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Pressemitteilung vom 31.07.2026    

Krise im Obstbau: Forderung nach politischer Unterstützung

Die heimischen Obstbaubetriebe stehen unter erheblichem Druck. Die Bundesfachgruppe Obstbau hat einen dringenden Appell an die Politik gerichtet, um auf die existenziellen Herausforderungen der Branche aufmerksam zu machen.

Symbolbild. (Quelle: Pixabay)

Koblenz. "Wollen wir in Deutschland überhaupt noch heimisches Obst?" Mit dieser provokanten Frage wendet sich die Bundesfachgruppe Obstbau im Bundesausschuss Obst und Gemüse in einem Brandbrief an die Landesregierungen sowie an Mitglieder des Deutschen Bundestages und der Landtage. Der Appell wurde von 17 Landes- und Fachgruppen unterzeichnet, darunter auch Tim Kirch, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Obstbau im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau.

Die Botschaft ist klar: Ohne grundlegende politische Veränderungen verliert der heimische Obstbau weiter an Wettbewerbsfähigkeit. Darunter leiden nicht nur zahlreiche Familienbetriebe, sondern auch die regionale Versorgung mit Obst, Arbeitsplätze und die Wertschöpfung im ländlichen Raum. Obwohl deutsche Obstbaubetriebe hochwertiges Obst unter hohen Umwelt-, Qualitäts- und Sozialstandards erzeugen und kontinuierlich in nachhaltige Produktionsverfahren investieren, lassen sich die Erzeugnisse vielfach nicht mehr kostendeckend vermarkten. Gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck durch preisgünstige Importe aus Ländern mit deutlich niedrigeren Produktionskosten.

Jeden zweiten Tag schließt ein Obstbauer
Nach Angaben der Bundesfachgruppe gibt inzwischen alle zwei Tage ein Obstbaubetrieb seine Produktion auf. Hauptursache sind die stark gestiegenen Produktionskosten. Besonders ins Gewicht fallen die Personalkosten, die im Obstbau bis zu 60 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Seit 2021 sei der gesetzliche Mindestlohn um mehr als 46 Prozent gestiegen, bis 2027 werde sich der Anstieg auf über 53 Prozent summieren. Deutsche Betriebe müssten diese Kosten tragen, während sie mit Importware aus Ländern mit deutlich niedrigeren Löhnen konkurrierten. Zusätzlich verschärften der zunehmende Mangel an Saisonarbeitskräften, erschwerte Beschäftigungsmöglichkeiten für Arbeitskräfte aus Drittstaaten, fehlende Rechtssicherheit bei kurzfristigen Beschäftigungen sowie der Wegfall etlicher Pflanzenschutzmittel die wirtschaftliche Lage der Betriebe.



Forderungen an den Gesetzgeber
Vor diesem Hintergrund fordert die Bundesfachgruppe drei zentrale Maßnahmen. Erstens soll die Wettbewerbsfähigkeit arbeitsintensiver Sonderkulturen gestärkt werden. Vorgeschlagen wird ein 20-prozentiger Abschlag auf den gesetzlichen Mindestlohn für landwirtschaftliche Saisonarbeitskräfte bei gleichzeitiger Einführung einer verbindlichen Lohnuntergrenze von 13,90 Euro pro Stunde. Diese Forderung basiert auf einem Gutachten des Lehrstuhls für Arbeitsrecht der Universität Tübingen, das der Deutsche Bauernverband in Auftrag gegeben hat. Zweitens fordert die Branche unbürokratische und rechtssichere Verfahren für die Gewinnung von Saisonarbeitskräften aus Drittstaaten. Drittens seien eindeutige gesetzliche Regelungen für kurzfristige Beschäftigungen erforderlich, um Betrieben Planungssicherheit zu geben und Investitionen zu ermöglichen.

"Es geht um die Zukunft des heimischen Obstbaus und die Frage, welchen Stellenwert regional erzeugte Lebensmittel künftig in Deutschland haben sollen", betont Tim Kirch. Wer regionale Versorgung, kurze Transportwege und hohe Produktionsstandards erhalten wolle, müsse den Betrieben wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen bieten. Nur so könnten Obstbaubetriebe weiter investieren, Arbeitsplätze sichern und jungen Hofnachfolgern eine Perspektive geben. Andernfalls drohe Deutschland zunehmend von Obstimporten abhängig zu werden. (PM/Red)


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