fordern vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) und der Deutschen Bahn AG (DB) beidseits des Rheins funktionierende Eisenbahnstrecken", erklärte Hallerbach. Die geplante und abgestimmte Korridorsanierung sei für den Verband "alternativlos". Eine Reduzierung von vier auf zwei Sanierungen bringe Deutschland nicht voran und gefährde das Vertrauen von Bürgern und Unternehmen.
Der SPNV-Nord will in seinem Gebiet ab Oberwesel in nördlicher Richtung keine Abstriche an den Planungen. Neben dem Neubau von Stationen und Lärmschutzmaßnahmen gehe es um eisenbahnbetriebliche Verbesserungen und die Digitalisierung des Knotens Koblenz. Diese seien nicht nur mit Blick auf die Bundesgartenschau 2029 erforderlich, sondern auch für pünktlichere und zuverlässigere Züge.
Rechtsrheinische Bauarbeiten und Ersatzverkehr
Die Korridorsanierung der rechten Rheinstrecke durch DB InfraGO liegt nach Angaben des SPNV-Nord im Zeitplan. Nach den vorliegenden Informationen werde weiterhin von einer pünktlichen Inbetriebnahme im Dezember 2026 ausgegangen. Hallerbach verwies auf das große Bauvolumen und die Fortschritte, die entlang der Strecke sichtbar seien.
Auch der rechtsrheinische Schienenersatzverkehr (SEV) laufe insgesamt gut. Verbandsdirektor Thorsten Müller sagte, gelegentlich gebe es zwar Probleme, beide beauftragten Busunternehmen hätten den Verkehr jedoch gut im Griff.
Für den linksrheinischen Personenverkehr sei im Vorfeld gemeinsam mit DB InfraGO ein Dispositionskonzept erarbeitet worden. Trotz technischer Ausfälle auf der Strecke werde vor Ort schnell reagiert. Die Qualität des Schienenpersonenverkehrs sei nach Einschätzung des Verbands "definitiv nicht schlechter geworden als vor der Sperrung der rechten Rheinstrecke" und laufe "erstaunlich zuverlässig".
Risiken bei einer Absage der Sanierung
Nach Angaben des SPNV-Nord wurde die Generalsanierung der linken Rheinstrecke zunächst eng mit dem Verband abgestimmt. Vorgesehen seien neben der Erneuerung von Beton und Stahl auch Maßnahmen zur Verbesserung der betrieblichen Qualität gewesen. Damit habe die Pünktlichkeit im Schienenpersonennahverkehr von derzeit rund 50 Prozent auf ein bundesweit übliches Niveau von 90 Prozent steigen können.
Nach den ersten durchgeführten Korridorsanierungen seien zwar Anpassungen notwendig. Das nunmehr dritte Update der Korridorsanierung werde jedoch ohne Beteiligung der Branche vorgenommen. Der Verband befürchtet deshalb, dass die Generalsanierung der linken Rheinstrecke vollständig entfällt.
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Der SPNV-Nord nennt unter anderem folgende Risiken und Folgen:
Der Knoten Koblenz verfügt über ein altes Stellwerk, das überwiegend aus den 1960er-Jahren stammt und wegen eines Umbauverbots dringend digitalisiert werden muss.
Die beiden Moselbrücken der linken Rheinstrecke im Koblenzer Stadtgebiet sind abgängig. Die Sanierung jeder der beiden Brücken würde nach Angaben des Verbands mindestens fünf Monate dauern.
Das Kreuzungsbauwerk Kesselheim, das die rechte und linke Rheinstrecke verbindet, ist stark beschädigt. Es besteht die Hoffnung, dass es bis Ende 2027 hält.
- Die Straßenbrücke der B 9 in Oberwinter hat nach Einschätzung des Verbands ebenfalls das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht. Für den Neubau werden fünf Monate Baufreiheit benötigt. Eine kurzfristige Sperrung der Brücke könnte auch die darunterliegende Bahnstrecke beeinträchtigen.
Maßnahmen für mehr Lärmschutz im Mittelrheintal könnten sich um Jahre verschieben oder entfallen.
Für die Bundesgartenschau 2029 waren links- und rechtsrheinisch zahlreiche neue Stationen vorgesehen. Deren Ausbleiben könnte nach Einschätzung des SPNV-Nord negative Folgen für den Erfolg der Veranstaltung haben.
Nördlich von Remagen in Nordrhein-Westfalen muss das stark abgängige Stellwerk Bad Godesberg durch ein modernes Stellwerk ersetzt werden. Für die Erneuerung liegen nach Angaben des Verbands Auflagen des Eisenbahn-Bundesamtes vor; die Maßnahme sei bereits einmal verschoben worden.
Geplante und teilweise ausgeschriebene Verbesserungen wie neue Überholgleise, Weichenverbindungen und Signale würden nicht umgesetzt.
Weitere Bauvorhaben auf angrenzenden Strecken bauen auf der Sperrung der linken Rheinstrecke auf. Bei einem Wegfall der Korridorsanierung könnten diese Planungen ebenfalls gefährdet sein.
Müller verwies darauf, dass die Deutsche Bahn seit mehr als 20 Jahren Baumaßnahmen zunehmend in größeren Paketen bündele. Einige Projekte mit langen Bauzeiten müssten unabhängig von politischen Entscheidungen umgesetzt werden. Eine Aufteilung der gebündelten Maßnahmen auf viele Jahre widerspreche dem Zustand der Anlagen und führe zu langfristigen Beeinträchtigungen des Schienenverkehrs.
Der SPNV-Nord ist der gesetzlich bestimmte Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr im nördlichen Rheinland-Pfalz. Er bestellt und organisiert Nahverkehrsleistungen, plant und finanziert ergänzende Buslinien und bündelt die Interessen von Städten, Landkreisen und Land. (PM/Red)
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