Buchtipp: "Die Poesie ist (k)ein Spiel" - Gedichte von Manuela Lowak
Von Helmi Tischler-Venter
Manuela Lowak wurde 1959 in Wissen geboren. Sie war lange Jahre für NGOs und Organisationen mit bildungspolitischem Auftrag sowie in Projekten der internationalen Zusammenarbeit aktiv. Aus ihrem großen vierzigjährigen Erfahrungsschatz sind die 88 Gedichte, Aphorismen, Sonette, Haikus und Reime gespeist. Die Autorin lebt nun mit ihrem Mann Ekkehard Höfer, der einige Bilder zu dem Buch beisteuert, in Linz.
Linz. Lowaks Themen sind – wie zu erwarten in poetischen Texten – Liebe, Hoffnung, Glaube, Freundschaft und Schönheit der Natur. Doch sie analysiert auch mit kritischem Blick politische Ereignisse und philosophische Fragen. Vor Stellungnahmen scheut sie nicht zurück und nutzt die Kraft der Sprache.
Inspiriert von Friedhelm Zöllners Holzskulptur „PEACE“ ist „FRIEDEN“: Frieden ist mehr als eine Geste – Frieden ist eine Saat, die in den Herzen der Menschen aufgehen muss, damit sie von den Völkern geerntet werden kann.
Wortgewaltig und lautmalerisch schwebt „DIE TÄNZERIN“:
Ausdruck, Beweglichkeit, Grazie und Stil, auf der Bühne zeigt sie Perfektion und Gefühl. Was mit Noten allein nicht gesagt werden kann, offenbart sie uns tanzend zu Rhythmus und Klang.
Wie sie trippelt und schwebt,
wie sie springt und sich dreht,
kaum den Boden berührt,
wie von Engeln geführt.
Ausdauer, Wille, Vertrauen und Kraft – nur die Übung verhilft der Begabung zur Macht. Was nur einmal probiert, nicht beharrlich trainiert, bliebe hölzern und hohl, nicht vom Geist inspiriert.
Wie sie trippelt und schwebt,
wie sie springt und sich dreht,
kaum den Boden berührt,
wie von Engeln geführt.
Stürze, Verletzungen, Schmerzen und Qual, nicht vergessen die zehntausend Stunden im Saal. Tief im Inneren regt sich zuweilen das Kind, möchte frei sein im Tanz wie ein Vogel im Wind.
Wie sie trippelt und schwebt,
wie sie springt und sich dreht,
kaum den Boden berührt,
wie von Engeln geführt.
Stakkatoartig knapp und brutal klingt dagegen „SOMMER 76“:
Explosion in einem Chemiewerk in Seveso – Blutige Unruhen in Soweto – Erdbeben in Nordchina mit 650.000 Toten…
Der Asphalt klebt
Unter den Clogs – es riecht
Nach Chlor und Fritten
Versöhnlich und leicht klingt „HERBST“:
Das fahlgelbe Blatt –
es winkt mir noch freundlich zu,
bevor es fällt.
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Macht paariges Zusammenleben gleichgültig oder defätistisch?
„ER und SIE“:
Einst flüsterte sie ihm ins Ohr:
„Du gibst mir so viel“ und nahm –
ohne zu fragen.
Heute wirft sie ihm vor:
„Du gibst zu viel aus“ und grollt –
ohne zu ahnen,
dass er sich schon längst
verabschiedet hat.
Ein wohldurchdachtes Gebet lautet: „MUTTER UNSER“:
Wo bist du?
Vergessen ist dein Name,
dein Reich ist vergangen.
Es war der Himmel auf Erden.
Dein Segen war unser tägliches Brot.
Und du gabst uns keine Schuld.
Denn wir wussten noch nicht, was Sünde ist.
Und du führtest uns nicht in Versuchung.
Denn der Teufel war noch ein Engel.
Denn dein war das Reich des Friedens
Und die Kraft der Weisheit
Und die Herrlichkeit der Liebe.
Vor langer Zeit –
Als der Teufel noch ein Engel war.
Aktueller denn je – und wie die Autorin schreibt, gab es in den letzten Jahren sehr viele Anlässe, um dieses Gedicht zu schreiben: „GEFANGENE im Echoraum des Rechtspopulismus“:
Gefangene sind sie im Verlies ihrer Verblendung, und im Käfig ihrer Ignoranz machen sie es sich bequem.
Ihre Intoleranz gleicht einem Gefängnis mit hohen Mauern – noch höher aber ist der Turm ihrer Selbstgerechtigkeit.
Ihr krankes Selbstwertgefühl ist ein eifriger Folterknecht, und aus dem Kerker des Fanatismus gibt es kaum ein Entrinnen.
Die Schlüssel zur Freiheit heißen: Vernunft, Toleranz und Friedfertigkeit. Wo haben wir sie nur verloren?
Das Taschenbuch ist erschienen bei BoD (Books on Demand), ISBN 9783758371431. Weitere Informationen zu Manuela Lowak finden Sie auf ihrer Homepage www.manuela-lowak.de.
htv
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