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Nachricht vom 28.07.2026    

Hitzewelle im Klassenzimmer: Maßnahmen und Forderungen in Rheinland-Pfalz

Kinder leiden stark unter Hitze. Was Schulträger unternehmen, Schüler- und Lehrervertreter fordern - und wie sinnvoll andere Ferien wären.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Rheinland-Pfalz. Die nächste Hitzewelle sagt sich an und schon bald sind die Sommerferien in Rheinland-Pfalz zu Ende. Der erste Schultag am Montag, 10. August 2026, liegt mitten im Hochsommer. Es könnte also so weitergehen, wie es vor den Ferien aufgehört hat: mit überhitzten Klassenzimmern.

Zwar haben Schulen und Kitas mit Sonnenschutzfolien, Trinkwasserspendern, Bäumen oder Sonnensegeln für etwas Abhilfe gesorgt, auch mithilfe des kommunalen Investitionsprogramms für Klimaschutz und Innovation. Für wiederkehrende, anhaltende Hitzeperioden reicht das aber oft nicht. Klimaanlagen in Schulgebäuden und Kitas sind weiter eine Ausnahme.

Keine allgemeinen Regeln, die werden aber gefordert
Allgemeine Regeln für hitzefrei oder dem Umgang mit Temperaturen von 30 Grad Celsius und mehr in Schulen und Kindertagesstätten gibt es in Rheinland-Pfalz nicht, wohl aber Handreichungen mit Tipps. "Weil die klimatischen und räumlichen Bedingungen vor Ort sehr unterschiedlich sind, entscheiden grundsätzlich die Schulleiter selbst, ob der Unterricht in einzelnen Fach- und Klassenräumen noch zumutbar und durchführbar ist", heißt es im Bildungsministerium. Dies gelte auch für die Erlaubnis, im Unterricht zu trinken.

Bei den berufsbildenden Schulen müsse bedacht werden, dass für deren unterschiedliche Formen nicht immer die gleichen Maßnahmen sinnvoll seien, sagt Harry Wunschel, Vorsitzender des Verbands der Lehrer an berufsbildenden Schulen Rheinland-Pfalz. Während im vollschulischen Bereich kürzerer Unterricht oder gar Online-Unterricht eine Alternative sein könnten, sei dies an Berufsschulen nicht zielführend. Dort würden Auszubildende von der "überheißen Schule" direkt in den "überheißen Betrieb" wechseln. Das sei nicht nur im gewerblich-technischen Bereich eine zusätzliche Belastung.

Online-Unterricht sei in Vollzeitbildungsgängen wie Beruflichen Gymnasien oder Fachschulen denkbar, nicht jedoch in Klassen des Berufsvorbereitungsjahres oder Berufsfachschulen.

Der Verband wünscht sich von Schulleitungen etwas mehr Mut, passende organisatorische Maßnahmen umzusetzen. Zumindest in Rheinland-Pfalz hätten Schulleitungen die Möglichkeit, selbst über Maßnahmen bei hohen Temperaturen zu entscheiden, sagt Wunschel.

Schülervertretung: Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme
Ihm zufolge waren an den Hitzetagen vor den Sommerferien 30 Grad und mehr in Klassenzimmern eher Standard als Ausnahme. Sein Verband wünscht sich neben langfristigen baulichen Maßnahmen auch Sofortmaßnahmen. Das fange beim Aufstellen von Ventilatoren ab 26 Grad an, auch über Wasserspender für Schüler sowie Lehrkräfte solle nachgedacht werden. In besonders von Hitze betroffenen Räumen - in einigen seien gar 41 Grad gemessen worden - seien auch mobile Klimageräte erforderlich.

Die Landesschülervertretung hat nach eigenen Angaben von vielen Schülern zurückgemeldet bekommen, dass konzentriertes Lernen in überhitzten Räumen zeitweise kaum noch möglich gewesen sei. "Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten waren für viele keine Ausnahme", hieß es. "Deshalb ist für uns klar: Hitze an Schulen ist kein Komfortproblem, sondern ein Bildungs- und Gesundheitsproblem."

Elternbeirat: Es gibt kein einheitliches Schutzniveau
Der Regionalelternbeirat Trier berichtet, dass einzelne Eltern vor allem bei jüngeren oder gesundheitlich vorbelasteten Kindern entschieden hätten, sie an sehr heißen Tagen nicht oder nur zeitweise zur Schule zu schicken. Grund sei auch, dass es keine einheitlichen, verbindlichen Hitzefrei-Kriterien gebe, auf die sie sich hätten verlassen könnten, teilte ein Sprecher mit.




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Genau diese Rechtsunsicherheit für Eltern und Schulen sei einer der Gründe, warum man auf ein landesweit verbindliches Modell dränge. Es gebe im Land keine Richtlinie mit festen Temperaturschwellen und Handlungsanweisungen. Schulleitungen entschieden in eigener Zuständigkeit, wie und ob sie reagierten. "Das führt zu sehr unterschiedlichen Situationen von Schule zu Schule statt zu einem einheitlichen Schutzniveau", hieß es.

Es geht auch um Bildungsgerechtigkeit
Die Landesschülervertretung beobachtet ebenfalls, dass Schulen sehr unterschiedlich mit Hitze umgehen. Einige reagierten flexibel, führten etwa Trinkpausen ein oder passten Stundenpläne an, andere nicht. Es sollte aber nicht so sein, dass es vom Schulgebäude oder von Entscheidungen vor Ort abhänge, unter welchen Bedingungen gelernt werde.

Die Landesschülervertretung tritt ebenfalls für verbindliche einheitliche Regelungen ein, ebenso die Lehrergewerkschaften GEW und der Verband Bildung und Erziehung (VBE). "Wir brauchen dringend verbindliche Standards statt Improvisation", betonte VBE-Landeschef Lars Lamowski schon im Juni. "Hitzeschutz ist kein Privileg, sondern eine Frage des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sowie der Bildungsgerechtigkeit."

Land, Kommunen und Träger müssten klare Verantwortlichkeiten, abgestufte Maßnahmen und Verfahren für besonders heiße Tage festlegen, verlangt die GEW. Hitze in Schulen und Kitas sei längst kein vereinzeltes Sommerproblem mehr, sondern "eine wiederkehrende Belastung für Kinder und Beschäftigte."

Vor dem Schulstart nachts lüften
Was tut sich konkret bei den Schulträgern? Beispiel Mainz: Neben langfristigen baulichen Verbesserungen der Schulgebäude setzt die Landeshauptstadt auf Verschattung, Sonnenschutzfolien, bessere Lüftungsmöglichkeiten sowie klimatisierte Busse und Straßenbahnen, wie Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) sagt. Zum Ferienende lüften viele Schulen vorzugsweise nachts, damit die Gebäude zum Schulstart möglichst kühl sind.

Beispiel Koblenz: Der Hitzeschutz an den Schulen werde je nach Standort weiterentwickelt, sagt Stadtsprecher Andreas Egenolf. Außenliegender Sonnenschutz, Verschattung und Begrünung würden bei Neubauten und Sanierungen mitgedacht. Die Wirksamkeit von Sonnenschutzfolien werde an einzelnen Schulen geprüft. "Eine flächendeckende Ausstattung der Schulen mit Klimaanlagen ist derzeit nicht geplant." Andere technische Kühlungsmöglichkeiten würden an einigen Schulen geprüft.

Beispiel Trier: Für einen Überblick zum Thema Hitzeschutz soll es dort als Nächstes eine umfassende Bestandsaufnahme an allen Schulstandorten geben. Ziel sei, vorhandene Gegebenheiten und den weiteren Handlungsbedarf systematisch zu erfassen, teilt die Stadt mit. Der Überblick solle Grundlage sein, um Maßnahmen zu priorisieren und mögliche Investitionen gezielt zu planen. Dies gelte gleichermaßen für die städtischen Kindertagesstätten.

Acht bis zehn Wochen Sommerferien statt sechs?
Würde eine Verlängerung der Sommerferien wie in Südeuropa helfen? Darauf müssten sich zunächst alle 16 Bundesländer einigen - und die anderen Ferien würden dann kürzer, heißt es im Bildungsministerium. Das hätte Nachteile wie längere Betreuungsphasen für erwerbstätige Eltern im Sommer und weniger Erholungspausen im Rest des Jahres. Und: die erste Hitzewelle war 2026 schon im Juni, der Sommer mit hohen Temperaturen kann aber bis Ende August anhalten.

So oder so, der Landesvorsitzende des Verbands der Berufsschullehrer mahnt, das wichtige Thema Hitzeschutz beziehungsweise Klimaanpassung nicht schon an den ersten kühlen Herbsttagen wieder zu vergessen. (dpa/bearbeitet durch Red)


Mehr dazu:   Kinder & Jugend  
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