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Nachricht vom 18.09.2021    

Aufatmen in der Event-Branche – Doch droht im Herbst neues Ungemach?

Langsam kehren sie zurück – die Veranstaltungen der Kulturbranche. Aktuell machen Open Air-Veranstaltungen allen wieder Lust auf mehr Kultur. Zusätzlich sind die finanziellen Nöte auf allen Seiten in der Branche groß. Einfallsreiche Konzepte und ein Anpassen an die moderne Welt sollen der Kultur das Überleben sichern.

Kultur ist nicht alles. Aber ohne Kultur ist alles nichts. pixabay.com © David Mark (CCO Creative Commons)

Das alltägliche Leben der meisten Menschen wird von Kultur bereichert. Ob es die Musik aus dem Radio ist, das Kunstwerk an der Wand oder der Filmgenuss am Abend – Kunst und Kultur geben dem Alltag Farbe und Würze. Doch die letzte Zeit hat von allen Menschen aus der kreativen Branche viel zusätzliche Kreativität gefordert. Live-Veranstaltungen waren mit einem Mal nicht mehr möglich und für viele Künstler und ihr Umfeld fehlte die Haupteinnahmequelle. Wenn große Menschenansammlungen nicht mehr möglich sind, entfallen Konzerte, Ausstellungen sowie Theater- und Kinobesuche. Krisen bringen Kreativität immer in Bewegung, wie auch die mannigfaltigen Wortneuschöpfungen im Sprachwort-Verzeichnis für Deutsche Sprache des Leibniz-Instituts zeigt. Neben den neuen Wörtern entstanden neue Arten der Veranstaltungen und neue Plattformen für Kultur. Einfallsreiche Konzepte bei Veranstaltungen mit vielen Menschen bleiben weiter gefragt. Denn die Sehnsucht nach Live-Kultur ist nicht nur bei den Künstlern groß, sondern auch bei den Zuschauern. Mit dem Herbst entfallen langsam, aber sicher in unseren Breitengraden die Möglichkeiten der Open Air-Veranstaltungen wie die Kulturveranstaltungen im Burggarten. Wie lässt sich Kunst dennoch weiter genießen?

Medien nutzen
Streaming ist längst nicht mehr nur ein Angebot von Streaming-Anbietern wie Netflix oder Disney+, sondern wurde auch von Orchestern, Theatern und Clubs entdeckt. Was zu Beginn der Idee gespenstisch wirkte – DJs, die in leeren Clubs auflegen, Schauspieler vor leeren Rängen -, ist doch ein sicherer Weg mit seinem Publikum in Kontakt zu bleiben. Für die Zuschauer waren die Partys und Veranstaltungen ein risikofreier Weg, Kunst in den eigenen vier Wänden zu genießen. Große Stars geben Hauskonzerte oder lassen sich bei der Arbeit beobachten – dieser neue Weg der Live-Veranstaltung wird sich auch im Herbst und Winter sicher halten.

Internationale Kunst – nur einen Klick entfernt
Ohne Ausstellungen ist es gerade für junge und noch nicht bekannte Künstler schwer. Moderne Künstler nutzen das Internet, um ihre Kunst zu zeigen und zu verkaufen. Plattformen wie http://singulart.com bieten Künstlern und Kunstliebhabern die Möglichkeit über alle nationalen Grenzen hinweg zusammenzukommen. Spannende junge Künstler haben hier die Möglichkeit, ihre Kunst international anzubieten. Kunstliebhaber können unverbindlich stöbern und sich die Kunst per Klick sogar bestellen. Sonderverkäufe beispielsweise abgestimmt auf den Arte Laguna Prize sorgen für mehr Aufmerksamkeit für aufstrebende Künstler.

Digitale Rundgänge
Museen haben die Zeit der Schließungen genutzt und ihr digitales Angebot überarbeitet. Mit Videos und digitalen Rundgängen zeigen sie ihre Ausstellungen nun auch online. Sie veranstalten Wettbewerbe, versuchen sich in Happenings und binden ihre Besucher digital anders ein.

Virtual-Reality
Neben den klassischen Streaming-Ideen gehen einige Theater noch einen Schritt weiter. Warum die Krise nicht nutzen, um das Theater in die Moderne zu bringen? Die sogenannten Virtual-Reality-Inszenierungen beispielsweise vom Staatstheater Augsburg lassen sich deutschlandweit per VR-Brille besuchen. Wer nicht mehr länger auf Ballett- oder Schauspielinszenierungen verzichten möchte, erlebt hier etwas ganz Neues. Mit einer 360-Grad-Perspektive soll der Raum digital erlebbar sein.

Hygienekonzept – Der falsche Freund?
Das neue Wort „Hygienekonzept“ aus dem Jahr 2020 begleitet unsere Gesellschaft. Mit einem entsprechenden Hygienekonzept sind Veranstaltungen vor Ort zumindest in einem eingeschränkten Rahmen möglich. Für viele Häuser ist diese Einschränkung jedoch ein wirtschaftliches Problem. Sie sind in ihrer Wirtschaftlichkeit auf die Größe des Publikums ausgelegt, was sie gewöhnlich bedienen können. Finden nun die Veranstaltungen in einem kleineren Rahmen statt, sind sie nicht rentabel für die Häuser. So sind Veranstaltungen mit einem Hygienekonzept theoretisch möglich, bringen praktisch jedoch keineswegs benötigte die finanzielle Erleichterung. Gerade kleine Häuser und alternative Bühnen wie die 66 Minutes Theater Adventures haben Probleme das umzusetzen. Denn auch wer für seine Kunst lebt, braucht Geld, um das Leben zu finanzieren. Eine Idee verschiedener Häuser sind mehrere zeitlich versetzte Veranstaltungen an einem Tag oder sie gehen ganz neue Wege wie das engagierte Team der Kulturzeit Hachenburg.

Große Wirtschaftskraft
Wirtschaftlich ist der Kulturbereich größer als er von außen aussieht. Sichtbar sind hier ausschließlich die Stars in ihren Szenen – doch hinter ihnen steht eine Vielzahl an weniger bekannten Gesichtern und unbekannten und dennoch wichtigen Jobs. In Europa arbeiten rund 7,6 Millionen Menschen in der Kulturbranche. Mehr als ein Drittel der kreativen Jobs übernehmen Freelancer und Kleinunternehmer. Der Gesamtumsatz der Kulturbranche Europas aus dem Jahr 2019 ist mit knapp 253 Milliarden Euro deutlich höher als der Umsatz aus der Telekommunikationsbranche mit 187 Milliarden Euro sowie der Automobilbranche mit 107 Milliarden Euro. Der Verlust der Kulturbranche im letzten Jahr wird mit 199 Milliarden Euro beziffert und akut gefährdet seien zwei Millionen Jobs. In Deutschland liegen die Umsatzverluste bei 22,4 Milliarden Euro, was ein Minus von 13 Prozent ist. Je nach konkreter Branche sind diese Verluste höher. Im Bereich der Darstellenden Künste liegen sie bei 85 Prozent, in der Musikbranche bei 54 Prozent und die Kunst macht einen Verlust von 51 Prozent. Mit Neustart Kultur soll hier entgegengewirkt werden.

Schwebende Frage
Bei all den aktuellen Ideen steht eine Frage unbeantwortet im Raum: Wird sich das Konsumverhalten der Menschen langfristig ändern? Sollten größere Veranstaltungen wieder möglich sein, werden sie dann genutzt oder bleibt bei den Menschen ein Unwohlsein zurück? Auch aus dem Grund ist es gut, dass die Kultur sich langfristig tragfähige neue Konzepte überlegt. Digitale Galerien vernetzen die Kunstszene und stellen gut gemacht einen unmittelbaren Kontakt zwischen Künstlern und Käufern her. Inszenierungen und Konzerte im Stream bieten eine Bühne für eine neue Art der Interaktion. Der Herbst und Winter werden den Markt noch einmal verändern. Klar ist bei all dem Einfallsreichtum jedoch: Die Branche braucht neben den Kunstbegeisterten weitere Unterstützung. Denn bisher werden nur knapp 11 Prozent öffentlich durch Finanzierung von nationalen und lokalen Regierungen gefördert. Als große Frage bleibet: Wo verorten wir unsere Kultur - ist sie bloße Freizeitbeschäftigung oder gehört sie für uns zur essenziellen Bildung? (prm)

Agentur Autor:
Manuel Seeger



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