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Nachricht vom 11.07.2018 - 12:51 Uhr    

Neuer Freund für Beo „Paule“ im Bad Marienberger Wildpark

Der Beo aus dem Wildpark Bad Marienberg hat Gesellschaft bekommen. Gern begrüßt Paule in den Sommermonaten die Besucher des Wildparks mit Geplauder oder einem kurzen – aber sehr lauten – Pfiff. Seit rund vier Wochen hat der bereits seit einigen Jahren allein lebende Beo einen neuen Gefährten: Benjamin. Das Veterinäramt des Westerwaldkreises half bei der Vermittlung. Die Vogelhaltung, insbesondere die von Sittichen und Papageien, ist sehr beliebt in Deutschland, will aber gut bedacht sein.

Beo Paule hat nun einen neuen Weggefährten. (Foto: Wildpark Bad Marienberg)

Bad Marienberg. Seit einigen Jahren wohnt Beo „Paule“ im Wildpark Bad Marienberg. Er kam mit seiner Partnerin „Jule“ 2009 in den Westerwald. Wie der Ranger und Wildparkleiter berichtet, steckten Besucher wohl mehrfach aus Unachtsamkeit für Beos nicht geeignetes Futter oder Gegenstände durch das Volierengitter. Während der sehr vorsichtige „Paule“ Fremdes nicht anrührt, nahm der weibliche Vogel das Material gelegentlich auf und verstarb letztendlich sogar daran. Seitdem lebt „Paule“ allein in seinem Häuschen mit angeschlossener Voliere im Eingangsbereich des Parks. Gern begrüßt er in den Sommermonaten die Besucher des Wildparks mit Geplauder oder einem kurzen – aber sehr lauten – Pfiff. Noch immer ist aber auch der Ruf „Wo ist Jule?“ dabei zu hören.

Beos leben monogam
Beos gehören zu den Starenvögeln. Wie die heimischen Stare sind sie in ihrer Heimat Süd-Ost Asien und Indien häufig in Schwärmen unterwegs, leben aber monogam, also in Einehe. So fehlte „Paule“ trotz bester Pflege und eines vogelgerecht ausgestalteten Domizils im Wildpark ein ganz wichtiger Teil „zum Glück“ – oder „zur artgerechten Haltung“.

Nun gab es im Kreis einen weiteren Beo, „Benjamin“, der „Paules“ Schicksal als „Vogel-Single“ teilte. Er erfreute bisher die Kunden einer Gärtnerei mit seiner munteren Art. Auch hier leistete das Veterinäramt Aufklärungsarbeit hinsichtlich einer artgerechten Tierhaltung, die die Einzelhaltung gesellig lebender Tiere nicht zulässt. Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten war die Aufnahme eines weiteren Vogels als Partnerin für „Benjamin“ dort jedoch nicht möglich. Da dem Inhaber der Gärtnerei das Wohl seines Vogels am Herzen lag, wurde daher der Vorschlag des Veterinäramtes, einen Versuch der Vergesellschaftung mit dem Bad Marienberger Beo zu starten, von ihm begrüßt. Allerdings konnte niemand vorhersagen, ob sich die beiden mutmaßlich männlichen und auch schon etwas älteren Tiere miteinander vertragen würden.

Nach Rücksprache mit einer im Westerwaldkreis ansässigen Vogel- und Sittichexpertin wurde beschlossen, die Vögel zu Beginn der Sommersaison zusammen zu führen und beide – bei gegebener Verträglichkeit – dauerhaft im Bad Marienberger Wildpark unterzubringen.

Gemeinsam sind sie weniger allein
Gesagt, getan. Amtsveterinärin Kerstin Oelze ließ es sich nicht nehmen, den Vogel persönlich in sein neues Zuhause zu bringen. Auch die Vogelexpertin begleitete das Unternehmen, um mit Tipps aus ihrem reichen Erfahrungsschatz zu einer erfolgreichen Zusammenführung und einem harmonischen Zusammenleben beizutragen. Die Spannung bei allen Beteiligten war groß, als „Benjamin“ aus seiner Transportbox in sein neues Heim entlassen wurde, insbesondere auch deshalb, weil sich in diesem Moment zeigte, dass Benjamin aufgrund einer Befiederungsstörung zurzeit nicht flugfähig war. Entgegen aller Befürchtungen begrüßten sich der ortsansässige und der neu zugezogene Beo unbefangen und waren kurz darauf friedlich knabbernd an den Futterstellen zu finden.

Um auch „Benjamin“ Futter- und Wassernäpfe und die höhergelegenen Aussichtsstellen in der Voliere zugänglich zu machen, wurde ohne zu zögern zu Baumschere und Handwerkszeug gegriffen. In kürzester Zeit wurde für das eingeschränkte Tier aus Ästen des nebenstehenden Kirschbaums ein perfektes Klettergerüst gefertigt, das der schlaue Vogel auch sofort zu nutzen wusste. Inzwischen hat sich der Beo gut in seinem neuen Heim eingelebt und genießt das Zusammensein mit seinem Artgenossen „Paule“. Obwohl die Besucher der Gärtnerei nun auf den Plausch mit „Benjamin“ verzichten müssen, werden die echten Tierfreunde sich sicher mit ihm über seinen neuen Freund freuen und kann ihn in seinem neuen Zuhause besuchen.

Was Vogelhalter wissen sollten
Die Vogelhaltung, insbesondere die von Sittichen und Papageien, ist sehr beliebt in Deutschland, will aber gut bedacht sein. Laut der Kreisverwaltung ist für die Haltung vieler dieser Exoten eine Genehmigung erforderlich. Zudem gibt es gewisse Mindestanforderungen an die Haltung dieser Tiere, z.B. was Volierengröße und deren Ausgestaltung betrifft. Auch eine Einzelhaltung ist in den allermeisten Fällen nicht tiergerecht. Die meisten Arten müssen mindestens zu zweit gehalten werden. Auch bei intensivster Beschäftigung kann der Halter die Artgenossen nie ersetzen. Der tägliche Freiflug ist ebenso notwendig, um den Vögeln ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Da sich die Arten hinsichtlich ihrer Ansprüche oft deutlich voneinander unterscheiden, sollten sich die angehenden Besitzer vor dem Erwerb eines Vogels intensiv mit dessen natürlicher Lebensweise und den sich daraus ergebenden Anforderungen an die Haltung als Heimtier beschäftigen. (PM)

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