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Nachricht vom 16.05.2026    

Bergbaugeschichte wird im Rathaus Gebhardshain lebendig

Von Samuel Schneider

Zur Vernissage der Jubiläumsausstellung "40 Jahre Besucherbergwerk Grube Bindweide" kamen mehr als 80 Gäste ins Rathaus Gebhardshain. Historische Fotos, künstlerische Grubenaufnahmen und Musik der Bindweider Bergkapelle machten Geschichte spürbar.

V.l.: Regina Brühl (Fotografin), Joachim Brenner (Bürgermeister der VG-Betzdorf-Gebhardshain), Udo Runnebaum (Fotograf), Alexander Weber (1. Vorsitzender der Bindweider Bergkapelle) und Joachim Weger (Beigeordneter und ehrenamtlich im Bergwerk aktiv). (Alle Fotos: Samuel Schneider)

Gebhardshain. Es war ein Abend, an dem Geschichte nicht in Vitrinen ruhte, sondern lebendig wurde: Mehr als 80 Gäste kamen am Freitagabend (15. Mai) zur Vernissage der Jubiläumsausstellung "40 Jahre Besucherbergwerk Grube Bindweide – Bergmannsdorf Steinebach im Wandel der Zeit" in den Ratssaal des Rathauses Gebhardshain.

Schon zu Beginn wurde spürbar, dass diese Ausstellung weit mehr ist als eine historische Rückschau. Sie erzählt von Herkunft, Zusammenhalt und einer bergmännischen Tradition, die Steinebach und die Region bis heute prägt. Joachim Brenner, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain, begrüßte die Gäste und würdigte die Ausstellung als eindrucksvolles Zeugnis regionaler Erinnerungskultur. Sinngemäß gab er der Vernissage den Wunsch mit auf den Weg, sie möge daran erinnern, was die Menschen in der Region verbindet: ihre Geschichten, ihre Traditionen und das Bewusstsein für eine gemeinsame Herkunft.

Heimatverbundene Note
Den feierlichen Rahmen setzte die Bindweider Bergkapelle, die zwischen den Wortbeiträgen musikalische Akzente setzte. Ihr Spiel verlieh dem Abend jene heimatverbundene Note, die kaum passender hätte sein können: Schließlich ist auch die Kapelle eng mit der bergmännischen Geschichte der Region verbunden und feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die umfangreiche Sammlung von Joachim Weger. Mehr als 200 historische Fotografien aus den 1890er-Jahren bis in die heutige Zeit dokumentieren eindrucksvoll den Wandel des Bergmannsdorfes Steinebach. Weger, Beigeordneter und ehrenamtlich im Umfeld der Grube Bindweide aktiv, dankte für das große Besucherinteresse und machte deutlich, wie viel Gemeinschaftsarbeit in dieser Schau steckt. Viele Familien hätten ihre Schränke geöffnet, alte Alben hervorgeholt und damit private Schätze für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Spannender Dialog zwischen Kunst und Geschichte
Gerade daraus gewinnt die Ausstellung ihre besondere Kraft. Sie zeigt nicht nur Gebäude, Arbeitsplätze und Ortsansichten, sondern Menschen: Gesichter aus Handwerk, Kirche, Schule, Vereinsleben und Bergbau. So entsteht ein vielschichtiges Bild eines Dorfes, dessen Identität über Generationen hinweg vom Erzbergbau mitgeprägt wurde. Weger dankte in diesem Zusammenhang auch Brenner für dessen Einsatz und Engagement rund um das Jubiläum.




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Eine besondere Erweiterung erfährt die historische Dokumentation durch die künstlerischen Fotografien von Regina Brühl und Udo Runnebaum. Ihre neueren Aufnahmen aus dem Besucherbergwerk sind im gesamten Rathaus zu sehen. Während die alten Bilder den Blick zurück öffnen, führen Brühl und Runnebaum mit Licht, Perspektive und Atmosphäre in die heutige Welt unter Tage. So entsteht ein spannungsvoller Dialog zwischen Archiv und Kunst, Erinnerung und Gegenwart, Dorfgeschichte und Grubenwelt.

Auch die Geschichte der Grube Bindweide selbst war an diesem Abend stets präsent. Ihre Anfänge reichen weit zurück. Bereits 1837 wurde das Grubenfeld „Maria an der Bindweide“ an Henry Manour aus Dillenburg verliehen, ehe der Unternehmer Theodor Stein die Grube 1853 übernahm und ihre Entwicklung entscheidend vorantrieb. Nach dem schweren Grubenunglück von 1872, bei dem durch einen Wasser- und Schlammeinbruch 14 Bergleute ums Leben kamen, ging der Grubenbesitz an den Krupp-Konzern über.

Mit der Weltwirtschaftskrise und schwierigen Abbaubedingungen endete der Betrieb Anfang der 1930er-Jahre. Rund 600 Arbeiter hatten in der Blütezeit über und unter Tage ihren Dienst getan. Danach fiel die Grube für Jahrzehnte in einen Dornröschenschlaf, ehe sie 1986 als Besucherbergwerk zu neuem Leben erwachte. Seitdem ist die Grube Bindweide nicht nur ein Erinnerungsort, sondern ein begehbarer Zugang zur Geschichte einer ganzen Region.

Greifbare Heimatgeschichte
Die Vernissage zeigte, warum diese Ausstellung weit über eine nostalgische Rückschau hinausgeht. Sie macht sichtbar, dass Geschichte nicht allein von großen Ereignissen erzählt wird, sondern von Menschen, Erinnerungen und den Spuren des Alltags. In Familienalben, Bildern aus Handwerk, Kirche, Schule und Bergbau wird Heimatgeschichte greifbar – als etwas, das nicht vergangen ist, sondern bis heute nachwirkt.

Bergwerk und Kapelle im Jubiläumsjahr
Die Jubiläumsausstellung ist rund drei Monate während der regulären Öffnungszeiten im Rathaus Gebhardshain zu sehen. Weitere Höhepunkte im Jubiläumsjahr sind die Jubiläumsveranstaltung des Besucherbergwerks am 14. Juni sowie die Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen der Bindweider Bergkapelle vom 14. bis 17. August.


Mehr dazu:   Veranstaltungsrückblicke  
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