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Nachricht vom 08.08.2018 - 08:56 Uhr    

Hoffen auf den Landregen: Kartoffeln und Mais brauchen Wasser

Die extreme Trockenheit und die hohen Temperaturen haben Auswirkungen auf den Ackerbau: Kartoffeln werden nicht so groß oder stellen das Wachstum ein, das Grünland ist ausgedörrt und auch der Mais bleibt nicht unberührt. Alles braucht Wasser. Der AK-Kurier besuchte stellvertretend Landwirtschaftsmeister Gerd Hoffmann aus Gebhardshain, der Kartoffeln und Braugerste anbaut, aber auch Silage für das Mastvieh anlegen muss.

Landwirtschaftsmeister Gerd Hoffmann auf dem Kartoffelacker. Auch das trockene Kraut ist auf den Dämmen zu sehen. Foto: (tt)

Gebhardshain. „Andere sprechen von schlechtem Wetter, wir wissen, was Regen für uns bedeutet“, sagte Gerd Hoffmann und ergänzt: „Bei uns hat es wirtschaftliche Folgen.“ Regen ist auch an diesem Tag im August 2018 – es ist Freitag, der 3. August –, auszuschließen. Nicht ein Wolkenfetzchen trübt den blauen Himmel. Es ist zehn Uhr am Morgen, und Hoffmann ist noch auf dem Acker. Kartoffeln haben er, sein Mitarbeiter Michael Kunert und dessen Sohn Niklas aus der Erde geholt. Seit 7 Uhr in der Frühe. Jetzt, das Thermometer steht bereits bei gut 23 Grad Celsius, tue es den Kartoffeln nicht mehr gut, sie weiter aus der Erde zu holen, sagt Hoffmann.

Auf dem Feld, wo der Vollkartoffelernter die Knollen aus dem Boden befördert hat, ist zu erkennen, dass bei einigen Pflanzen das Kraut braun auf dem Damm, der angehäufelten Erde, liegt. Das sei keine Fäule, sondern sei der Trockenheit geschuldet, erklärt der regionale Erzeuger Hoffmann. Bei den frühen Kartoffeln sehe es gar nicht so schlecht aus. Diese waren in die Erde gekommen und hatten noch gut Regen abbekommen. „Wenn nach dem Pflanzen der Damm von oben nach unten mit Wasser voll läuft, richtig durchweicht, dann ist das schon die halbe Miete“, sagt der 62-Jährige, der in dritter Generation den früheren Aussiedlerhof am Ortsausgang in Richtung Fensdorf führt. Seit rund 30 Jahren ist er Eigentümer des Kartoffelhofes. Die Trockenheit hätten die Frühkartoffeln einigermaßen gut überstanden.

Ein Hoch löst das andere ab
Aber bei den Folgesorten sei mit großen Einbußen zu rechnen. Jedoch sei das Wachstum noch nicht ganz abgeschlossen, sodass nichts abschließend dazu gesagt werden könne, aber: „Es sind Trockenschäden erkennbar.“ So rechnet auch Hoffmann mit weniger Ertrag. Ganz klar, dass auch Hoffmann sich eines wünscht: Regen. Natürlich nicht von dem Kaliber, den die Böden nach der Trockenheit gar nicht so schnell aufnehmen können. Bleibt man beim Beispiel der Kartoffel, dann sollte es Regen sein, der den Damm von oben nach unten gut mit Wasser füllt. Niederschlag ist jedoch nicht allein ausschlaggebend. Bei der Knolle setzt um 30 Grad Celsius das Wachstum aus, verdeutlicht der Landwirt. Vor etwa vier Wochen habe es angefangen eng zu werden, blickt er auf die Witterung zurück. Die Sieben-Schläfer-Regel sei die einzige, die am ehesten beim Wetter zu treffe: „Da löst ein Hoch das andere ab.“ In diesem Jahr trifft die Regel allemal zu.

Trotz der Witterung sei die Qualität der Kartoffeln gut, betont Hoffmann: „Die Kartoffeln, die gewachsen sind, sind gut.“ Vorsichtig ist er jedoch beim Einschätzen des Ernteertrages. Es sei noch zu früh, sich hier zu abschließend zu äußern, denn hier müsse die weitere Entwicklung abgewartet werden. Wenn er eine Prognose wagen sollte, dann schätzt er, dass es 25 Prozent weniger eingefahren werden könnte. Es werde auf jeden Fall kleinere Kartoffeln geben, und: „Der Anteil an Übergrößen wird deutlich geringer sein.“ Die Ernte werde jedoch nicht früher vollzogen. Die Frucht bleibe so lange wie möglich im Boden, damit sie nicht so früh zu keimen beginnt. Wenn die Kartoffeln noch Wasser bekommen und die Temperatur passen sollte, dann könne es noch ein bisschen Zuwachs geben. So hofft Hoffmann, der auch einen Kartoffelschälbetrieb betreibt, auf Landregen, den der Boden aufnehmen kann, am besten nachts, am Tag Sonne – und gegen Regen am Tag ist sicherlich nichts einzuwenden. Man habe noch viel Hoffnung, dass sich etwas ändert, sagte der Landwirt.

Hoffmann hält auch Mastvieh, das mit der Silage aus Grünschnitt sowie Mais gefüttert wird. In einem Kreislauf, der bis ins Folgejahr hineinreichen soll. Also bis eben wieder Neues nachgewachsen ist, wenn zum Beispiel die vier geplanten Grünschnitte wieder allmählich alles auffüllen. Vor sechs Wochen wurde der bislang letzte Schnitt eingefahren. Der dritte Schnitt, der nun an der Reihe wäre, fällt vollständig aus, konstatiert Hoffmann: „Wir hoffen, dass wir noch einen guten im Spätherbst bekommen, den wir dringend benötigen.“ So werde man zu wenig Futter haben. Die Hälfte komme im Mai und Juni zusammen, und über die größere Zeitspanne von Juli bis Ende Oktober die zweite Hälfte – aber: „Uns fehlt ein kompletter Schnitt.“

Der Mais rollt die Blätter ein
Der Mais, der nicht so hoch gewachsen sei und sehr früh in der Blüte stehe, leide auch sehr. Und dabei sei jetzt die Zeit, wo die Pflanze bei der Kolbenbildung einen hohen Wasserbedarf hat. Fehlt der Maispflanze Wasser, dann rolle sie die Blätter ein, und nach einem Regenschauer würden sie sich in kurzer Zeit wieder entfalten. Ein Punkt sei es jedoch, wenn die Blätter beginnen zu vertrocknen. Auch wenn der Mais, der als Viehfutter dienen soll, niedrig gewachsen ist, so könnte er noch zu retten sein, meint Hoffmann, der aber auch betont: „Es wird kein Normaljahr werden.“ Auch diese Futterpflanze ist in dem Kreislauf eingeplant, der Mais soll bis zur neuen Ernte reichen. Und Zukauf? Ausgeschlossen, winkt der Landwirt ab. Schließlich hätten ja dann alle nichts. 1976, erinnert sich der gebürtige Gebhardshainer, habe es hier eine starke Trockenheit gegeben. In Rheinhessen, das nicht so betroffen gewesen sei, sei er mit dabei gewesen, als die Landwirte mit dem Bauernverband dort Stroh geholt hätten. Die Bundeswehr habe geholfen mit Lastkraftwagen das Material zu Eisenbahnwaggons zu schaffen. Über die Schiene sei das Stroh zum Beispiel in Elben angekommen, und dort holte sich der Gebhardshainer Familienbetrieb das Material. Es sei kein richtiges Futter gewesen, eher ein Füllstoff. In jenem Jahr war Hoffmann noch in der Ausbildung.

2003 soll ja noch trockener gewesen sein als 2018, verwies er auf entsprechende Meldungen, aber: „Das hier ist ja auch noch nicht fertig.“ Bei der Braugerste bilanziert er 20 Prozent weniger Ertrag. Die Ernte beim Getreide sei so früh wie noch nie, der Ertrag geringer und die Ähren hätten weniger Körner. Bei der Gerste seien die Körner normal, aber beim Weizen kleiner. Gerade auf Kuppen sei das Getreide vertrocknet, das Korn kleiner ausgefallen. Viel hänge auch mit dem Boden und seiner Beschaffenheit zusammen, erläuterte der Landwirtschaftsmeister. Seit mehreren Jahren arbeite man auf dem Kartoffelhof Hoffmann konservierend. Statt Pflügen, das auch seine Berechtigung habe, werde Mulchsaat praktiziert. Der Boden sei von seiner Beschaffenheit her für Wasser speicherfähiger, erläutert Hoffmann: „Diese ist von Vorteil, und in einem solchen Jahr besonders.“ (tt)

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