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Kultur
Wandertipp: Skulpturenweg im Gelbachtal
Wandern und Kunst bilden seit jeher ein kongruentes kulturelles Paar, daher führen viele Wanderwege an künstlerischen Sehenswürdigkeiten entlang. Der Höhenweg in der Gemarkung Reckenthal - nach eigener Einschätzung „klein aber fein“ - südlich von Montabaur wird von sehenswerten Holz-Skulpturen flankiert.
Harmonisch passen sich die Holzskulpturen der Umgebung an. Fotos: Helmi Tischler-VenterReckenthal. Die meisten Skulpturen dieser Freiluftausstellung wurden von der in Höhr-Grenzhausen beheimateten renommierten Künstlerin Simone Carole Levy gestaltet. Im Rahmen von Holzbildhauer-Symposien in den Jahren 2009, 2010 und 2011 beteiligten sich internationale Künstler mit Motor-Kettensägen an weiteren Werken. Die Namen des Schöpfers, des Sponsoren und der Titel des Werks sind auf Metalltafeln jeweils daneben erläutert. Die Tafeln erweisen sich als haltbarer als die hölzernen Kunstwerke, an denen der berühmte Westerwaldwind und Regen kontinuierlich arbeiten, daher sind einige Holzbilder zur Renovierung abgebaut.

Die Skulpturen fügen sich harmonisch in die Landschaft ein und wirken oft wie natürlich gewachsen. Eine Vielzahl von Hochsitzen unterschiedlicher Bauart wirken von weitem ebenfalls wie eine Skulptur. Im Lauf der Jahre wurde der Rundwanderweg der Holzbildhauer-Kunst von Reckenthal über die Stadteile Wirzenborn und Bladernheim weitergeführt.

Neben dem Reiterhof des Initiators Herbert Fischer im Eichenweg über Reckenthal kann der Wanderer auf einer Informationstafel die Streckenführung erkennen. Man hat die Auswahl zwischen dem mit 7,5 Kilometern kleinen Rundweg über Wirzenborn oder dem etwa 14 Kilometer langen Rundweg, der Bladernheim einbezieht. Man wandert dabei immer eine Hälfte des Wegs auf der Höhe und den anderen Teil entlang des Gelbachs im Tal. Eine stilisierte Skulptur bildet das Logo des Wanderwegs. Allerdings erwies sich die Beschilderung auf dem Höhenweg als lückenhaft oder erschloss sich dem ortsfremden Wanderer nicht überall eindeutig. Einige zusätzliche Richtungspfeile hätten Irrungen vermeiden können. Am Gelbach vereint sich der Skulpturenweg mit anderen überregionalen Wanderwegen, dort ist die Orientierung einfacher.

Vom Höhenweg über Reckenthal hat man tatsächlich einen Fernblick auf das markante gelbe Schloss Montabaur. Meist bietet sich die typische Mittelgebirgsstruktur mit bewaldeten Höhen und bewohnten Tälern dar. Auf dem Hochplateau brummte es, denn Felder, Obstbäume und Kräuter schaffen zahlreichen Insekten eine Heimstatt, Misch- und Laubwälder spenden an heißen Tagen angenehmen Schatten. Hin und wieder unterbrach sanftes Motorengebrumm durch Motorsegler vom nahen Flugplatz die wohltuende Stille.

„Wenn Natur und Technik im Gleichgewicht bleiben, ist Fortschritt und Regeneration gewährleistet“ erläutert der polnische Bildhauer Piotr Zbrozek seine Lärche-Skulptur „Gras“. Der sächsische Kettensägenkünstler Jörg Bäßler lässt einen kolorierten Till Eulenspiegel aus Eiche über den Westerwald grinsen. „Communication“ stellt Agnessa Ivanova Petrova aus Bulgarien in einer zweiteiligen gekerbten Eiche-Skulptur dar. Einen „Weckruf“ mit Glöckchen gestaltete Simone Carole Levy, ihr „Waldgeist“ beschaut den Besucher, der an dieser Stelle ein Stockwerk über dem parallel dahinplätschernden Gelbach unter Buchen wandert.

Wer sich rundum intensiv mit den vielfältigen Skulpturen auseinandersetzen will, sollte viel Zeit mitbringen. Wer zügig wandern will, wird sich an den schönen Wegmarken erfreuen. Die Wege sind gepflegt und gut begehbar mit einer ausreichenden Anzahl Sitzbänken und Mülleimern. In Bladernheim und Wirzenborn hat man die Möglichkeit einzukehren.

Insgesamt bietet der Skulpturenweg im Gelbachtal einen geistig und körperlich anregenden Wandertag vor der Haustür. htv
Nachricht vom 16.07.2017 www.ww-kurier.de