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Nachricht vom 13.09.2018 - 12:35 Uhr    

Wenn Inklusion zum Motor für Unternehmen wird

Behinderte Menschen können ein Gewinn für viele Firmen sein: Das Westerwälder Forum Wirtschaftsethik hatte im Schloss Montabaur zu einem Abend mit dem Titel „Inklusive Unternehmen – Mehrwert und mehr wert“ eingeladen. Währenddessen erlebten rund 50 Vertreter aus Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche, wie erfolgreiches Wirtschaften und ethisches Handeln gelingen kann. Zum Beispiel mit alten Computern.

Das Westerwälder Forum Wirtschaftsethik hatte im Schloss Montabaur zu einem Abend mit dem Titel „Inklusive Unternehmen – Mehrwert und mehr wert“ eingeladen. (Foto: Evangelisches Dekanat Westerwald)

Montabaur. Wirtschaft und ethisches Handeln haben oft nur wenig miteinander zu tun. Zumindest lassen das die Arbeitsmarktstatistiken vermuten: Von den 7,6 Millionen erwerbsfähigen schwerbehinderten Menschen hat nicht einmal die Hälfte einem Job. Und das, obwohl beispielsweise die Arbeitslosigkeit im Westerwald mit nur 2,7 Prozent auf einem historischen Tiefstand ist. Der Aufschwung scheint an diesen Menschen also vorbeigegangen zu sein. Doch es geht auch anders. Das Westerwälder Forum Wirtschaftsethik hat im Schloss Montabaur zu einem Abend mit dem Titel „Inklusive Unternehmen – Mehrwert und mehr wert“ eingeladen. Währenddessen erlebten rund 50 Vertreter aus Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche, wie erfolgreiches Wirtschaften und ethisches Handeln gelingen kann. Zum Beispiel mit alten Computern. Das Forum Wirtschaftsethik ist eine Initiative des Evangelischen Dekanats Westerwald, der IHK Koblenz (Geschäftsstelle Montabaur), der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Westerwaldkreis mbH, der Kreishandwerkerschaft Rhein-Westerwald und der Katholischen Erwachsenenbildung. Es widmet sich gesellschaftlich relevanten Fragen im wirtschaftlichen Kontext.

Ressourcenschonend und erfolgreich
Die Geschäftsidee von Paul Cvilak ist einfach: Sein Unternehmen AfB kauft ausrangierte Rechner von Unternehmen auf, löscht zuverlässig die darauf enthaltenen Daten, arbeitet die Computer auf und verkauft sie weiter. Damit handelt das 2004 gegründete gemeinnützige Unternehmen nicht nur ressourcenschonend, sondern ausgesprochen erfolgreich: Es hat Niederlassungen in Deutschland, Österreich, Frankreich, der Schweiz, verarbeitete pro Jahr 300.000 Rechner und beschäftigt 350 Angestellte. Das Besondere: Fast die Hälfte der Mitarbeiter ist behindert. „Das Aufarbeiten der Rechner hat oft etwas Monotones, bei dem Menschen ohne Behinderung Fehler machen. Männer und Frauen mit Handicap machen seltener Fehler und sitzen jeden Tag aufs Neue mit Begeisterung an den Computern“, erklärt Paul Cvilak.

Das mag berechnend klingen. Aber nur wer rechnet, kann langfristig Arbeitsplätze sichern, so das Credo des Geschäftsmannes. „Es ist Quatsch, jemanden einzustellen, nur um ihm oder ihr etwas Gutes zu tun. Schließlich müssen wir Gewinn machen, um langfristig Arbeitsplätze zu sichern. Die Beschäftigung von behinderten Menschen muss sich letztlich rechnen.“
Auch, was die Außenwirkung betrifft. Denn ein Inklusives Unternehmen wie die AfB legt großen Wert auf die Corporate Social Identity, handelt also nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“: „Künftig werden die Firmen viel stärker daran gemessen, inwieweit sie sozial und verantwortungsvoll handeln.“ Die Corporate Social Identity ist für ihn also kein schmückendes Beiwerk, sondern ein zukunftsfähiges Erfolgsrezept.

Ethisches Handeln ist gefragt
Einen Trend, den auch Professor Dr. Christian Kalhöfer, Dozent an der ADG Business School, während der Podiumsdiskussion aufgreift: „Wir sensibilisieren unsere Studenten in der Ausbildung für ethische Fragen. Es geht inzwischen nicht mehr darum, um jeden Preis Gewinn zu machen, sondern auf eine Art und Weise, die ethisch vertretbar ist“, erklärt der Experte und nennt das Genossenschafts-Modell Friedrich Wilhelm Raiffeisens als Beispiel. Das Interesse an ethischem Handeln ist bei den Unternehmen also da. Auch in der Region, wie Landrat Achim Schwickert betont. Aber viele Betriebe sind im Bezug auf behinderte Arbeitnehmer immer noch verunsichert. Sie wissen nicht, welche Risiken sie eingehen, wenn sie diese Menschen einstellen. Martin Willuweit leitet den Integrationsfachdienst des Diakonischen Werks Westerwald und kennt die Bedenken. Sein Arbeitsbereich begleitet behinderte Menschen im Job und berät Arbeitgeber, wie das Miteinander im Betrieb nicht nur reibungslos, sondern auch für beide Seiten gewinnbringend funktionieren kann: „Es gibt drei Arten von Leistungen, die Firmen in Anspruch nehmen können: finanzielle Leistungen, zum Beispiel in Form eines Lohnkostenzuschusses oder Einarbeitungszuschüssen für behinderte Menschen. Außerdem besteht die Möglichkeit der technischen Hilfe in Form von Geräten, die den Betroffenen das Leben am Arbeitsplatz erleichtern. Und schließlich gibt es die Beratungsleistungen, zum Beispiel durch unseren Integrationsfachdienst. Wir coachen Arbeitgeber und behinderte Arbeitnehmer und zeigen, welche Art der Unterstützungen es gibt, damit auch behinderte Menschen ihre Leistung in der Firma bringen können.“

Für den Leiter der Caritas-Werkstätten, Armin Gutwald, ist eben dieser letzte Punkt ein wichtiger Schlüssel für die funktionierende Inklusion: „Man kann behinderte Menschen in einem Betrieb nicht einfach sich selbst überlassen. Man muss sie coachen und begleiten. Das kostet zwar Geld, hilft aber, dass Arbeitsverhältnisse langfristig bestehen bleiben.“
Inklusion nutzt Arbeitgebern und –nehmern also langfristig. Und sie hilft, dass das Image der Firmen besser wird – was letztlich wieder den Geschäften zugute kommt, fasst Moderator Elmar Wagner den Abend zusammen. „Unternehmen haben Erfolg, weil sie ethisch agieren. Wirtschaft und Ethik sind keine Widersprüche mehr.“ (PM)

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