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Nachricht vom 12.09.2026    

21 Jahre, keine Noten, pure Leidenschaft: Jan Liebermann begeistert Marienstatt

Wer sich am Freitagabend auf den Weg nach Marienstatt gemacht hatte, erlebte beim zweiten Konzert des Orgeltriduums einen Abend voller Energie, Leidenschaft und außergewöhnlicher Virtuosität. Jan Liebermann aus München nahm an der großen Rieger-Orgel der Abteikirche Platz – ohne einen einzigen Notenzettel.

Jan Liebermann gastierte in Marienstatt. Foto: Wolfgang Tischler

Marienstatt. Sein anspruchsvolles Programm mit Werken von Bach, Widor, Mendelssohn Bartholdy, Vierne und Liszt spielte der erst 21-Jährige vollständig auswendig. Schon vor dem ersten Ton nahm Liebermann sein Publikum mit in den bevorstehenden Konzertabend. Elegant gekleidet trat er vor die Zuhörer und erläuterte sein Programm, das keineswegs zufällig entstanden war. Die Stücke hatte er gezielt auf die Marienstätter Orgel und deren Möglichkeiten abgestimmt. Er wollte zeigen, was dieses Instrument kann – und seine unterschiedlichen Klangfarben und Facetten voll ausschöpfen.

Schon mit den ersten Stücken wurde deutlich, mit welcher Intensität Liebermann spielte. Ruhige Passagen ließ er fein und leicht entstehen, um im nächsten Moment die ganze Kraft der Orgel freizusetzen. Besonders in den schnellen Passagen war sein Spiel kaum zu fassen: In atemberaubendem Tempo bewegten sich seine Hände über die Manuale, während seine Füße gleichzeitig über die Pedale arbeiteten. Hände und Füße schienen vollkommen unabhängig voneinander und doch exakt aufeinander abgestimmt zu sein. Was hochkonzentrierte körperliche und musikalische Arbeit sein musste, wirkte bei Liebermann erstaunlich selbstverständlich.

Dabei entstand immer wieder der Eindruck, dass Liebermann die Orgel nicht einfach nur spielte. Er schien sich vollständig auf das Instrument einzulassen. Wer die Augen schloss, konnte sich beinahe einen Tanz vorstellen, der sich durch den Kirchenraum bewegte – mit Liebermann und der Orgel als Tanzpartnern. Kraft und Tempo wechselten mit leisen Momenten, Energie mit Melancholie. Besonders bemerkenswert war dabei, wie viel Lebensfreude und Leidenschaft der junge Organist selbst in die gewaltigen und technisch anspruchsvollen Passagen legte.

Unterstützt wurde die Wirkung der Musik durch die Illuminationen im Hochchor. Je nach Stück und Stimmung wechselten die Farben und tauchten die Abteikirche in unterschiedliches Licht. Gerade in Verbindung mit den ruhigeren Passagen entstand dadurch eine besondere Atmosphäre.



Auch musikalisch lebte der Abend von diesen Gegensätzen. Mal erklangen feine, fast träumerische Töne, dann wieder entfaltete die Orgel ihre ganze Kraft. Besonders eindrücklich war Louis Viernes „Clair de lune“. Liebermann wechselte innerhalb des ausgedehnten Werkes immer wieder zwischen leisen, melancholischen und kraftvollen Passagen und ließ die unterschiedlichen Klangfarben der Orgel wirken. Inzwischen war es draußen dunkel geworden – genau die Atmosphäre, die er sich für dieses Stück gewünscht hatte. Gemeinsam mit den Illuminationen im Hochchor bekam die Musik noch einmal eine ganz eigene Wirkung.

Dass Liebermann ein solches Programm vollständig auswendig spielt, ist für ihn keineswegs ungewöhnlich. Der erst 21-Jährige ist bereits mehrfacher nationaler und internationaler Preisträger und konzertierte unter anderem in der Berliner Philharmonie. Für Aufsehen sorgte er 2024, als er alle sechs Triosonaten Johann Sebastian Bachs auswendig aufführte.

Nach dem Konzert blieb der junge Organist noch in Marienstatt. Seine Debüt-CD hatte er mitgebracht, verkaufte und signierte sie persönlich für die Besucher – und bot damit nach dem Konzert noch Gelegenheit zur persönlichen Begegnung.

Mit diesem energiegeladenen Abend ist das Orgeltriduum bislang nicht zu Ende. Bereits am Sonntag, 13. September, um 15.15 Uhr folgt das dritte und letzte Konzert in der Abteikirche Marienstatt. Dann nehmen Ute Gremmel-Geuchen und Heinz-Peter Kortmann gemeinsam an der Orgel Platz – unter dem Motto „mit vier Händen und vier Füßen“. Tanja Tischler


Mehr dazu:   Veranstaltungsrückblicke  
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