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Kultur
Buchgeschichtliche Zeitreise mit antiquarischen Kostbarkeiten
In einer Zeitreise parallel zur Ersterwähnung von Rennerod vor 800 Jahren präsentierte der Frankfurter Bibliothekar Hans Eckert in "Sims Werkstatt" die Schriftkultur des frühen Mittelalters, die Erfindung des Buchdrucks seit Johannes Gutenberg und die daraus sich entwickelnde Vervielfältigung der Druckerzeugnisse und demonstrierte anschaulich welch enorme kulturelle Vielfalt im geschriebenen und gedruckten Wort liegt.
Hans Eckert im Antiquariat Lang. Fotos: VeranstalterRennerod. Kaum ein Druckerzeugnis in der Entwicklung des Buches ist mit der Gutenberg-Bibel vergleichbar und dennoch gab es in den zurückliegenden acht Jahrhunderten immer wieder auch Weiterentwicklungen im Schriftbild, bei der Papierherstellung und im Variationsreichtum der Bucheinbände - so könnte das Fazit des Themenabends im Kunstkabinett der Buchhandlung Lang in Rennerod lauten.

Hans Eckert, Bibliothekar an der Senckenbergischen Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, dokumentierte mit einem erlesenen Fundus mitgebrachter Exponate zur Schrift- und Buchkultur sehr authentisch und unterhaltsam, dass sich diese These angesichts der heute oft lieblos gedruckten "Wegwerf-Publikationen" leicht bestätigen lässt. Reihum gingen zur Demonstration unterschiedliche Pergamentseiten, Blei- und Holzlettern, Winkelhaken, Druckstöcke und sogar der Satz einer komplett handgesetzten Buchseite. Holzschnitte, Kupferstiche und Klischees, ja sogar ein schwerer Lithostein zeigte augenfällig die Entwicklung der gedruckten Kommunikation in all ihren Facetten.

Sehr aufmerksam, interessiert und fasziniert verfolgten die Teilnehmer den Ausführungen des Bibliothekars am Beispiel eines gedruckten Originals von Nicolas Jenson in Venedig (1478) bis hin zu einer spätbarocken Klassiker-Ausgabe von John Baskerville aus dem späten 18. Jahrhundert. Weitere Exponate aus dem Antiquariat Lang, so ein Doppelblatt eines flämischen Schreibmeisters mit farbenprächtigen Initialen und reicher Blattvergoldung auf Pergament aus einem sogenannten "Stundenbuch", das in der Mitte des 15. Jahrhunderts handgeschrieben wurde und Teile der Bußpsalmen und der Heiligenlitanei zum Inhalt hat, ergänzten die Präsentation. Im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar wurde dies anschaulich durch eine faksimilierte Seite der Gutenbergbibel im Vergleich mit einer mittelalterlichen Klosterhandschrift. "Da bekommt man ja Gänsehaut" war die spontane Reaktion eines Besuchers, nachdem er diese alte Original-Handschrift in den Händen hielt!

Welche technischen Entwicklungen, welche Materialvielfalt und welche Gestaltungsformen es in der Buchgeschichte gab, spiegelte sich im Holzschnitt von Virgil Solis bis hin zu der illustrierten Ausgabe der Metamorphosen Ovids von 1579. Sehr gut dokumentierte ein noch nicht fertig gebundenes Buch aus dem 17. Jahrhundert die Zusammenstellung der einzelnen Lagen zum Buchblock. Ein seltenes "Hexen-Buch" aus der Feder eines Trierer Weihbischofs und heute Teil der privaten Büchersammlung des Antiquariat Langs, mahnte die Zuhörer an die "dunklen Seiten" des Mittelalters - in Rennerod durch die "Hexenbäume" am früheren Bahnhof bis in die Gegenwart immer noch sichtbar.

Die zahlreichen Druckerzeugnisse erzählten ihre Geschichten und Schicksale wie von selbst und der Vortrag gestaltete sich im Laufe des Abends zu einer regen Interaktion zwischen Zuhörern und dem Bibliothekar. Hans Eckert griff die Fragen und Anregungen sehr gerne auf und nahm sie mit auf in seine buchgeschichtliche Zeitreise. Als kleines Präsent und vielleicht den Beginn einer eigenen Büchersammlung durfte sich jeder Teilnehmer noch ein Schriftmusterbuch der Druckerei Weisbecker in Frankfurt mitnehmen. Der Dank und respektvolle Applaus für einen engagierten Vortrag war Hans Eckert am Ende sicher. Der große Zuspruch und das Interesse um das Wissen des Buches, dessen Seltenheit und Schönheit erfreute und wird eine Fortsetzung dieser Reihe im nächsten Jahr garantieren.
Nachricht vom 17.05.2017 www.ww-kurier.de