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Nachricht vom 06.05.2021    

Wolf „GW1896m“: Acht Nutztierrisse gehen auf das Konto des Einzelgängers

Erinnerungen werden wach an das Jahr 2006, als ein „Problembär“ namens Bruno im Freistaat Bayern eine blutige Spur nach getöteten Tieren hinterließ, ehe „JJ1“, so sein wissenschaftlicher Name, erschossen wurde. Ein ähnliches Szenario beschäftigt Tierhalter in der VG Altenkirchen-Flammersfeld. „GW1896m“, einem alleine umherziehenden Wolf, werden acht Nutztierrisse nachgewiesen.

Fachgespräch in freier Natur, bei niedriger Temperatur und ohne Wolf (von links): Moritz Schmitt, Fred Jüngerich, Dr. Paul Bergweiler, Markus Mille und Josef Schwan. (Foto: vh)

Altenkirchen. Auch heimatliche Gefilde sind längst zu Territorien für Wölfe geworden. Das Leuscheider Rudel ist laut Internetplattform „forstpraxis.de“ sowohl in Rheinland-Pfalz als auch in Nordrhein-Westfalen derzeit wohl die einzige Familie und besteht aus zwei erwachsenen und fünf jungen Tieren, ein sechstes wurde von einem Auto überfahren. Indes ist es nicht dieser Clan, der eine gewisse Portion Schrecken verbreitet, sondern „GW1896m“ tritt nachweislich in der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld als derjenige auf, der sich mit Erfolg auch von Schafen ernährt. Sieben per genetischen Proben bestätigte Fälle von Nutztierrissen werden dem Einzelgänger zwischen Willroth und Helmeroth und einer in der Verbandsgemeinde Hachenburg zwischen dem 28. Februar und dem 1. Mai zugeschrieben, wie Moritz Schmitt von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz und Dr. Paul Bergweiler, Großkarnivorenbeauftragter der Landesforstverwaltung für den Norden der Kreise Altenkirchen und Neuwied, bei einer Zusammenkunft am Donnerstagvormittag (6. Mai) am Altenkirchener Bismarckturm bestätigten.

Tier ist ganz schön umtriebig

„Das Thema ist hochgekocht“, nannte Altenkirchens Bürgermeister Fred Jüngerich den Grund für das Treffen mit den Experten, „wir möchten sachklärende Arbeit betreiben und helfen, den Austausch auf fachlicher Ebene voranzubringen.“ Für ihn sei das gleichfalls ein Aspekt der Wirtschaftsförderung, „denn die Landwirtschaft gehört dazu“. Auf der anderen Seite dürfe der Artenschutz jedoch nicht außer Acht gelassen werden. So soll die Problematik im Juni Thema einer Info-Veranstaltung in der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld werden. Wie umtriebig „GW1896m“ ist, beschrieb Schmitt und zeichnete den Weg des „Grenzgängers, dessen Herkunft ungeklärt ist“, mit bewiesenen Stationen in Bayern, Freiburg, an der Mosel oder in Nordrhein-Westfalen nach.

„Ministerium in einem Tiefschlaf“

Josef Schwan als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes und Markus Mille, Geschäftsführer der Kreisbauernverbände Altenkirchen, Neuwied und des Westerwaldkreises, kritisierten das Mainzer Umweltministerium. „Es dauert zu lange, bis etwas passiert“, bemerkte Schwan, der die Wege von der Basis bis in die höchsten Gremien und umgekehrt als in der Dauer zu langwierig beschrieb. Er forderte einen „Runden Tisch“, um die Lage vor Ort zu beleuchten und eine Lösung zu erarbeiten. Mille, vom „Ministerium, das in einem Tiefschlaf ist, extrem enttäuscht“, berichtete, dass die regionale Organisation darauf aufmerksam gemacht habe, wie Nutztierhalter „in dem von uns vorgegebenen Rahmen“ zu handeln hätten. „Wir sind mit den Rahmenbedingungen nicht zufrieden. Die Lasten liegen zu einseitig bei den Tierhaltern“, fügte er an, „es muss etwas geschehen“. Schmitt hielt dagegen, dass schon 140 Tierhalter im Kreis Altenkirchen gefördert worden seien, in ganz Rheinland-Pfalz 440.




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Richtige Sicherung wichtig

Darüber hinaus machte Schmitt deutlich, dass es dem Wolf bei dessen Beutezug oft zu leicht gemacht werde, weil der Herdenschutz, besonders bei kleinen oder kleinsten Beständen in privater Hand - im Gegensatz zu denen von Berufsschäfern -, nicht den Erfordernissen entspreche. So müsse auf Unterwühlsicherheit geachtet werden, denn selten überspringe der Wolf ein eingrenzendes Hindernis. Inzwischen hat sich laut der Naturschutzorganisation WWF in der Schafhaltung der Einsatz von Euronetzen mit einer Mindesthöhe von 90 Zentimetern durchgesetzt, die über eine angemessene Stromversorgung (mindestens 3500 Volt) verfügen müssen. Hin und wieder sind Herdenschutzhunde mit von der Partie, deren Mitwirken laut Schmitt nur Sinn mache, wenn mindestens 100 Tiere überwacht werden müssen. Bleibt „GW1896m“ der Region erhalten (und verdrückt sich nicht wieder), muss zudem über eine „Entnahme“, also einen Abschuss, beraten werden. Vorausgehen könnte eine Betäubung mit inkludierter Blutentnahme (für DNA-Proben) und eine Ausstattung mit einem Sender, um bei weiteren Nutztierrissen den genauen Standort für eine Tötung zu erhalten.

Wildtiere sind die Hauptspeise

In erster Linie ernährt sich ein Wolf nach Auskunft Bergweilers zu 99 Prozent von Wildtieren, mit denen die Region gut gesegnet ist. Von dem übrig bleibenden einen Prozent entfallen 90 Prozent (!) auf Schafe und bis zu 5 Prozent auf Großviehnachwuchs wie Kälber, die in den ersten beiden Monaten nach der Geburt besonders gefährdet für eine Attacke von Meister Isegrim sind. Es handelt sich also immer um kleine Paarhufer, die er mit einem Biss in die Kehle tötet. Führend bei der Auswertung von DNA-Proben (auch mittels Kot), mit denen die Existenz eines dieser Raubtiere in einem Gebiet oder ein Nutztierriss einem bestimmten Wolf zugeordnet werden können, ist das Senckenberg-Zentrum für Wildtiergenetik in Gelnhausen (bei Frankfurt). Es dauert zwischen zehn Tagen und drei bis vier Wochen, bis ein Resultat vorliegt. Das Territorium eines Wolfsrudels beträgt zwischen 250 und 350 Quadratkilometer; zum Vergleich: Die Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld misst 230 Quadratkilometer. (vh)


Mehr dazu:   Wolf  
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